Weilheim ist zweiter Schulstandort in Bayern

Ökolandbau lernen

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Weilheim/Landkreis – Ein neuer Lebensabschnitt begann für 35 Studierende an der Landwirtschaftsschule. 16 von ihnen besuchen die neue dreimestrige Ökoschule.

Unter ihnen war Theresia Singer aus Hofheim bei Murnau, die mehr über den ökologischen Landbau erfahren will. „Unser Milchviehbetrieb wird traditionell bewirtschaftet“, berichtete die 21-Jährige Landwirtin, die von dem neuen Studiengang „viele neue Impulse“ erwartet.

Dass die Fachschule für ökologischen Landbau an der Landwirtschaftsschule angesiedelt ist, freut Amtsleiter Markus Schmorell: „Beide Schulen haben nun in Weilheim eine Heimat gefunden.“ Ebenso begrüßte Landrat Dr. Friedrich Zeller die Entscheidung des Landwirtschaftsministeriums. Der Landkreis ist Sachaufwandsträger der Schule. Auf die Tradition des Schulstandortes, der seit 1922 besteht, ging Ministerialdirektor Martin Neumeyer ein. In den parallel geführten Fachschulen wird der Nachwuchs für die konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betriebe qualifiert. „Wir sind Kollegen auf gleicher Augenhöhe“, kommentierte dies BBV-Kreisobmann Wolfgang Scholz.

Von der Pike auf, so sieht es der Lehrplan vor, sollen die Fachschüler auf die Führung eines ökologisch wirtschaftenden Betriebes vorbereitet werden. Nach drei Semestern mit breit gefächertem Unterrichtsangebot verlassen sie die Schule als „Staatlich geprüfte Wirtschafter für ökologischen Landbau“ oder mit dem Meisterbrief. 

Bis aus dem Alb-Donau-Kreis, aus Mühldorf am Inn, Günzburg und Rosenheim kommen die 16 Studierenden, auf deren elterlichen Betrieben konventionell oder ökologisch gearbeitet wird, zwei Schüler haben keinen eigenen Betrieb. Aus Weilheim-Schongau gab es keine Interessenten, wohl aber etliche aus den Nachbarlandkreisen Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen.

Laut Schulleiterin Birgit Graßl, die bei der Eröffnungsfeier für ihre engagierte Pionierarbeit Lob erhielt, sind die externen Studierenden in Weilheim und Umgebung in Privatquartieren untergebracht. An Mietangeboten habe es nicht gemangelt, zeigte sich Graßl auf Nachfrage erleichtert und schickte noch einen Wunsch nach: „Ein Internat, in dem alle zentral wohnen können, wäre schön!“

„Eigenverantwortlich und naturverbunden“ sollen sie auf ihren Betrieben handeln, appel- lierte der Amtschef des bayerischen Landwirtschaftsministeriums Martin Neumeier an die künftigen Unternehmer. Ihre Aufgabe sei es auch, die Landwirtschaft wieder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und die Verbraucher über den Wert regional erzeugter Nahrungsmittel aufzuklären. Das neue Programm „BioRegio Bayern 2020“ (wir berichteten) sei aufgelegt worden, weil es hierzulande erst knapp sieben Prozent produzierende Biobauern gibt. Die neue Fachschule könne dazu beitragen, dass der ökologische Landbau „aus seinem Nischendasein herauswachsen kann“, gab sich der Vorsitzende der Landesvereinigung, Josef Wetzstein, zuversichtlich. „Die Österreicher“, so Wetzstein weiter, „sind im ökologischen Bereich dreimal so weit.“ BBV-Kreisobmann Wolfgang Scholz verdeutlichte den künftigen „Landwirtschaftsspezialisten“ in seinem Grußwort, wie wichtig die Diversifizierung (Vielfalt, Anm.d. Red.) der Bildung ist. 

Auch für Markus Schnitzler aus Dießen stellt der Ökolandbau eine interessante Alternative dar. Der gelernte Metzger ist „über`s Hobby“ zur Schafhaltung gekommen und hält im Nebenerwerb rund 150 Tiere. Das Lammfleisch verkauft er direkt an die Gastronomiebetriebe und Endverbraucher, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. „Der Markt und die Nachfrage sind da“, stellte der 45-jährige Dießener fest, der jetzt regelmäßig zur Ökoschule nach Weilheim pendeln wird.

Von Maria Hofstetter

 

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