Neue Versuchsanlage in Wielenbach untersucht Schadstoffe in Gewässern

Die unsichtbare Gefahr

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Stolz nahm LfU-Präsident Claus Kumutat (li.) den symbolischen Schlüssel für die neue Versuchsanlage von Peter Aumann, stellvertretender Leiter des Bauamtes, entgegen.

Wielenbach – Das Wasser in unseren Flüssen und Seen ist von guter Qualität, das bestätigte das Gesundheitsamt auch in dieser Badesaison. Was viele aber nicht wissen: Zahlreiche Stoffe, die durch unsere Abflüsse in den Gewässern enden, schaden den Fischen und letztendlich uns.

Denn die belasteten Tiere landen auf unseren Tellern und schließlich in unseren Körpern. Wie schädlich viele der unsichtbaren Schadstoffe sind, die sich in den Fischen ansammeln, wird in der neuen ökotoxikologischen Versuchsanlage erforscht. Am Montag wurde sie vom Staatlichen Bauamt Weilheim bei einem kleinen Festakt an die Dienststelle des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) in Wielenbach übergeben.

Vor genau einem Jahr wurde Richtfest gefeiert. Nun ist das Gebäude fertiggestellt und so eingerichtet, dass dort bereits Tests laufen können. „Es ist ein wichtiger Schritt voran in der Bewertung von Gewässern“, sagte LfU-Präsident Claus Kumutat, bevor er den symbolischen Schlüssel von Peter Aumann, stellvertretender Leiter des Bauamtes, überreicht bekam. Gerade da es immer mehr neue Produkte auf dem Markt gebe, sei es eine ständige Herausforderung herauszufinden, was den Gewässern und den Tieren darin schadet. „Wir müssen diesen Stoffen hinterherspüren“, sieht Kumutat die Aufgabe der Anlage als Detektivarbeit. „Dabei geht es nicht nur um die akute Belastung, sondern um die Langzeitwirkung. Warum die Industrie nicht schon an das Landesamt für Umwelt herantritt, bevor neue Stoffe verwendet werden, sei Kumutat jedoch ein Rätsel, gab es auch Kritik zu hören. Nur so sei es möglich, Schwellenwerte einzuhalten und politische Entscheidungen zu beeinflussen.

Wielenbach – 16 Aquarien stehen im 120 Quadratmeter großen Herzstück, dem Expositionsraum der neuen Versuchsanlage. 250 Quadratmeter Fläche hat das gesamte Gebäude. Mit Interieur hat es etwa 1,3 Millionen Euro gekostet.

Hauptsächlich werden darin Regenbogenforellen gehalten, aber auch die heimischen Bachforellen. Für weitere Testreihen sind andere Fischarten ebenfalls vorgesehen. „Wir 

Der Durchfluss in den Becken wird genau geregelt. Zu einem Tausendstel werden Stoffe, die in den Gewässern auch vorkommen, zugeführt.alten die strengen tierschutzrechtlichen Vorgaben penibel ein“, versicherte Claus Kumutat.

Auch Labortechniker Hermann Ferling ging bei einer Führung für die geladenen Gäste nochmals eindringlich auf den Tierschutzaspekt ein. Jeder Versuch ist auf 28 Tage begrenzt, so wie es eine Richtlinie besagt. Außerdem hat der Versuchsraum eine spezielle Lichtanlage, die die Dämmerung morgens und abends simuliert und so einen Tag-Nacht-Verlauf ähnlich der Natur bietet. Darüber hinaus wird das Wasser in einer Enthärtungsanlage so behandelt, dass die Fische aber auch die Technik gut damit zurechtkommen.

Größere Aquarien als in der alten Anlage waren unter anderem notwendig, da für die vielen verschiedenen Untersuchungswerte mehr Blut gebraucht wird. Kleinere Fische, wie sie bisher verwendet wurden, haben zu wenig. Nun können in den neuen Aquarien auch größere Exemplare für Versuche gehalten werden. Ein weiterer Grund für die Investition: Die alte Versuchsanlage steht auf einer vom Hochwasser gefährdeten Fläche.

Viele Stoffe gelangen in den Abfluss, ohne dass wir uns große Gedanken darüber machen. Diclofenac beispielsweise, das in entzündungshemmenden Cremes vorkommt, die bei Prellungen und ähnlichen Verletzungen verwendet werden, kommt in fast allen Gewässern vor. Ebenso Bestandteile von Kopfschmerzmitteln und vielen anderen Medikamenten.

Auch wenn es nur geringe Anteile sind, können die Stoffe bei den Fischen verheerende Schäden anrichten. Beispielsweise verändern sich die Organe und das Blutbild. Auch PFOS, das dafür verwendet wird, Textilien wasserabweisend zu machen, gefährdet die Fische, indem ihr Hormonhaushalt komplett aus der Bahn geworfen wird.

Ein anderes Problem ist das Mikroplastik, das beispielsweise in zahlreichen Peelings oder Zahncremes vorhanden ist. Außerdem gibt es auch viele Plastikmoleküle, die aus Leitungen oder von Abfällen stammen. 

Zwischen 20 und 25 Parameter können an jedem der Fische untersucht, interpretiert und auf die jeweils zugeführte Substanz werden. Die Ergebnisse sind deshalb so bedeutsam, da die meisten Kläranlagen die betroffenen Stoffe nicht herausfiltern können und sie so in den Tieren und auch in unseren Körpern landen. Nur wenn die Gefahr bekannt ist, kann etwas unternommen werden.

Von Ursula Gnadl

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