Droht die Abrissbirne?

Online-Petition kämpft für Eselfarm: Landrätin nimmt 7 263 Unterschriften entgegen

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Petition-Initiatorin Diemut Walde (Mitte) übergibt die über 7 000 Unterschriften zum Erhalt der Pähler Eselfarm an Landrätin Andrea Jochner-Weiß (li.). Re. im Bild Eselfarmerin Anahid Klotz.

Weilheim – Mit diesem Medienecho hatte Landrätin Andrea Jochner-Weiß nicht gerechnet, als sie am Landratsamt das Ergebnis einer Online-Petition zum Erhalt der Pähler Eselfarm „Asinella“ in Empfang nahm.

Der BR, das ZDF, TV München und lokale TV- und Hörfunksender hatten Teams zum Landratsamt geschickt, wo Initiatorin Diemut Walde 7 263 Befürworter-Unterschriften übergab. 2 289 davon kamen aus dem Landkreis Weilheim-Schongau, das erforderliche Quorum von 1 400 ist damit weit überschritten. Eselfarmerin Anahid Klotz war mit einem ihrer elf als Therapietiere ausgebildeten Esel gekommen und hoffte auf positive Worte der Landrätin. Die aber bat um Geduld, da sich drei Behörden mit dem „Fall Asinella“ beschäftigen. Es gehe hier weder um Tierliebe noch um therapeutische Erfolge, sondern zunächst allein um Baurecht und Privilegierung.

Anahid Klotz und ihr Mann betreiben seit 15 Jahren in Pähl südlich des Ammersees neben der klassischen Landwirtschaft eine Eselfarm mit Therapietieren (wir berichteten). Die regelmäßigen Besuche in Schulen, Seniorenheimen, Einrichtungen für behinderte oder autistische Kinder bis hin zu schwer traumatisierten Frauen mildern Ängste, stärken das Selbstbewusstsein und fördern die Fähigkeit zum Aufbau sozialer Kontakte, wie Esel-Expertin Anahid Klotz bei der Übergabe der Petition in Weilheim vor den Kameras betonte.

Bettina Freimut, Fachberaterin für tiergestützte Pädagogik aus Schongau, gehört ebenfalls zu den Unterstützern der Eselfarm Asinella.

Dem konnte Bettina Freimut aus Schongau nur beipflichten. Sie ist zertifizierte Fachkraft für tiergestützte Pädagogik und Fachberaterin im Bereich professioneller tiergestützter Intervention. Freimut arbeitet seit Jahren erfolgreich mit Anahid Klotz zusammen und würde es unendlich bedauern, wenn die Eselfarm aufgegeben werden muss. Zur Übergabe kam sie mit einem Schild, auf dem unter anderem stand: „JA zur Biodiversität, artgerechter Tierhaltung und kleinbäuerlicher Struktur.“

Zudem droht dem historischen Bauernhof (Baujahr 1945) mit Stallungen und Nebengebäuden die Abrissbirne, weil das Landratsamt Weilheim-Schongau hier keinen landwirtschaftlichen Betrieb mehr sieht und angeblich auch kein Bauantrag vorliegt. Anahid Klotz hatte keine offiziellen Anträge für eine „landwirtschaftliche Privilegierung“ gestellt, weil sie selbstverständlich davon ausgegangen war, eine Landwirtschaft zu betreiben. Sie und ihr Mann bewirtschaften schließlich acht Hektar Land, haben drei Rinder, drei Ziegen, 20 Schafe, zehn Hühner und 28 Bienenvölker. Aber nur ein „privilegierter“ Betrieb dürfe im Außenbereich Gebäude unterhalten. Die Eselfarm sei laut den Behörden ein Gewerbebetrieb und könne nur in einem Gewerbegebiet oder dörflichen Mischgebiet ansässig sein.

Rainer Schömig, Leiter Abteilung Bauen und Umwelt im Landratsamt, sagte im TV-Interview: „In diesem Fall ist das Problem, dass der Betrieb durch die Eselfarm geprägt wird. Die Landwirtschaft macht im Baurecht die Bodenertragsnutzung aus und die Eselfarm verfolgt das eben nicht, sondern ist eine gewerbliche Tätigkeit, weil sie eine Dienstleistung darstellt.“ Bleibt also nur die Hoffnung auf Gnade vor dem Recht. Vielleicht helfen die vielen Unterstützer-Unterschriften und die zahlreichen Berichterstattungen.
Von Dieter Roettig
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