Interview mit Schauspieler Michael Lerchenberg

"Alles, aber kein heiliger Ernst"

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Michael Lerchenberg gehört zum Ensemble der erfolgreichen „Opern auf Bayrisch“.

Weilheim – Michael Lerchenberg präsentiert mit Gerd Anthoff und Conny Glogger am Samstag, 18. Februar, „Opern auf Bayrisch“. Bei der dritten Auflage in Weilheim stehen die Opern „Freischütz“, „Tannhäuser“ und „Turandot“ auf dem Programm. Im Interview erzählte Lerchenberg, warum sich der Besuch von „Opern auf Bayrisch“ definitiv lohnt und wie er zum Ensemble kam.

Wie erklären Sie „Opern auf Bayrisch“ jemandem, der nicht weiß, um was es dabei geht?

Michael Lerchenberg: „Wenn ich es einem Bayern erkläre: Das ist eine unglaubliche Gaudi, mit parodistischer Musik, gelungenen Textparodien und vielen Überraschungen. Es wird viel im Dialekt gesprochen, das gibt dem Ganzen eine besondere Würze. Ganz allgemein: es ist ein großer Genuss für alle Opernkenner und -liebhaber. Und uns freut der Nebeneffekt, dass Zuschauer hinterher sagen ‚jetzt habe ich zum ersten Mal verstanden, um was es beim Ring der Nibelungen geht‘.“

Glauben Sie, dass mit „Opern auf Bayrisch“ das Interesse der Besucher am Original geweckt wird?

Lerchenberg: „Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe ‚Der Fliegende Holländer‘ auch erst gesehen, nachdem ich ihn als ‚Oper auf Bayrisch‘ schon lange kannte. Das war nicht unkomisch. Der Oper wohnt oft ein heiliger Ernst inne. Wir haben alles, aber keinen heiligen Ernst.“

Was verbinden Sie mit Opern?

Lerchenberg: „Opern sind eine spannende Form von Musiktheater. Die Musik versetzt einen fast schon in einen Rauschzustand. Es ist das Theater der großen Emotionen. Von den Sängern geht eine Faszination aus. Wenn ich die Chance habe, Jonas Kaufmann zu hören, ist das toll. Ich habe als ganz junger Schauspieler mit Plácido Domingo zusammengearbeitet. Das war wirklich großartig.“

Was erwartet die Besucher?

Lerchenberg: „Drei ganz unterschiedliche Opern, ein riesen Spaß und große Unterhaltung. Für jeden Opernliebhaber dringend zu empfehlen. Mehr verrate ich nicht.“

Welche musikalischen Verschmelzungen – bei „Aida“ war es der Triumphmarsch mit dem Lied „Ja, mir san mit‘m Radl da“ – bekommen die Zuschauer zu hören?

Lerchenberg:  „In Turandot geht am Anfang die musikalische Reise von Bayern bis nach China mit einem großen Orchestersolo. Eines unserer Glanzstücke! “

Wie sind Sie zum Ensemble von „Opern auf Bayrisch“ gekommen?

Lerchenberg: „Indem Gerd Anthoff keine Zeit hatte und ich für ihn eingesprungen bin. Zu dieser Zeit waren die Opern in München beim Bayrischen Staatsschauspiel beheimatet, ich habe dann ab und an mitgewirkt. Als dann Gustl Bayrhammer das Ensemble verließ, habe ich seinen Platz eingenommen.“

Wie lange sind Sie mit „Opern auf Bayrisch“ auf der Bühne?

Lerchenberg: „Ich habe die Opern erstmals 1985 gemacht. So lange ist das schon her. Unsere Textbücher sehen schon ganz zerlesen aus. Paul Schallweg, der Autor unserer Geschichten, hatte ursprünglich für einen Starkbieranstich eine ‚Oper auf Bayrisch‘ übersetzt. Für die Zuhörer war das eine große Gaudi und Überraschung. Aus dieser damaligen Bieridee ist eine Kultveranstaltung geworden. Aber so wie wir heute die Opern präsentieren, haben es unsere Kollegen nicht gemacht. Wir gehen da inzwischen frecher ran.“

Wie hat sich die Reichweite der Opern seit Ihrem Einstieg vor gut 30 Jahren geändert?

Lerchenberg: „Wir sind nicht mehr nur auf München beschränkt und jetzt in ganz Bayern sowie bis nach Hessen und Österreich unterwegs. Wir geben bis zu 20 Vorstellungen und nicht mehr nur acht wie früher. Der Kultstatus, den die Opern in München haben, erstreckt sich jetzt auf ganz Bayern.“

Was macht Ihnen an „Opern auf Bayrisch“ besonders Spaß?

Lerchenberg: „Die Überraschungen. Die Musiker bauen da immer wieder Neues ein. So hat unser Dirigent zum Beispiel direkt nach der Trump-Wahl einen Militärmarsch in Moll gespielt. Das kam auch für uns unerwartet. Es ist das ‚work in progress‘ was ich mag.“

Wie intensiv ist die Vorbereitung für „Opern auf Bayrisch“?

Lerchenberg: „Die Musiker müssen immer proben. Die arbeiten die Partitur vor jeder Vorstellung durch. Bei uns ist es eher umgekehrt. Wir lieben die Spontanität, auch wenn einer von uns drei was Neues macht. Das geht aber nur, weil wir lange zusammenarbeiten und wissen, was wir tun.“

Wie bereiten Sie sich als Schauspieler auf Rollen vor?

Lerchenberg: „Mit dem Textlernen entwickelt man einen Menschen. Das macht man nicht bei den Proben, sondern zu Hause. Das Auswendiglernen ist also nicht das Thema. Es geht darum, einen Text zu durchdringen. Das Entscheidende ist der Mensch, was das für eine Figur ist. Ich lese auch Sekundärliteratur, um den historischen Kontext zu kennen. Wenn ich eine Figur darstelle, muss ich auch ihr Umfeld verstehen und mich damit auseinandersetzen.“

Haben Sie aktuell ein neues Projekt in Planung?

Lerchenberg: „Ich habe zum 150. Geburtstag von Ludwig Thoma ein Buch geschrieben. Thoma als Satiriker setzte sich viel mit der Kirche und ihren Priestern auseinander und das habe ich in diesem Buch zusammengefasst.“

Sie waren lange am Nockherberg als Bruder Barnabas und bayerischer Ministerpräsidenten Edmund Stoiber dabei. Vermissen Sie die Teilnahme?

Lerchenberg:  „Nein. Ich war 27 Jahre dabei und beim Theater oder Film endet immer irgendwas. Natürlich ist das auch mit Wehmut verbunden. Man kann sagen, es stirbt eine Figur, wenn ich sie nicht mehr spiele. Also bin ich es gewöhnt, dass Dinge enden.“

Vielen Dank für das Interview.

Von Melanie Wießmeyer

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