Theaterfreunde sorgen mit Veranstaltung in Weilheim für volle Stadthalle

Drei Opern im Schnelldurchlauf

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Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg (v.li.) lasen in der Weilheimer Stadthalle drei "Opern auf Bayrisch".

Weilheim – Opern sind oft nur für diejenigen verständlich, die sich mit der Materie schon intensiv beschäftigt haben. Und selbst, wenn die Texte vom Sinn her durchschaubar sind, erschwert der Gesang die Klarheit. Die Sprache der Opern in der Stadthalle am Samstag war da schon einfacher – zumindest für alle, die der bairischen Mundart mächtig sind.

Den Weilheimer Theaterfreunden ist es wieder einmal gelungen, eine Veranstaltung nach Weilheim zu holen, wie es sie normalerweise nur in großen Städten gibt. Der Aufwand hat sich gelohnt: Die „Opern auf Bayrisch“ waren so gut wie ausverkauft.

Wer jedoch eine klassische Oper erwartete, wurde überrascht. Zwar saßen Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg direkt vor dem Musikensemble, bis auf ein Liebeslied und einer Gstanzlrunde kamen sie aber ohne Gesang aus. Im Trachtenjanker an einem Holztisch, wie er in jedem Dorfwirtshaus stehen könnte, gingen den drei Schauspielern die bairischen Reime von Paul Schallweg, die sie ablasen, leicht von den Lippen.

Zwischendrin immer wieder ein Schluck aus dem Steinkrug. Die Erkenntnis, dass Bier seinen Ursprung gar nicht in Bayern hat, wie sie in „Aida“ zur Sprache kam, wog da natürlich schwer. Doch das ägyptisch anmutende „Prosit der Gemütlichkeit“ der Musiker zauberte schnell wieder Lächeln auf die Gesichter im Saal.

Das Trinklied war nur eine der vielen volkstümlichen Melodien, die in die Arrangements eingebaut wurden. „Ja, mia san mit‘m Radl da“, das sich mit dem Triumphmarsch vereinte, war genauso zu erkennen wie eine verfremdete Bayernhymne. Doch auch Lieder, die aus den jeweiligen Opern stammen, wie Richard Wagners „Treulich geführt“, das die Trauung von Elsa und Lohengrin begleitete, war zwar vom Grundmotiv immer wieder zu erkennen, verschwamm aber beispielsweise mit dem bayerischen Defiliermarsch.

Doch egal wie wechselhaft die Stücke auch waren: Das Ensemble um Andreas Kowalewitz hatte nicht nur sichtlich Spaß beim Spielen, sondern vermittelte den oft kompliziert arrangierten musikalischen Witz mit einer präzisen Leichtigkeit.

Nicht immer blieben die Schauspieler komplett in der Textvorlage und dratzten sich auch gegenseitig. Nach einer Gesangseinlage von Lerchenberg, inklusive eines herzerweichenden Jodlers für die „holde Aida“, meinte Anthoff zum Beispiel nur trocken: „Das nächste Mal mach ma‘s lieber mit Playback.“

Zum Publikumsliebling trommelte, pfiff und brüllte sich jedoch Percussionist Werner Hofmeister. Sitzen die Schlagzeuger in Konzerten meist ganz hinten auf der Bühne, hat er bei den Opern auf Bayrisch seinen festen Platz ganz vorne. Ob alte Wärmflasche aus Metall, Bratpfanne, Trillerpfeife, Kuhglocke oder ein spontaner Schuhplattler: Mit seinen ungewöhnlichen Tönen brachte Hofmeister das Publikum immer wieder auch ohne Sprechrolle zum Lachen.

„Der Verdi Sepp, des war ein Hund“, so die Quintessenz bei „Aida“, dem „Liebesdrama vom Nil“. Doch auch die „Meistersinger von Miesbach – oder: Wia der Oberförster Stolz den Stadtschreiber Beck ausgstocha hat“ und „Der Lohengrin von Wolfratshausen – oder: Weil d‘ Weiber oiwei ois wißn müaßn“ brachten komplizierte Werke ganz schnell auf den Punkt. Etwa bei einem Gstanzlsingen auf dem Miesbacher Volksfest, in dem zwei Männer ums „Eval“ buhlen oder als Gottfried beim Wasserlassen vom Felsen in die Loisach stürzt und Lohengrin sich schließlich verabschiedet mit: „War schee bei dir und etz is aus“, kommen bei Szenerien in regionalen Gefilden heimatliche Gefühle abseits jeder abgehobenen Opernkultur auf.

Eine Zugabe in Form einer Kurzversion von „Madame Butterfly“ bekam das begeisterte Publikum nach einem langen Applaus dazu. Das Ende folgte jedoch schnell: „Aus is, gar is, Harakiri.“

 

Von Ursula Gnadl

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