Bandleader aus Leidenschaft

New Orleans Dixie Stompers feiern 30-jähriges Bestehen mit Jubiläumskonzert

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Seit 30 Jahren ist Julius Acher (Posaune) der Bandleader der „New Orleans Dixie Stompers“.

Unterhausen – Julius Acher muss nicht in die Ferne schweifen, damit er den Dixieland-Jazz leben kann. Um das Gefühl der amerikanischen Südstaatenmusik zu transportieren, bleibt er in der Heimat. Und genau dort, in seinem kleinen Häuschen in Unterhausen, wurden vor 30 Jahren die „New Orleans Dixie Stompers“ ins Leben gerufen.

Bereits früh kam Julius Acher mit Instrumenten in Kontakt. Gemeinsam mit seinen sechs Geschwistern wurde zu Hause gerne musiziert. Als Bub lernte der gebürtige Peißenberger Geige, war dann aber doch recht froh, als sein großer Bruder das Instrument wieder zurückhaben wollte und er sich auf andere Dinge konzentrieren konnte.

Die ältesten Brüder machten gemeinsam Tanzmusik, doch in der Gruppe fehlte ein Bassist. Der 18-jährige Julius sollte diesem Part übernehmen und bekam kurzerhand Unterricht. „Der Musiklehrer hatte keine Ahnung davon“, amüsiert sich Acher noch heute über die ersten Übungen. Schnell wurde ihm der Kontrabass zu langweilig: „Ich wollte nicht nur den Rhythmus zupfen, sondern auch eine Melodie spielen.“ Und so fand er den Weg zur Posaune. Warum die Wahl genau auf das Blechinstrument fiel? „Weil es sonst fast keiner gespielt hat“, erhoffte sich Acher, in Bands benötigt zu werden. Doch schnell musste er erkennen: „Die Posaune war ein Handicap.“

Der junge Musiker ließ sich jedoch nicht abhalten, seiner Leidenschaft nachzugehen und entwickelte sein Interesse für die Musik abseits der heimischen Blaskapellen. Gemeinsam mit einer Band seiner Brüder trat er mit Tanzmusik regelmäßig auf – unter anderem im Bad Tölzer Café Schüler, wo er vor allem bei seiner heutigen Frau Eindruck machen konnte, die er dort kennenlernte.

Im Radio faszinierten Acher jedoch nicht die gängigen Charthits, sondern besonders die Jazzsendungen und nach und nach wollte er verstehen, wie diese Art von Musik funktioniert. „Da muss man sich erst reinhören“, erinnert sich der Hobbymusiker heute daran, dass ihm anfangs manches noch fremd vorkam. Doch er lauschte immer weiter, probierte aus und fand seinen eigenen Zugang, der die Leidenschaft für den Jazz endgültig besiegelte.

Diese wollte er viele Jahre später auch an seine Söhne Micha und Markus weitergeben. Die waren jedoch alles andere als begeistert, als der Vater – damals 50 Jahre alt – sie fest für seine neu gegründete Dixieband einplante. Musikalisch war der heute als „The Notwist“ weltweit bekannte Nachwuchs zwar damals schon, jedoch probten die Jungs lieber mit ihrer neu gegründeten Rockband tagelang im Pfadfinderheim. Mutter Barbara gelang es schließlich, die beiden zu überreden – dem Papa zuliebe machten sie mit. Schnell wurde die Formation bekannt und die „New Orleans Dixie Stompers“ hatten fast jedes Wochenende einen Auftritt, manchmal waren es sogar zwei oder drei an einem Tag. Auch Micha und Markus fanden Gefallen daran, denn so konnten sie sich ihr studentisches Finanzbudget regelmäßig aufbessern.

Seitdem ist viel geschehen. Über 50 Stücke hat Acher selbst komponiert und arrangiert. Die meisten handeln von der Heimat, wie zum Beispiel der „Ammersee Blues“ oder der „Weilheimer City Blues“. Das gesamte Repertoire, das auswendig performt werden kann, liegt bei über 100 Stücken und reicht für mindestens sechs Stunden. Vier CDs wurden in den letzten 30 Jahren aufgenommen. Zum Jubiläum folgt nun ein „Best of“, auf dem es auch einige neue Stücke zu hören gibt. Die Söhne sind mittlerweile so bekannt, dass sie nur noch selten Zeit haben, um bei den „Dixie Stompers“ mitspielen zu können. Doch zum Jubiläumskonzert am 3. November erweisen natürlich auch sie dem Papa die Ehre und treten mit ihm gemeinsam auf. „Geübt wird eigentlich nicht mehr viel davor“, gesteht Acher senior. „Außer mir sind ja alles Profimusiker. Die können das“, sagt er und grinst schelmisch.

Aufhören mit der Musik möchte der 80-Jährige noch lange nicht und hat derzeit sogar wieder eine Geige reaktiviert, um an das Erlernte aus Jugendtagen anzuknüpfen. Frau Barbara hört gerne zu und unterstützt ihren Gatten seit jeher bei allen Musikprojekten. Sie ist sich sicher: „Der hört erst auf, wenn er tot von der Bühne fällt.“

Termin: Samstag, 3. November, um 20 Uhr im Gasthof  "Zur Post“ in Eberfing.

Von Ursula Gallmetzer

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