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Ortsumfahrung Weilheim: Stadtrat debattiert über mögliche Westumfahrung

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Von: Sofia-Leonie Wiethaler

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Symbolfoto: Leerer Sitzungssaal.
Im Weilheimer Stadtrat ging es jüngst wieder um die Ortsumfahrung. © Symbolfoto: PantherMedia / Sophie_James

Weilheim – Zwar fast einstimmig, aber dennoch nicht ohne Diskussion wurde in der letzten Stadtratssitzung die Aufgabe des ursprünglichen Trassenkorridors einer möglichen Westumfahrung beschlossen. 

Wie Bauverwaltungs-Leiter Manfred Stork erörterte, sei im Zuge der Planungen für ein Gesamtverkehrskonzept und der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes in den Planfassungen des Flächennutzungsplanes der Jahre 2009 und 2012 ein Trassenkorridor für eine mögliche Westumfahrung aufgenommen worden. Dieser Korridor gehe auf die Machbarkeitsstudie des Ingenieurbüros Seib aus dem Jahr 2004 zurück und verlief von Süden kommend entlang eines Entwässerungsgrabens und führte direkt auf das Privat-Grundstück Tankenrainer Straße 27, um dann oberhalb der Tankenrainer Straße neben dem Säureweg in Richtung Norden über Unterhausen auf die B2 zu münden. Auf diese Planung aufbauend habe der Stadtrat in seiner Sitzung am 1. Juni 2006 folgenden Beschluss gefasst: „Um die Entwicklungsplanung durchführen zu können, sind bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes/Landschaftsplan/Umweltbericht zunächst beide Trassen (Ost/West) freizuhalten.“

In der Fassung des Flächennutzungsplanes aus 2012 wurde die Trassenführung leicht nach Westen auf das städtische Grundstück Tankenrainer Straße 29 verschwenkt. Der zwischenzeitlich neu durch das Staatliche Bauamt (STBA) untersuchte Korridor für eine Westumfahrung liege aber weiter westlich, in etwa auf der Höhe der Kreuzstraße. Daher habe das STBA auf Anfrage des Stadtbauamtes am 21. Januar 2022 folgende Aussage getroffen: „Die im Flächennutzungsplan der Stadt Weilheim dargestellte mögliche Trasse einer Westumfahrung von Weilheim befindet sich derzeit nicht unter den verbleibenden vier, in der engeren Wahl stehenden Trassenkorridoren.“ Daher wurde vorgeschlagen, den vom Stadtrat 2006 beschlossenen Trassenkorridor für eine mögliche Westumfahrung, im Hinblick auf den Verlauf im Bereich der Grundstücke Tankenrainer Straße 27 und Tankenrainer Straße 29, aufzugeben.

Der Großteil der Rät*innen teilte diese Meinung. Einzig Klaus Gast (CSU), Ortsteilreferent Deutenhausen/Marnbach, verweigerte die Zustimmung. Seiner Meinung nach sollten mit dem Vorgehen alle Möglichkeiten im Westen verhindert werden, so dass am Ende jeder einer Ostumfahrung zustimmen würde „damit es überhaupt eine gibt“. Das Vorgehen sei systematisch und eine von vielen Handlungen. Das wollte Bürgermeister Markus Loth (BfW) so nicht stehen lassen. Gasts Äußerungen seien totaler „Unfug“ und „politische Spielchen“ sollten bei dieser Angelegenheit rausgelassen werden. Das STBA habe es „von Haus aus“ abgelehnt, den Trassenkorridor von 2004 zu untersuchen. Durch den Beschluss sei die Westvariante, die weiter westlich verlaufe, aber weiter im Spiel, wie Stork auf Nachfrage feststellte.

BI und Schutzgemeinschaft

Ebenfalls anders sehen die Thematik die Bürgerinitiative (BI) Marnbach-Deutenhausen und die Schutzgemeinschaft Gögerl – Weilheimer Osten, die sich in einer E-Mail vor der Sitzung an Bürgermeister und Stadtrat gewandt hatten. Sie sprechen sich „in erster Linie absolut gegen alle Weilheimer Umfahrungsvarianten im Osten sowie im Westen aus“, wurde zu Beginn klargestellt. Jedoch sollten „im Sinne der Gerechtigkeit“, frühere Stadtratsbeschlüsse auch bezüglich der westlichen Trassenverläufe zwingend eingehalten werden. In der E-Mail wurde auch eine Chronik der Vorkommnisse eingefügt.

Darin heißt es unter anderem, dass in den 1990er-Jahren im Zuge der Weilheimer Flurbereinigung Grundstücke für die fast komplette Westtrasse herausgemessen und an die Stadt abgetreten worden seien. Zur Kreuzung der Tankenrainer Straße sei die geplante Westtrasse über ein damals unbebautes Grundstück Tankenrainer Straße 27 geführt worden (Machbarkeitsstudie Juni 2005). 2006 habe das Ingenieurbüro Seib die Trasse so optimiert, dass sie diese etwa 50 Meter Richtung Westen verschoben wurde. Damit sollte das von der Stadt erworbene Grundstück Tankenrainer Straße 29 genutzt werden. 2006 sei dann dieser ortsnahe Westtrassenverlauf in den Flächennutzungsplan aufgenommen worden. Nach der Aufnahme der Umfahrung Weilheim in den Bundesverkehrswegeplan, sei die Linie der Westumfahrung dann über das Grundstück Tankenrainer Straße 28 verlaufen (Präsentation STBA 12. November 2018).

Nun fragen sich BI und Schutzgemeinschaft: „Warum wurde die Trasse über Privatgrund gezogen? Wurde der Westtrassenkorridor aufgrund von Fehlinformation zwischen Stadt und STBA nicht auf das dafür erworbene städtische Grundstück Tankenrainer Straße 29 gelegt?“ Zudem sei 2021 das von der Stadt erworbene Grundstück Tankenrainer Straße 29, das groß genug wäre „für eine unterführte Straße“, verkauft worden. „Liegt wirklich eine so große Finanznot vor, dass genau dieses Grundstück zum jetzigen Zeitpunkt verkauft werden muss?“, wollen Initiative und Schutzgemeinschaft wissen.

Um ein „Weilheimer Stückl“ der Neuzeit zu verhindern, müsse der Stadtrat einen Weg finden, die Grundstücke Tankenrainer Straße 29 und 28 von Bebauung frei zu halten – „gegebenenfalls durch Tausch“, heißt es in der Mail.

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