Untersuchungsergebnisse vorgestellt

Ost-Tunnel ist Thema im Stadtrat Weilheim

Sitzungssaal
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Das Staatlichen Bauamt präsentierte die Untersuchungsergebnisse im Stadtrat.

Weilheim – Vor circa drei Monaten informierte das Staatliche Bauamt Weilheim über eine neue Variante für die Weilheimer Entlastungsstraße – den langen Ost-Tunnel ortsnah (wir berichteten). Nun präsentierte Andreas Lenker vom Staatlichen Bauamt die Untersuchungsergebnisse im Stadtrat.

Was die Planung für eine Entlastungsstraße angeht, befinde man sich gerade in der Vorplanung. Im Rennen befinden sich aktuell vier Haupttrassen (Westumgehung lang, Westumgehung kurz, Ostumgehung ortsnah, Ostumgehung ortsfern). Ausgeschieden ist inzwischen der Zentrumstunnel, dessen Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) unter dem Wert von 1 liegt und somit „gesamtwirtschaftlich nicht vorteilhaft“ ist. Für die neue Variante, den langen Ost-Tunnel ortsnah, gibt es bislang laut Lenker keine Ausschlusskriterien. Die Haltung der Stadt steht jedoch noch aus.

Was die Umweltverträglichkeit der Variante angeht, ergeben sich auch hier „Betroffenheiten in einigen Schutzgütern“, aber insgesamt sei es eine günstige Lösung, wie es in Lenkers Präsentation (hier nachzulesen) heißt. Bei der Bauzeit sind zwar „Betroffenheiten“ vorhanden, jedoch wesentlich geringer als zum Beispiel bei einer offenen Variante im Innenstadtbereich. Lenker rechnet mit einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren. Hinsichtlich einer Reihung aller Varianten, sei diese ähnlich günstig einzustufen wie der Zentrumstunnel, heißt es in der Präsentation weiter.

Im Anschluss ging Lenker auf die Zahlen, Daten und Fakten ein. Die Streckenlänge ist mit 4,3 km ausgewiesen und es würde eine Neuversiegelung von 6,8 ha notwendig. Die Investitionskosten liegen bei 125,9 Mio. Euro. Bei den Aufwendungen für den Betrieb würden jährlich 1,88 Mio. Euro fällig. Wobei darin auch Mittel für Maßnahmen wie eine Sanierung der Elektronik eingerechnet seien, wie Lenker erklärte. Diese Kosten trägt der Bund. Zur Veranschaulichung nannte Lenker den Guggenbergtunnel in Peißenberg, für den jährlich bereits 80 000 Euro für Strom anfallen würden. Beim NKV schneidet die neue Variante mit einem Wert von 2,20 ab und ist somit weiter im Rennen. Lenker berichtete zudem, dass bis zum jetzigen Planungsstand bereits über eine Mio. Euro für das Projekt Umfahrung Weilheim angefallen sind.

Danach äußerte sich der Bauamts-Mitarbeiter noch zu den weiteren Schritten. Als nächstes ist die Gegenüberstellung der Varianten vorgesehen, dann die Auswahl der Vorzugstrasse und danach die endgültige Abstimmung mit der Stadt. Lenker betonte in seiner Präsentation mehrfach die Bedeutung des kommunalen Willens, an dem der Freistaat nicht vorbei planen wolle.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Bürgerbefragung, deren erneute Durchführung im Stadtrat in der selben Sitzung einstimmig beschlossen wurde (wir berichteten).

Das sagen die Stadträte

Als erste meldete sich Brigitte Holeczek, Fraktionsvorsitzende der BfW, zu Wort. Sie sah die neue Variante als sehr positiv an. Bei Lenker erkundigte sie sich unter anderem danach, wie man sich die Baustelle beim Osttunnel vorzustellen habe. Laut dem Bauamts-Mitarbeiter erfolgt diese taktweise. Kein Bagger werde auf einen Schlag „alles aufreißen.“ Eine Nachtbaustelle würde niemand „freiwillig“ machen, da diese nur Kosten verursache. Sollten Flächen wie Sportstätten oder Kleingärten vom Bau betroffen sein, müsste der Bund den Schaden ersetzen. Ob das durch Geld oder einen Ersatz passiere, müsse dann im Detail abgeklärt werden.

Horst Martin (SPD-Gruppensprecher) lobte zwar die Arbeit des Bauamts, steht dem Bau der Entlastungsstraße an sich aber weiter ablehnend gegenüber. Auch wenn der Bund die Betriebskosten übernehme, müsse diese letztendlich trotzdem der Steuerzahler finanzieren. Die Kosten würden zudem vor allem Geld für Energie enthalten, was wiederum eine Umweltbelastung darstellen würde, die „aus unserer Sicht“ nicht sein müsse. Was die Belastung durch Lärm und Abgase angeht, würde es in den nächsten zehn bis 15 Jahren durch den technischen Fortschritt ohnehin Veränderungen geben. Demnach blieb er dabei, den Straßenbau nicht zu unterstützen.

Dritter Bürgermeister Alfred Honisch (Grüne) hinterfragte unter anderem den Begriff „Entlastungsstraße“. Bürgermeister Markus Loth (BfW) gab zur Antwort, dass man sich für diese Bezeichnung entschieden habe, um auch eine mögliche Tunnel-Lösung miteinzubeziehen. Lenker merkte an, dass das Projekt beim Bauamt weiterhin unter „Ortsumgehung Weilheim“ geführt wird.

Ullrich Klinkicht (Weilheim Miteinander) wollte neben anderen Punkten wissen, ob zum Beispiel durch ein politisches Umdenken nach den Bundestagswahlen der Bundesverkehrswegeplan an Bedeutung verlieren könne. Gesetze, so Lenker, könnten jeder Zeit geändert werden. Jedoch würden „wir“ auch – wenn sich der Stadtrat mehrheitlich gegen eine Entlastungsstraße entscheidet – „morgen die Stifte fallen lassen.“

Andreas Halas (ÖDP) zeigte sich erfreut über das Ausscheiden des Zentrumstunnels, da er nicht realisierbar gewesen sei. Ökologisch gesehen macht der Osttunnel für ihn aber keinen Sinn. Er monierte unter anderem den hohen Flächenverbrauch im Verhältnis zur Verkehrsentlastung.

Manuel Neulinger, Grünen-Fraktionsvorsitzender und Verkehrsreferent, kritisierte die hohen Ausgaben des Bundes für den Ausbau der B2 an verschiedenen Stellen, wenngleich dieser „keinen müden Euro“ für die Zweigleisigkeit der Zugstrecke einplane. An Lenker gerichtet räumte er aber ein: „Ich weiß Sie sind nicht der richtige Ansprechpartner. Das ist eine politische Entscheidung.“

Warum der Osttunnel nun doch als Variante vom Bauamt berücksichtigt werde, nachdem der frühere Behördenleiter Uwe Fritsch ihn in der Vergangenheit als unrealistisch angesehen hatte, wunderte sich FDPlerin Saika Gebauer-Merx („Was ist passiert?“). Lenker gab an, dass es für die Akzeptanz der Bürger eine Tunnelvariante brauche. Und nachdem der Zentrumstunnel ausgeschieden ist, habe man nach einer Alternative gesucht.

Er habe das Vergnügen, so Stefan Zirngibl (CSU), seit über 30 Jahren die Debatte über eine Entlastungsstraße zu begleiten. Das sei „mitunter nicht ganz schmerzfrei“ gewesen. Nun sollte man auf den Punkt kommen. Der Verkehr würde Jahr für Jahr mehr werden.

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Von Sofia-Leonie Wiethaler

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