Junge bei Familienausflug von Geröll getroffen – Berechtigt ein Unfall das Betretungsverbot?

Ärger mit der Pähler Schlucht

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Bürgermeister Werner Grünbauer (re.) ist stocksauer. Wieder einmal hat er das Absperrgitter zur Pähler Schlucht zurechtgerückt und die weggeworfenen Betretungsverbotsschilder eingesammelt. Dabei wurde er am Mittwoch von einem Fernsehteam der BR-Abendschau gefilmt.

Pähl – Der Ärger mit der Pähler Schlucht hört nicht auf. Obwohl Bürgermeister Werner Grünbauer bereits am 2. April wegen Hochwasserschäden den Zugang gesperrt hat, steigen immer wieder unvernünftige Wanderer in die Schlucht und entfernen sogar die Absperrung. Am Wochenende kam es zu einem Unfall, der zum Glück glimpflich ausgegangen ist.

Über dem Wasserfall lösten sich circa fünf Kubikmeter Felsen, Steine, Geröll und Erde und stürzten in die Tiefe. Getroffen wurde ein fünfjähriger Junge. Ausgerechnet in dem Moment, als eine Familie mit zwei Kindern hinter dem 16 Meter hohen Wasserfall Abkühlung suchte. Während die Eltern und der 14-jährige Sohn nur wenig abbekamen, erwischte es den Fünfjährigen heftig. Er steckte im Geröll fest und musste aus seiner misslichen Lage befreit werden.

Mit Schürfwunden am Körper sowie an Beinen und Armen musste der verunglückte Junge ärztlich behandelt werden, auch um Schäden an der Wirbelsäule auszuschließen.

Die Familie aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen brachte den Vorfall bewusst an die Öffentlichkeit. Sie ist sich keiner Schuld bewusst, die Pähler Schlucht nicht betreten zu dürfen. Wieder einmal, wie schon öfters nach der Sperrung, hatten Unbekannte den Bauzaun am Eingang entfernt und die Warnschilder einfach in die Schlucht geworfen.

Jetzt reicht es dem Bürgermeister. Er erstattete Anzeige gegen Unbekannt und überlegt Maßnahmen gegen die Regierung von Oberbayern, die in den Medien die Zulässigkeit seiner Sperrung in Zweifel gezogen hatte. Sie sieht die Gemeinde Pähl nicht für die Verkehrssicherungspflicht verantwortlich, da es sich in der Schlucht nicht um einen öffentlichen Weg handelt. Jeder hafte selbst für sich bei aus der Natur ergebenden Gefahren. Die Gemeinde dürfe aber eine Sperrung veranlassen, wenn akut Gefahr für Leib und Leben bestehe. Ob die Sperrung rechtens war, lässt die Regierung durch das Landratsamt prüfen.

Nachdem 2002 ein Hochwasser den Weg durch die Pähler Schlucht teilweise weggespült hatte, würde die Gemeinde die Wege bis zum Wasserfall gerne sanieren. Das 2014 bei der Regierung von Oberbayern eingereichte Konzept stieß aber bis dato auf Ablehnung, da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Im vorderen Teil der Schlucht könne man sich zwar einen Rundweg vorstellen, nicht aber im steilen hinteren Bereich. Wenn man diesen Weg gegen Steinschlag, Astbruch oder umstürzende Bäume sichern müsste, wäre das ein zu großer Eingriff in die Natur. Trotz der Gefahren im hinteren Teil hat sich hier in Laufe der Jahre ein Trampelpfad zum Wasserfall entwickelt. Dagegen hat die Regierung von Oberbayern angeblich nichts und verweist auf das „Betretungsrecht der freien Natur.“ Wie gefährlich das ist, zeigte der Unfall am Wochenende. In Grünbauers Wegekonzept steht im übrigen auch eine Absicherung des Wasserfalls, damit die Wanderer nicht mehr so leicht zu nahe hinkommen.

Auf die unendliche Geschichte um die Pähler Schlucht und ihre Gefahren ist jetzt auch das Bayerische Fernsehen aufmerksam geworden. Ein Team der „Abendschau“ begleitete Bürgermeister Grünbauer, als er wieder einmal die Absperrung zurecht rückte und die weggeworfenen Zutrittsverbotsschilder einsammelte. Der Beitrag wird voraussichtlich am kommenden Mittwoch in der BR-Abendschau ausgestrahlt.

Von Dieter Roettig

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