Die Schilder müssen warten

Parkleitsystem: Vorplanung kann im Murnauer Räte nicht überzeugen

Symbolfoto: Parkschild mit Pfeilen.
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Die Vorplanungen zum Parkleitsystem in Murnau konnten noch nicht überzeugen.
  • VonAntonia Reindl
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Murnau – Sicherlich hat sich Jörg Mortsiefer etwas anderes versprochen, vielleicht nicht unbedingt Begeisterung, aber zumindest Wohlwollen. Aber sonderlich überzeugt scheint der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung nicht von der Vorplanung zum Aufbau eines Parkleitsystems, welche Mortsiefer im Auftrag der Firma MWG präsentiert. Am Ende verlässt Mortsiefer ohne eine klare Tendenz des Gremiums die Sitzung.

Im Frühjahr beschloss der Hauptverwaltungsausschuss, die Verwaltung zu beauftragen, die Planung eines Parkleitsystems für Murnau durch die Firma MWG durchführen zu lassen. Nun liege eine Detailplanung der MWG vor, wie Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) in der Marktgemeinderatssitzung einleitet, um dann Mortsiefer das Wort zu übergeben. Dieser stellt fest, dass der ruhende Verkehr ein Teil des Verkehrsproblems in Murnau sei und in Zeiten von Corona generell Parksituationen gefragter seien als zuvor.

Mortsiefer stellt dem Gremium nun zwei Varianten eines Parkleitsystems vor, eine große, fast 700 000 Euro (brutto) teure, sowie eine kleine, rund 460 000 (brutto) teure. Variante 1 sieht zehn Parkierungsanlagen mit insgesamt über 1 000 Stellplätzen vor. Schilder, meistens keine einzelnen, sondern zu Komplexen zusammengefasste, sollen dabei unter anderem an der Tiefgarage des Kultur- und Tagungszentrums (KTM), am Bahnhof, am Forstanger, an der Kellerstraße, am Volksfestplatz, an der Bahnhofstraße, an der Murnauer Bucht, in Seehausen an der Bootslände, am Murnauer Moos und am Froschsee, insgesamt an 26 Standorten, angebracht werden. Eine ganze Liste an Schildern führt Mortsiefer auf, dynamische und statische Parkwegweiser, Textanzeigen, Hinweisschilder mit dynamischer Reststellplatzanzeige oder statischer Information sowie Kopfschilder für alle 26 Standorte. Zählt man das ganze Blech einmal zusammen, kommt man auf fast 100 Schilder. Variante 2 beschränkt sich auf fünf Parkierungsanlagen (KTM-Tiefgarage, Volksfestplatz, Murnauer Bucht, Murnauer Moos, Froschsee) mit über 500 Stellplätzen.

Bei Schildern soll es freilich nicht bleiben, schließlich bedürfen die dynamischen Anzeigen aktueller Zahlen. Wie viele Fahrzeuge auf einem Parkplatz stehen, könne man entweder über eine Durchfahrtszählung, etwa mit Kameraüberwachung, oder mit Sensoren direkt in der Stellfläche evaluieren. In der KTM-Tiefgarage etwa ist eine Einzelplatzdetektion vorgesehen. Für touristische Standorte sieht Mortsiefer Kamerasysteme vor, welche die Kennzeichen der Fahrzeuge festhalten. Diese Systeme würden jedoch Kassenautomaten erforderlich machen, in welchen das jeweilige Kennzeichen eingetippt werde. Mehrmals spricht Mortsiefer davon, im Rahmen des Parkleitsystems Parkscheinautomaten durch Kassenautomaten zu ersetzen. Dann „entkommt kein Autofahrer ohne Ticket“, sagt Mortsiefer.

Welf Probst (FWG) glaubt, dass die große Variante „der ganz große Wurf“ sein könnte und „hoffentlich auch die Gemeinde Seehausen beinhaltet“. Auf die Frage, wie bestimmte Nutzergruppen, etwa Besucher oder Anwohner, auf Parkplätzen herausgenommen werden können, spricht Mortsiefer von verschiedenen Lösungsmöglichkeiten, Transponder, Kennzeichenerkennung, Freitickets.

Enttäuschung macht sich breit

Sichtlich unzufrieden sieht Veronika Jones (Grüne) aus. „Das bissl Schilderaufstellen kostet dann eine halbe Millionen Euro?“, fragt sie, räumt aber im selben Zuge ein, dass ja auch die Digitalisierung miteingerechnet sei. Und dennoch: „Ich bin bissl enttäuscht“, sagt die Fraktionssprecherin. Sie habe damit gerechnet, dass das Parkleitsystem mit dem Mobilitätskonzept verknüpft werde. Auch würde sie gerne einen Blick auf den Ausschreibungstext werfen. Das aber geht nicht. Man sei in der Konzeptionsphase, mache den ersten Schritt. Für einen Ausschreibungstext sei es jetzt noch zu früh, betont Mortsiefer.

Michael Hosp (CSU) schließt sich derweil Probst an und glaubt, dass die große Variante die richtige sei. Er möchte alle Parkplätze an das System angeschlossen wissen, nicht nur ein paar. Aber man sollte das Verkehrskonzept „nicht ganz außer Sicht lassen“, appelliert er. Das möchte auch Beuting nicht. Man müsse an das Mobilitätskonzept anknüpfen, sagt er. Jetzt gehe es aber erst einmal darum, eine Grundlage zu schaffen. „Bei mir war’s so angekommen, dass der Gemeinderat eine Notwendigkeit sieht“, den Verkehr zu leiten, meint der Rathauschef.

Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum) bittet darum, den Tagesordnungspunkt als Vorstellung zu betrachten und keinen Beschluss zu fassen. „Ich seh‘ das zum ersten Mal“, sagt er mit Blick auf die Präsentation. Ein Beschluss müsse jetzt auch nicht gefällt werden, ein Parkleitsystem könne dann aber im kommenden Jahr noch nicht realisiert werden, sagt Beuting, die Antragsfrist für Fördermittel im Hinterkopf. Einen Beschluss will auch Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) noch nicht fassen, der gedanklich an der Kennzeichenerfassung hängen geblieben ist. „Nehmen Sie uns mal bisschen die Angst“, bittet er Mortsiefer und verweist auf mögliche Datenschutzprobleme. Die Informationen würden periodisch gelöscht werden, auch werden lediglich Bilder von den Kennzeichen aufgenommen, erklärt Mortsiefer.

Nicht unzufrieden wie Jones, aber überrascht zeigt sich Hans Kohl (Grüne). Er wundert sich, dass man in Sachen Mobilität ausgerechnet beim Parkleitsystem starte. Er stellt in Frage, ob es das ist, „was uns im Moment am ärgsten unter den Nägeln brennt“. Ähnlich sieht das auch sein Fraktionskollege Dr. Josef Raab. „Wir haben kein Problem mit Parken im Parkraum“, problematisch sei aber das Wildparken, und das werde von dem System nicht erfasst.

Rudolf Utzschneider (CSU) fühlt sich „nicht in der Lage“, nun abzustimmen, auch wenn die Ausführungen durchaus schlüssig gewesen seien. So scheint das auch die Mehrheit des Gremiums zu sehen, denn ein Großteil votiert am Ende dagegen, sich für eine Variante zu entscheiden. Das Thema wird zurückgestellt und soll den Hauptverwaltungsausschuss im Herbst beschäftigen. Nun sieht Mortsiefer unzufrieden aus, der sich ohne eine Entscheidung, gar ohne eine Tendenz des Gremiums verabschiedet.

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