Betreutes Wohnheim als Hauptbetätigungsfeld der Paula-Lindauer-Stiftung

Wohnungen für ganz normale Bürger

+
Kohlhund / Hosse: Anne Hosse (rechts) ist für Hausbewohner wie Rosa Kohlhund (links) die erste Ansprechpartnerin, wenn es um Fragen bezüglich der Apartmentvermietung geht.      

Peißenberg – Rosa Kohlhund kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, als sie ihr schmuckes Zwei-Zimmer-Apartment präsentiert. Dessen Ausstattung kann sich auch wahrlich sehen lassen: Getrennter Wohn- und Schlafraum, Küche, Duschbad und ein großzügiger Balkon – alles barrierefrei versteht sich.

Und wie es sich für ein betreutes Wohnheim gehört, gibt es natürlich auch noch eine Notfallmeldeanlage. Kohlhund lebt bereits seit vier Jahren im Josef-Lindauer-Haus an der Ecke Bergwerkstraße/Stadelfeldstraße. Den Umzug von zu Hause weg, der vielen Senioren oft so schwer fällt, hat sie bislang noch keine Sekunde bereut: „Es gefällt mir sehr gut. Schöner als in meiner Wohnung könnte ich es nicht haben“, sagt die 85-Jährige mit einem zufriedenen Lächeln.

Kohlhunds Lob über die Wohlfühlatmosphäre im Haus hätte der Namensgeber der betreuten Wohnanlage vermutlich mit Genugtuung vernommen. Die caritative Alten-, Kranken- und Behindertenpflege zu unterstützen, genau das war für den Peißenberger Landmaschinenhändler Josef Lindauer (1911-1999) vor 25 Jahren der Antrieb, eine gemeinnützige Stiftung aus der Taufe zu heben. Der Gründungsakt sollte zudem ein Andenken an seine Ehefrau Paula sein, die 1988 nach kurzer, schwerer Krankheit in einem Münchner Krankenhaus verstorben war.

Josef Lindauer stattete „seine“ Paula-Lindauer-Stiftung mit einem großzügigen Anfangskapital in Höhe von rund 544 000 D-Mark aus und wirkte maßgeblich an den Planungen für das 1992 am Fuße der Alten Bergehalde eröffneten Paula-Lindauer-Haus mit.

Dort richtete die Ökumenische Sozialstation des Landkreises neben Büroräumen eine Kurzzeitpflegestation ein. 2002 kam eine Tagespflegeeinrichtung hinzu.

Auch die Verleihung des Konrad-Adenauer-Preises an die Paula-Lindauer-Stiftung im gleichen Jahr sollte nicht mehr zu Lebzeiten des Stiftungsgründers über die Bühne gehen: „Er war ein liebenswerter, älterer Herr. Sehr zuvorkommend und sozial eingestellt“, wird Josef Lindauer im Rückblick von Stiftungsvorstandsmitglied Anne Hosse gelobt: „Dass aus dem Grundstock der Stiftung zum Wohle der Peißenberger Bürger soviel entstanden ist, damit war damals nicht zu rechnen.“

So stimmt‘s

Der Fehlerteufel hat am Mittwoch im Kreisboten Weilheim-Schongau in dem von Bernhard Jepsen sachlich völlig korrekt gelieferten Bericht zugeschlagen. In dem Artikel „Paula-Lindauer-Haus wird verkauft“ auf der Titelseite wurden das Paula-Lindauer-Haus und das Josef-Lindauer-Haus durcheinandergewirbelt. Fakt ist: Rosa Kohlhund lebt im Josef-Lindauer-Haus, zum Verkauf steht das Paula-Lindauer-Haus. Wir bedauern die Verwechslung und bitten um Entschuldigung. Lesen Sie hier die richtige Version.

Der Unterhalt des Josef-Lindauer-Hauses ist inzwischen zum Hauptbetätigungsfeld der Stiftung geworden. 2001 wurde der erste Bauabschnitt der Wohnanlage eingeweiht, 2007 der zweite Komplex. Insgesamt werden im Josef-Lindauer-Haus 47 Wohnungen zur Miete angeboten – und die Apartments werden offenbar nicht nur von Rosa Kohlhund geschätzt: „Wir haben noch nie Leerstände gehabt, und es gibt eigentlich immer Wartelisten“, so Anne Hosse über die rege Nachfrage. Der Geldbeutel oder sonstige Privilegien spielen bei der Vergabe übrigens keine Rolle: „Es sind ganz normale Wohnungen für ganz normale und auch sozial schwache Bürger“, betont Hosse.

Paula-Lindauer-Haus soll verkauft werden

Und wie sieht die Zukunft des Paula-Lindauer-Haus aus? Das Gebäude, das seit dem letztjährigen Auszug der vollstationären Caritas-Altenpflegeeinrichtung zur Hälfte leer steht, soll verkauft werden. Ob es weiter für soziale Zwecke genutzt oder auf dem freien Immobilienmarkt verwertet wird, ist noch unklar. Die Gedankenspiele, das Peißenberger Jugendzentrum in das Gebäude zu integrieren, wurden indes nicht weiter verfolgt. Die Gemeinde hat sich diesbezüglich längst für einen Neubau auf dem Bahnhofsparkgelände zwischen Schongauer Straße und Bergwerkstraße entschieden (wir berichteten).

Die Zukunft des nördlichen Nebengebäudes am Paula-Lindauer-Haus, in dem die Ökumenische Sozialstation derzeit noch das „Essen auf Rädern“ aufbereitet, ist hingegen geklärt. Der Grundstücksteil wurde bereits amtlich vermessen und rechtlich vom Ursprungsareal abgetrennt, was Voraussetzung dafür ist, dass die Gemeinde das Dauernutzungsrecht der Sozialstation ablösen und das Nebengebäude für 50 Jahre unentgeltlich an die Peißenberger Knappschaftskapelle als Proberaum verpachten kann.

Die Aufbereitung für das „Essen auf Rädern“ wird laut Geschäftsführer Oliver Pilz entweder an den neuen Standort der Ökumenischen Sozialstation mitziehen (vermutlich im Peißenberger Krankenhaus) oder im Seniorenzentrum St. Ulrich eingerichtet.

von Bernhard Jepsen

Auch interessant

Meistgelesen

Oberstadtlerfest in Bildern
Oberstadtlerfest in Bildern
Fast schon ein "Pflichttermin"
Fast schon ein "Pflichttermin"
"Der Tiger" ist wieder zu Hause
"Der Tiger" ist wieder zu Hause
Großer Bahnhof für ein "Riesenbaby"
Großer Bahnhof für ein "Riesenbaby"

Kommentare