Peißenberg: PV-Anlage auf Friedhofablagerungshalle seit Mitte August 2018 in Betrieb

Vom Bürger für den Bürger

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„Genial zusammengearbeitet“ beim Projekt „Abraumhalle/PV-Anlage“ haben laut Stefan Sedlmeir (im Bild außen re.) die Mitarbeiter des Bauhofs, der Gemeindeverwaltung und die beiden externen Firmen Solarzentrum Oberland und Ingenieurbüro Franz.

Peißenberg – Es sieht von außen unscheinbar aus, das Pumpenhäuschen an der Ecke Weilheimer Straße/Holzer Straße am östlichen Ortsausgang von Peißenberg.

Doch im Inneren in rund zehn Meter Tiefe verbirgt sich das Herzstück des örtlichen Kanalisationssystems. Über sogenannte Wirbelpumpen wird von dort aus das gesamte Rohabwasser von Peißenbergs nördlichem Ortsteil („Dorf“) über den Guggenberg zur rund einen Kilometer entfernten Kläranlage in Wörth gepumpt. Das sind immerhin rund 40 Prozent des gesamten Abwasseraufkommens in der Marktgemeinde.

Der Stromverbrauch der Pumpstation ist gigantisch. Um drei Kubikmeter Abwasser zu pumpen, braucht es ein Kilowatt Strom. Die erfreuliche Nachricht: Seit Mitte August konnten rund 25 Millionen Liter Abwasser rein durch Sonnenstrom über den Berg gepumpt werden. Möglich macht das eine in Rekordzeit von nur zwei Monaten errichtete, 29 kWp-leistungsstarke Photovoltaikanlage, die auf der neuen Friedhofablagerungshalle montiert wurde. Der durch Sonnenlicht erzeugte Strom wird zum Teil direkt für den Betrieb der nahegelegenen Abwasserpumpstation verwendet. Die Hälfte der Solarenergie wird demnach sofort verbraucht, die andere Hälfte bei Stillstand der Pumpen in das Stromnetz eingespeist.

Die daraus resultierenden Erträge vermindern wiederum die Kosten für den notwendigen Reststromzukauf. „Das ist eine total super Sache“, schwärmt Stefan Sedlmeir von den Peißenberger Gemeindewerken. Der Betriebsleiter der Kläranlage spricht von einem Projekt „vom Bürger für den Bürger“. Die Kosteneinsparungen durch den regenerativ erzeugten Pumpstrom wirken sich nämlich auf die Höhe der Abwassergebühren aus.

Die Bezeichnung „Vom Bürger“ hat folgenden Hintergrund: Die Abraumlagerhalle wurde von der Gemeinde und dem Bauhof in Eigenregie – also rein kommunal – geplant und errichtet. Nachdem die PV-Module auf der Dachfläche installiert waren, musste noch ein 200 Meter langer Kabelleerrohrgraben bis zur Pumpstation ausgehoben und nach dem Einziehen der Erdkabel wieder verfüllt werden. Auch diese Arbeiten erledigte der Bauhof – und zwar „schnell und akkurat“, wie Sedlmeir ausdrücklich betont: „Die Gemeinde, der Bauhof und die Gemeindewerke haben bei dem Projekt genial zusammengearbeitet.“

Nur einzelne Gewerke, wie die statischen Berechnungen und die Installation der Module, wurden an Fremdfirmen vergeben: „Bei dem Projekt wurden Steuergelder sehr sinnvoll eingesetzt“, versichert Sedlmeir. Die rund 30 000 Euro teure PV-Anlage wird sich nach den Kalkulationen in neun Jahren amortisiert haben: „Nach zehn Jahren sind wir also bereits im vollen Plus“, konstatiert Sedlmeir: „Es ist einfach phantastisch, dass das Abwasser jetzt mit Sonnenenergie über den Berg gepumpt werden kann.“

Von Bernhard Jepsen

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