Gemeindewerksleiter erhält Auftrag, neue Konzepte für die "Rigi-Rutsch´n" zu entwickeln

Freibad bleibt geschlossen

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Zusammen mit Bürgermeisterin Manuela Vanni stand KU-Chef Günther Forster Ende letzter Woche vor dem Eingangsportal der „Rigi-Rutsch´n“ 150 Demonstranten Rede und Antwort.

Peißenberg – Es ist eine traurige Nachricht für alle Badefans: Wie bereits in der vergangenen Woche durchgesickert war, hat der Verwaltungsrat der Gemeindewerke Anfang April in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, die eigentlich ab 13. Mai geplante Freibadsaison in der „Rigi-Rutsch´n“ abzusagen.

Damit wird nach dem Großbrand im Gaststättenbereich (wir berichteten) kein „Sommer-Notbetrieb“ gefahren und bis auf Weiteres nur die Saunalandschaft zugänglich sein.

Das Votum im Verwaltungsrat fiel einhellig. Nach Informationen des Kreisboten soll sich allerdings ein Gremiumsmitglied inzwischen von seinem Abstimmungsverhalten distanziert haben. Ganz überraschend kam der Beschluss zur Absage der Freibadsaison 2016 nicht – wobei die Brandschäden wohl nicht der Hauptgrund waren. Allein aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus konnte der Verwaltungsrat letztlich gar nicht anders entscheiden.

Bilanziell produziert die „Rigi-Rutsch´n“ seit Jahren Horrorzahlen. Für die laufende Periode kalkulieren die Gemeindewerke in ihrem Wirtschaftsplan, der noch vor dem Brand erstellt worden war, mit einem Minus von über 1,1 Millionen Euro. Im Jahr 2014 deckten die laufenden Erträge (329 275 Euro) noch nicht einmal die Personalaufwendungen (342 666 Euro) im Bäderpark.

Ein weiteres Beispiel: Im Herbst 2015 lag die Kostenkalkulation allein für das Nichtschwimmerbecken bei rund 300 Euro pro Tag. Das Problem: Im Bestandskonzept ist das Mega-Defizit in der „Rigi-Rutsch´n“ nicht in den Griff zu bekommen. „Wir haben mehr oder weniger nur Fixkosten“, erklärte Gemeindewerksleiter Günther Forster Anfang der Woche bei einem Pressegespräch.

Auch die Ertragsseite der „Rigi Rutsch‘n“ lässt sich kaum nach oben schrauben. Das Dilemma: Um das bisherige Defizit durch höhere Eintrittspreise vollständig decken zu können, wäre mindestens eine Verdoppelung der Tarife nötig. Steigende Preise würden aber den sozialen Charakter als Familienbad in Frage stellen.

Was tun? Weder das Kommunalunternehmen (KU) „Gemeindewerke“ noch die Marktgemeinde, die entgegen den Vereinbarungen seit Jahren nicht den vollen Verlustausgleich übernimmt, können sich das Defizit auf Dauer leisten. „Wie sollen wir das mit gutem Gewissen verantworten? Wir mussten ein klares Stoppschild setzen“, sagt Forster. Dem neuen Werkleiter wurde vom Verwaltungsrat bei seinem Amtsantritt im letzten November bezüglich der Thematik „Rigi-Rutsch´n“ eine Einarbeitungsphase gewährt. Nach einem Jahr sollte er Alternativkonzepte vorlegen. „Spätestens dann wäre die „Rigi-Rutsch´n“ auf den Tisch gekommen – auch ohne den Brand“, betonte Bürgermeisterin und KU-Verwaltungsratschefin Manuela Vanni beim Pressegespräch. Der Großbrand hat die Sache also nur beschleunigt und einen Break gesetzt. Aber warum haben die Verantwortlichen im Rathaus nicht schon viel früher reagiert? „Man hat lange Zeit das Betriebswirtschaftliche unter das Politische gestellt“, räumt Vanni ein, „und gedacht, es geht schon noch.“ Aber es ging nicht mehr. Der Verwaltungsrat hat die Notbremse gezogen und den KU-Vorstand, also Forster, konkret mit der Erstellung eines Konzepts zur energetischen Sanierung sowie Attraktivitätssteigerung des Wellnessbereichs beauftragt. Auch soll der Werkleiter Pläne zur Umwandlung in ein Bad mit niedrigerem Energie- und Personalaufwand entwickeln. Damit dürfte feststehen, dass sich das Freibad nach der Wiedereröffnung – Forster geht nach derzeitigem Stand von Sommer 2017 aus – in anderer Betriebsform präsentieren wird.

Ob die neue Konzeption in Richtung Naturfreibad gehen wird, ob und welche gastronomischen Angebote noch gewünscht sind und was mit dem ausgebrannten Obergeschoss passieren soll, sind Fragen, die geklärt werden müssen – wobei Forster die „Rigi-Rutsch´n“ im Kontext mit anderen Themen, wie Mobilität und Tourismus (Stichwort: Wohnmobil-Stellplatz am Freibad) betrachten will. Seine Grundmaxime: „Peißenberg braucht ein Bad, aber eines, das es sich leisten kann. Die bisherigen Zahlen sind nicht mehr tragbar.“

Forster weiß, „dass leider nicht alle bereit sind, neue Wege zu gehen“. Nach der Spontankundgebung am Bad, bei der am Freitag rund 150 Teilnehmer gegen den Verwaltungsratsbeschluss demonstrierten, hat er nach eigenem Bekunden auch „sehr viel Zuspruch“ erhalten. Ebenso stünde der Gemeinderat „mit großer Mehrheit“ hinter dem Verwaltungsratsbeschluss. Dennoch: Was viele Peißenberger nicht verstehen, ist, dass die Sauna wiedereröffnet wurde und das Freibad dicht bleibt. Forster spricht von „überschaubaren Kosten“ (2 500 Euro), die angefallen wären, um die Sauna nach dem Großbrand wieder betriebstauglich zu machen. Zudem verweist er auf die hohen Abschreibungen für die neue Blockbohlensauna, die auch im Falle einer Schließung bilanziert werden müssten.

In den letzten Jahren hieß es von offizieller Seite immer, dass die Saunaeinnahmen einen Teil des Freibadbetriebs mitfinanzieren würden. Ist das wirklich so? Konkrete Zahlen, die das belegen, gibt es nicht, mussten Vanni und Forster beim Pressegespräch einräumen. Unter anderem können die Energie- und Personalkostenkosten für die Sauna bislang nicht detailliert aus dem Gesamtbetrieb herausgerechnet werden. Forster muss sich die Bilanzzahlen in den Unterlagen mühsam zusammensuchen. Ihm ist bewusst, dass die „Rigi-Rutsch´n“ auch in der betriebswirtschaftlichen Abrechnungspraxis einen Neuanfang braucht. So gibt es bis dato keine genaue Kostenaufteilung zwischen Gemeindewerken, Markt und TSV (Eisstadion-Umkleidekabinen). Doch nachkarten will der neue Werkleiter nicht: „Ich stehe für die Zukunft und nicht für die Vergangenheit.“

Von Bernhard Jepsen

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