Ausgepresst wie eine Zitrone

In Peißenberg wird gegen staatliche "Lehrermangel-Notmaßnahmen" demonstriert

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Mit Transparenten und Zitronen protestierten rund 30 BLLV-Kreisverbandsmitglieder in Peißenberg gegen das „Notmaßnahmen“-Paket des Kultusministeriums.

Peißenberg – „So nicht!“ Unter dem Motto „Ausgelaugt, ausgepresst – und sauer“ brachte der Kreisverband des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) bei einem Aktionstag in Peißenberg seinen Unmut über die vom Kultusministerium erlassenen „Notmaßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung“ zum Ausdruck. Die „personelle Misswirtschaft“, so der einhellige Tenor, dürfe nicht auf dem Rücken der Lehrer ausgetragen werden.

Wie sauer die Lehrer an den Grund-, Mittel- und Förderschulen sind, demonstrierten die rund 30 Aktionsteilnehmer sinnbildlich mit Zitronen, die sie in der Hand auspressten. Den Pädagogen geht es bei ihrem Protest weniger um die auferlegte eine Stunde Mehrarbeit, sondern hauptsächlich um die Kollegen, die in Teilzeit tätig sind, im Zuge des kurz nach den Weihnachtsferien veröffentlichten Notprogramms arbeitszeittechnisch aber wieder kräftig aufstocken müssen. „Arbeitsmarktpolitische Teilzeit, die ihren Namen verdient, Sabbatjahr-Regelungen und frühzeitiger Ruhestand waren dringend benötigte Optionen für Lehrkräfte am Limit“, schreibt BLLV-Kreisvorstandsmitglied, Barbara Rose, in einer bildlich mit ausgepresster Zitrone gestalteten Postkarte an Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Und weiter: „All dies soll wegfallen – mit unabsehbaren Folgen. Ein Arbeitszeitkonto bringt überlasteten Lehrerinnen und Lehrern in der aktuellen Situation nichts. Dass allein Grundschullehrkräfte den von der Politik verschuldeten Lehrermangel ausgleichen sollen, ist ungerecht und kurzsichtig. Ausgerechnet der Teil der Lehrerschaft mit den meisten Wochenstunden und dem geringsten Verdienst soll dafür missbraucht werden.“

Laut Susanne Coldwell, ebenfalls BLLV-Kreisvorstandsmitglied und Rektorin der Josef-Zerhoch-Mittelschule in Peißenberg, ist es wichtig, dass die Politik respektive das zuständige Ministerium den Dialog mit den Lehrern sucht und nicht im Alleingang irgendwelche „Hauruckmaßnahmen“ beschließt. In gemeinsamen Gesprächen würde man auch zu tragfähigen Lösungen kommen.

Rafael Saidl, Grundschulleiter in Burggen, kann sich zum Beispiel vorstellen, dass der Englisch-Unterricht an den Grundschulen von Gymnasiallehrern abgedeckt wird und für die Nachmittagsbetreuung externe Fachkräfte angestellt werden. Auch müsse es eine finanzielle Angleichung für Grund-, Mittel- und Förderschullehrer geben: „Der Beruf muss einfach attraktiver gemacht werden“, so Saidl. Die Zentralen BLLV-Forderungen: Bessere Arbeitsbedingungen, „A13“ für Grund- und Mittelschullehrkräfte, eine flexible Lehrerbildung und eine Aufwertung der Fach- und Förderlehrkräfte.

Von Bernhard Jepsen

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