Schnelltest im Wohnwagen

Peißenberger Apotheker liefert Ergebnisse in zehn Minuten

Apotheker Dr. Philipp Kircher vor seinem Corona-Wohnwagen.
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Im Wohnwagen hinter dem Rigi Center ist ein offizielles Corona-Testzentrum eingerichtet.
  • vonStephanie Novy
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Peißenberg – Kostenlose Corona-Schnelltests für jeden, der möchte. Das hatten Bund und Länder kürzlich vereinbart. Viele Testzentren und Apotheken wurden mit dieser Ankündigung überrumpelt. Doch ein Peißenberger Apotheker hat sich eine praktikable Lösung ausgedacht.

Hygienekonzept, zusätzliches Personal und ein abgetrennter Raum: Die Anforderungen, um Schnelltests durchführen zu können, sind hoch. Kaum eine Apotheke schafft es, sie derzeit zu erfüllen. Dr. Philipp Kircher, der die St. Ulrich-Apotheke gemeinsam mit seinem Vater leitet, hatte daher eine Idee. Auf dem Parkplatz hinter dem Rigi Center hat er ein ungewöhnliches Testzentrum eingerichtet – in einem Wohnwagen.

Von Kirchers Einfall bis zur Umsetzung dauerte es nicht lange. Die Gemeinde gab umgehend ihr Okay. Marie Gérard von Wohnwagen Gérard sagte sofort ihre Unterstützung zu. Der Wohnwagen wurde aufgestellt und ist inzwischen sogar ein offiziell vom Gesundheitsamt beauftragtes Testzentrum.

Der Apotheker Dr. Philipp Kircher führt alle Corona-Tests selbst durch. Mit einem Zertifikat werden negative Ergebnisse bestätigt.

Der Weg für die Testwilligen beginnt am Drive-in-Schalter der Apotheke. Dort müssen zwei Formulare ausgefüllt werden. „Wir testen nur Menschen, die symptomfrei sind“, erklärt Kircher. Ein paar Meter weiter im Wohnwagen wird daher zusätzlich an der Stirn die Temperatur gemessen. Ist diese nicht erhöht, kann es mit dem Testen losgehen.

„Keiner muss Angst haben. Der Test tut nicht weh. Es kitzelt nur ein bisschen“, beruhigt der Pharmazeut, der alle Abstriche persönlich durchführt. Das entnommene Sekret wird mit einer Flüssigkeit vermischt und auf den Test geträufelt. Zehn Minuten später ist das Ergebnis abzulesen.

Auf alle Fälle vorbereitet

„Bisher waren alle Tests negativ.“ Für den Fall eines positiven Tests ist jedoch alles bis ins kleinste Detail geregelt. Kircher steht in Verbindung mit allen Hausärzten in Peißenberg und würde im Ernstfall sofort Kontakt aufnehmen. Dann könnte ein Patient zeitnah zu seinem Arzt, um das Ergebnis mit einem PCR-Test abzusichern. Bis dahin muss er isoliert bleiben. Zwei Zettel mit Verhaltensregeln für Positiv-Getestete liegen parat.

Bis Dienstagnachmittag kostete der Test noch 25 Euro. Denn die Abrechnungsmodalitäten waren noch nicht geklärt. Rund 20 Personen am Tag nahmen das Angebot dennoch wahr. Einer von ihnen war Christoph Maier. „Ich möchte, dass meine Mutter geschützt ist, wenn ich sie besuche“, erklärt der Peißenberger, als er darauf wartet, dass er den Wohnwagen betreten darf, der stets gut belüftet ist.

Nun sind die Tests tatsächlich kostenlos. Laut der neuen Verordnung kann sich jeder mindestens einmal pro Woche testen lassen. Kircher vermutet, dass der Ansturm vor seinem Wohnwagen jetzt stetig wächst. „Rund 100 Tests am Tag wären möglich“, sagt er. „Wir sind auf alles vorbereitet.“

Von Ursula Gallmetzer

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