Peißenberger atmen auf: Verkehr rollt nun auf der Umfahrung

öllerschüsse hallten durch die Luft, die Abordnung der Knappschaftskapelle griff zu ihren Instrumenten und die Prominenz zur Schere, um mit dem symbolischen Durchtrennen des Bandes die Umgehungsstraße für den Verkehr freizugeben. Für die Peißenberger, die zu Hunderten das Gelände um die Abfahrt zur Tieflage säumten, war dies der Moment, in die eiskalten Hände zu klatschen und kräftig zu applaudieren.

Schon bevor die Umgehung offiziell ihrer Bestimmung übergeben wurde, zogen die Peißenberger trotz frostiger Temperaturen in Scharen zur Anschlussstelle Süd, wo für die Redner ein überdachtes Holzpult aufgestellt worden war. In den von Mützen und Schals geschützten Gesichtern der wartenden Menge war zu lesen, dass dieser Tag ein historischer für die Marktgemeinde ist. Ein Tag, den die Peißenberger seit Jahrzehnten herbei gesehnt haben. Zu der Frage, was dieser Tag für sie persönlich bedeute, wollten sich einige Bürger aber nicht öffentlich äußern. „Fragen´s doch die anderen“, hieß es. 16 Baufirmen sowie 29 Ingenieur- und Planungsbüros haben an der Realisierung der Peißenberger Ortsumfahrung mitgewirkt, fasste der Leiter des Staatlichen Bauamtes Weilheim zusammen. Wegen ihrer langen Planungszeit habe die Umgehung „viele Väter“, resümierte Günther Grafwallner. Er konnte unter den zahlreich erschienenen Festgästen viele begrüßen, „die mitgeholfen haben, dass diese Straße verwirklicht werden konnte“. Grafwallner dankte auch jenen Grundstückseigentümern, „denen es sehr schwer gefallen ist, für die Umfahrung ihren Grund herzugeben“. Letztendlich sei doch immer eine gütliche Einigung möglich gewesen. Von den vier Millionen Fahrzeuglenkern, die sich bislang jährlich durch den lang gezogenen Ort quälten, werden künftig 50 bis 65 Prozent die Umgehungsstraße nutzen, rechnete Frank Süßer vor. „Sie werden diese Fahrzeuge nicht mehr hören und riechen und leichter über die Straße kommen“, sagte der Vertreter des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zu den geduldig in der Kälte Ausharrenden. Süßer rief in Erinnerung, dass der Bund für diese Maßnahme 54 Mio. Euro bereitgestellt habe und stellte den Weiterbau der Ortsumfahrung Hohenpeißenberg in Aussicht. 2009 müsse jedoch erst die unfallträchtige Hohenwarter Kurve entschärft werden. Dass die Bagger nicht lange still stehen werden, hofft auch Josef Poxleitner. Der Leiter der Obersten Baubehörde nannte es als Ziel, 2010 mit den Bauarbeiten für die Hohenpeißenberger Umfahrung beginnen zu können. „Wir brauchen nur noch die Zustimmung zum Baubeginn“, erklärte er bei der Verkehrsfreigabe in Peißenberg. An Altbürgermeister Hermann Schnitzer gewandt sagte Poxleitner: „Heute ist Ihr Tag.“ Schnitzer habe das Umfahrungsprojekt Peißenberg trotz aller Schwierigkeiten nicht losgelassen, sondern zielstrebig weiter verfolgt. Einen „Quantensprung“ für die verkehrliche Infrastruktur sieht Landrat Dr. Friedrich Zeller mit der Freigabe der Peißenberger Ortsumfahrung verwirklicht. Als „vorgezogenes Weihnachtsgeschenk“ wertete er die positiven Aussagen seiner Vorredner von Bund und Land bezüglich des Weiterbaues in Hohenpeißenberg. „Der Planfeststellungsbeschluss ist rechtskräftig. Wir brauchen jetzt nur noch das Geld“, verlautete der Landrat und appellierte an die politischen Mandatsträger, sich auch für den Ausbau der Eisenbahnstrecke von München nach Garmisch-Partenkirchen stark zu machen. „Jetzt können wir die Ortsdurchfahrt nach unseren Vorstellungen gestalten“, freute sich Bürgermeisterin Manuela Vanni und erinnerte an die unzähligen Gespräche, Telefonate und Verhandlungen, die ihre Amtsvorgänger Matthias Führler und Hermann Schnitzer zu leisten hatten. Wie viel an Überzeugungsarbeit notwendig war, bis die jetzt realisierte Trasse für die Umgehungsstraße gefunden war, „das kann man heute nur ahnen“, sagte Vanni. Vor der Freigabe erteilten die Pfarrer Wolfgang Kretschmer und Rainer Mogk der sieben Kilometer langen Umfahrung den kirchlichen Segen. Die Straße, erklärten die Geistlichen, stehe auch für die Ankunft Gottes. Und Kretschmer ver- sprengte das Weihwasser „trotz der Glatteisgefahr“.

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