Penzberger Turnhalle bald wieder in Sportlerhand – Turnhallen in Weilheim und Schongau bleiben Flüchtlingsunterkünfte

Erstaufnahmelager wird geschlossen

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Bevor Sylvia Buchner (re.) jetzt in den Urlaub geht, erklärte sie Regierungspräsident Christoph Hillenbrand (zweiter v. li.) und Landrätin Andrea Jochner-Weiß (Mitte) genau, wie es im Erstaufnahmelager in der Josef-Boos-Halle in den vergangenen Monaten zugegangen ist.

Penzberg/Landkreis – Beim Besuch von Christoph Hillenbrand am Montag in Penzberg war an mehreren Situationen zu erkennen, dass sich die Asylsituation etwas entspannt hat. Der Regierungspräsident hatte auch zwei frohe Botschaften parat: Bis auf vier Turnhallen werden in Oberbayern alle Noterstaufnahmelager für Flüchtlinge, auch die Turnhalle am Josef-Boos-Platz in Penzberg, geschlossen.

Die Zuweisungen auf die Landkreise werden gekürzt auf etwa 25 Asylbewerber pro Woche. „Wir können durchschnaufen, es ist erheblicher Druck genommen“, sagte Andrea Jochner-Weiß bei der Pressekonferenz. Gleichwohl musste die Landrätin zugeben, sie habe beinahe „die weiße Fahne schwingen“ müssen angesichts der hohen Flüchtlingszahl im Landkreis. Die Dreifachhalle am Josef-Boos-Platz sei nach wie vor ihr Favorit, wenn der Landkreis wieder ein Erstaufnahmelager brauche. Die Turnhallen in Weilheim und Schongau bleiben Unterkünfte für Flüchtlinge.

Dass sich die Lage entschärft hat, war an der gelösten Stimmung der Beteiligten zu erkennen. Hillenbrand und sein Tross wurden am Halleneingang von Asylbewerbern empfangen. Einer sang den Besuchern ein Ständchen. „I love Germany“, tanzte er und Andrea Jochner-Weiß, Regierungsvizepräsidentin Maria Els sowie Dolmetscherin Diana Krause klatschten mit.

Am Vormittag hatte sich Hillenbrand im Rahmen des turnusmäßigen, fünfjährigen Besuchs am Landratsamt mit allen Fachabteilungen der Behörde zusammengesetzt. Mit dabei hatte er sämtliche Abteilungsleiter der Regierung von Oberbayern. Die Experten sprachen in Weilheim über Personal, Förderfragen, Straßenbau, Schulen und den Kreishaushalt. Vorherrschendes Thema sei aber Asyl und die Erfahrungen mit Flüchtlingen gewesen, betonte Hillenbrand. „Die Rahmenbedingungen sind schwer vorhersagbar“, verdeutlichte er. Zwischen 100 Asylbewerber in ruhigeren Zeiten und bis zu 3 000 in Spitzenzeiten im September 2015 seien täglich nach Oberbayern gekommen. Derzeit kämen weniger Flüchtlinge, „es sollen aber wieder mehr werden“.

Weniger Flüchtlinge

Aufgrund der positven Entwicklung werden von 25 Erstaufnahmelagern in Oberbayern alle bis auf die vier in Garmisch-Partenkirchen, Neuburg, Pfaffenhofen und Dornach vorübergehend geschlossen. „Wir brauchen ein Mindestmaß an Flexibilität“, erklärte Hillenbrand bei seinem Besuch in Penzberg.

Er sprach von „verhaltener Freude“ über die Situation, man könne zumindest „durchschnaufen“. Es müsse die Entwicklung abgewartet werden, etwa, was sich auf dem EU-Gipfel abspielt, was die Schleuser vorhaben oder was an der Grenze Mazedoniens geschieht. Zu Spitzenzeiten im Herbst 2015 hielten sich 164 Asylbewerber in der Erstaufnahmeeinrichtung in Penzberg auf. Hillenbrand findet diese Belegung „maßvoll“, er wisse von Dreifachturnhallen, in denen bis zu 220 Personen untergebracht waren. Die Halle am Josef-Boos-Platz wird jetzt gründlich gereinigt, defekte Geräte werden repariert, das Bettenlager geräumt. In vier bis fünf Wochen soll die Halle wieder dem Breitensport zur Verfügung stehen.

Ob Penzberg weiter Erstaufnahmelager im Landkreis bleibe, stehe noch nicht fest. Aber: „Penzberg war ein ideales Objekt“, betonte die Landrätin. Sie könne sich gut vorstellen, die Turnhalle am Josef-Boos-Platz weiterhin als Erstaufnahmelager zu nutzen, falls es nötig wird. „Wir bleiben in Penzberg auf Stand-by-Modus“, erklärte sie.

In jedem Fall, betonte Hillenbrand, sei es hilfreich gewesen, in Penzberg diese Strukturen vorzufinden, in der eine Neubelegung im Erstaufnahmelager alle sechs Wochen möglich war. Auch Bürgermeisterin Elke Zehetner freute sich: „Es war ein sehr gelungenes Projekt in Penzberg, wir waren Piloter“, beschrieb sie ihre Stadt als eines der ersten Erstaufnahmelager. Mit der Polizei in der Nachbarschaft hätte die Situation in Penzberg nicht besser sein können, sagte Zehetner.

Polizeichef Jan Pfeil erklärte, dass am Anfang die Polizei beinahe täglich in der Turnhalle vor Ort gewesen sei. Die Straftäter habe man gefasst: „Ein ganzer Schwung ist verschwunden, ohne verlegt worden zu sein.“ Jetzt, da nur noch 40 Flüchtlinge in der Halle seien, sei es ohnehin ruhiger geworden.

Der Regierungspräsident hörte gar nicht auf, sich bei den Asyl-Helfern zu bedanken. „Eigentlich hätte jeder so einen Pokal verdient“, blickte Hillenbrand auf die Vitrinen im Kegelheim. Heinz Michl, Hausmeister der Turnhalle, meinte: „Nehmt‘s as mit, dann brauch‘ ich‘s nicht abstauben!“ Hillenbrand überlegte kurz: „Auf ihre Pokale verzichten wir dann doch“, schritt er lachend aus dem Keglersportheim.

Von Alexander Kraus

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