Vollen Einsatz gezeigt

Penzberger Max Weigand läuft sich bei Weltrekordversuch die Sohlen wund

Max Weigand beim Weltrekordversuch im ehemaligen Stadion des FC Basel.
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Rennen gegen die Zeit: Es begann zu tauen im ehemaligen Stadion des FC Basel.

Penzberg – Der Penzberger Max Weigand (25) startete einen neuen Halbmarathon-Weltrekordversuch im ehemaligen Stadion des FC Basel: Vor leerer Tribüne auf schneebedecktem Rasen dokumentierte er seinen Lauf mit einer GoPro Kamera und einer Drohne. Das Besondere an seinem frostigen Weltrekordversuch: Der Sportler des TSV Penzberg trug weder Schuhe noch ein Oberteil. 

Einige Wochen nach dem Lauf geht es den Füßen wieder besser: „Meine Sohle war praktisch nicht mehr da. Abrollen ging kaum noch, da war Hochlagern angesagt“, berichtet der Läufer dem Kreisboten im Zoom-Meeting. Die wunden Unterseiten waren ein Preis, den es für einen außergewöhnlichen Weltrekordversuch zu bezahlen galt. Weigand hat eine neue Bestzeit in einer besonderen Disziplin des Halbmarathons mit 1:12:38 Stunden aufgestellt – und zwar unter extremen Bedingungen.

Die Bestzeiten der Herren im Halbmarathon liegen normalerweise unter einer Stunde – der aktuelle Weltrekord bei 57:32 Minuten, aufgestellt vom Kenianer Kibiwott Kandie. Dieser lief die Distanz jedoch nicht barfuß auf Schnee. Der Rekordhalter dieser frostigen Disziplin – der Niederländer Wim Hof – war Weigands Vorbild und Ansporn für den Lauf auf dem schneebedeckten Fußballplatz.

„Dieser Rekord war schon lange auf meiner To-Do-Liste. Denn bis vor Kurzem hatte mein Vorbild Wim Hof diesen Rekord gehalten“, so Weigand. Im Jahr 2007 lief Hof den Halbmarathon in 2:16:34 Stunden. Der Niederländer ist weltweit für seine extremen Kälterekorde bekannt: „The Iceman“ hält zum Beispiel den Rekord für das längste Eisbad. 1:52:42 Stunden stand er bis zum Hals in Eiswürfeln, natürlich ohne Kleidung.

Neben Hof sieht Weigand ein weiteres Vorbild in seinem ehemaligen Trainer Markus Brennauer vom TSV Penzberg: „Ich stehe heute noch in ständigem Austausch mit ihm. Er hat mein Leben verändert und wir sind inzwischen wahnsinnig gute Freunde geworden.“ Brennauer coachte den Leichtathleten jahrelang in seiner aktiven Zeit beim TSV und prägte den Wahl-Basler maßgeblich. „Er war bei verrückten Sachen immer dabei“, berichtet Weigand – und was wäre verrückter als einen Halbmarathon barfuß auf Schnee zu laufen? „Eigentlich wollte ich diesen Rekord bereits im Dezember oder Januar attackieren. Doch in Basel hatte es einfach nicht geschneit“, erklärt der 25-Jährige seine Pläne.

Die Vorbereitungen für den Rekordversuch gingen über mehrere Monate: „Angefangen hatte alles mit einem Eisbad im Rhein. Wir haben im Winter mit ein paar Freunden geschaut, wer es länger im kalten Fluss aushält“, berichtet Weigand.

Duschen zum Abhärten

Im kalten Basler Gewässer begann ein Plan zu keimen. Darauf folgten kalte Duschen, um das Immunsystem abzuhärten. „Ich bin weder beim Eisbaden noch in der restlichen Vorbereitungszeit einmal krank geworden. Außer bei einem zwischenzeitlichen Brasilien-Urlaub. 35 Grad in Rio de Janeiro – da kann man schon Mal einen Schnupfen bekommen“, berichtet Weigand mit einem Augenzwinkern. Danach lief der Penzberger in T-Shirt und kurzer Hose bei einstelligen Temperaturen durch die Basler Innenstadt. Später kamen oberkörperfreie Läufe bei Null Grad dazu. Weigand, der nicht nur körperliche sondern auch mentale Stärke aus seinen Kälteerfahrungen zieht: „Man fühlt sich großartig. Die Kombination aus Sport und Kälte gibt mir Energie in allen Lebensbereichen.“

Und schließlich war es dann soweit: „Ich stehe jeden Morgen um 4.59 Uhr auf, das gibt mir noch mal einen mentalen Push. Wie gewöhnlich bin ich zu einer täglichen oberkörperfreien Laufrunde aufgebrochen. Als ich merkte, dass immer mehr Schnee liegen blieb, änderte ich meinen Plan. Anstatt eines lockeren Dauerlaufs mit Schuhen wollte ich den Weltrekord attackieren“, erzählt Weigand. Mit diversen Kameras und einer Drohne sollten Freunde den Rekordversuch in kompletter Länge festhalten. „Ich brauchte einen Beweis für meine Leistung.“ Als seine Freunde am verabredeten Treffpunkt, dem ehemaligen Stadion des FC Basel, eingetroffen waren, konnte Weigand loslegen. Sein Zeitziel waren aber nicht mehr die 2:16:34 Stunden von Wim Hof. Knapp eine Woche zuvor war nämlich der Norweger Jonas Felde Sevaldrud mit 1:44:58 Stunden einen neuen Weltrekord gelaufen, berichtet Markus Brennauer vom TSV Penzberg, Weigands ehemaliger Trainer. Der Norweger lief den Halbmarathon jedoch mit Trainingsanzug und Mütze. „Als ich das gelesen habe, wusste ich, dass ich nicht mehr länger warten möchte“, so Weigand. Der neue Weltrekord von Sevaldrud war also Grund Nummer zwei für die geringe Vorbereitungszeit.

Wettlauf gegen die Sonne

„Ich hatte glücklicherweise viel Grip im Schnee – eigentlich schön zu laufen“, beschreibt Weigand den Beginn seines Rekordversuchs. So weit so gut. „Ich war überrascht, wie gut es mir ging“ , erzählt der Penzberger. Der Wettergott wollte es jedoch spannend machen: Tauwetter setzte ein und der Schnee verschwand fast schneller als Weigand laufen konnte. „Es wurde immer grüner auf dem Fußballplatz, der Schnee schmolz unglaublich schnell“, berichtet der Wahl-Basler. Als der Leichtathlet 15 Kilometer hinter sich hatte, merkte er obendrein noch wie er die Kontrolle über seine Zehen verlor und auch seine Muskeln nicht mehr richtig ansteuern konnte. „Aufgeben war jedoch keine Option. Ich war bereits im Tunnel“, so Weigand über seine Mentalität bei dem Lauf. Trotz des Tauwetters und der körperlichen Einschränkung konnte Weigand den Rekordversuch noch auf einer dünnen Schneedecke abschließen.

Die Aufnahmen des Laufs will Weigand jetzt bei der Entscheidungsstelle einreichen: „Ich werde das Video und die Fotos an Guinness World Records schicken. Dort wird dann darüber entschieden, ob es meine Zeit in die offizielle Statistik schafft.“ Der 25-jährige Penzberger hat viel für den Weltrekord investiert – nun liegt es nicht mehr in seiner Hand.

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