Runder Tisch soll Eselei retten

Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags sucht Lösung für Eselfarm Asinella

Anahid Klotz mit ihren Eseln
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Anahid Klotz fürchtet um den Fortbestand ihrer Eselfarm und hofft auf Hilfe des Bayerischen Landtags.

Pähl – Ein „Runder Tisch“ soll es richten, obwohl das Tischtuch von Behördenseite längst zerschnitten ist. Der Flickversuch zum Fortbestand der Pähler Eselfarm Asinella ist das Ergebnis einer erneuten Sitzung des Petitionsausschusses im Bayerischen Landtag. Wie mehrfach berichtet, wurde Eselfarmerin Anahid Klotz bereits im Frühjahr vergangenen Jahres vom Landratsamt Weilheim-Schongau aufgefordert, die „Schwarzbauten“ auf ihrem landwirtschaftlichen Anwesen abzureißen, da es dafür angeblich keine Baugenehmigungen gäbe.

Nach diversen Einsprüchen, Gutachten und einer Unterschriftenaktion samt einem riesigen Medienecho landete der Fall jetzt zum zweiten Mal vor dem Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags. Coronabedingt fand die Sitzung als Onlinekonferenz statt. Die grüne Landtags-

abgeordnete Anne Franke als Fürsprecherin kämpfte erneut vehement für eine Rücknahme der Beseitigungsanordnung. Sie sprach von einem „massiven Behördenversagen“, weil man die vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) erteilte Privilegierung einfach ignoriert habe. Für Franke war es auch unverständlich, dass trotz des angesetzten ersten Petitionstermins mit einer weiteren Anordnung Druck auf Klotz ausgeübt wurde. Obwohl es Usus sei, dass während einer Petition „aus Respekt vor dem Parlament“ bis zur Entscheidung des Landtags keine Vollstreckungsmaßnahmen erfolgen, gab es Mitte Oktober eine wasserwirtschaftliche Nutzungsuntersagung. Die „Petenten“, also Klotz und ihr Mann Gerhard Gregori, hätten innerhalb von zwei Wochen das seit 1945 landwirtschaftlich genutzte Anwesen räumen sollen.

Franke führte den Ursprung des Falles auf persönliche Differenzen mit Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer zurück, wie im Protokoll ausführlich nachzulesen ist. Nächtliche Eselwanderungen mit Leuchtmitteln durch Wildeinstandsgebiet hätten Jäger und Landwirte verärgert. Dieser Disput sei laut Landratsamt inzwischen ausgeräumt. Die Klotz-Vermutung eines vom Bürgermeister illegal errichteten Stadels („Völliger Quatsch“, Originalton Grünbauer) habe sich nach Einschaltung des Bauamtes als haltlos erwiesen, zog aber die Prüfung der benachbarten Eselfarm nach sich. Franke warf in diesem Zusammenhang Grünbauer „Seilschaften“ vor.

Der CSU-Abgeordnete Berthold Rüth zweifelte eine Privilegierung der Eselfarm an. Obwohl das Gutachten des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten das Gegenteil besagt: „Frau Klotz und Herr Gregori bewirtschaften 8,98 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche und 1,03 ha forstwirtschaftlich genutzte Fläche (…) Es handelt sich um Grünlandflächen, die als Mähweiden, Weiden und Streuwiesen genutzt werden. Die Tierhaltung umfasst zur Zeit im Wesentlichen 20 Mutterschafe mit Lämmern, drei Rinder und elf Esel. Die Verwertung des Aufwuchses der landwirtschaftlichen Fläche erfolgt vorrangig durch die landwirtschaftliche Tierhaltung am Betrieb, zudem werden 28 Bienenvölker gehalten.“ Der entscheidende Urteilssatz: „Es handelt sich um Landwirtschaft im Sinne von § 201 BG“.

15 Jahre ohne Probleme

Michael Kaiser vom Landwirtschaftsministerium sprach sogar „von einem Musterbetrieb für soziale Landwirtschaft“. Gemäß dem Credo von Ministerin Michaela Kaniber, die nimmermüde die Schlagworte Diversifizierung, Risikostreuung und Zusatzeinkommen predigt, damit bäuerliche Betriebe ihre Existenz langfristig sichern können. Dazu gehören Urlaub auf dem Bauernhof, Direktvermarktung, Hauswirtschaftliche Dienstleistungen oder Lern- und Erlebniswelt Bauernhof. Letztere gab es mit den eselgestützten Therapie- und Interventionsangeboten seit über fünfzehn Jahren unbeanstandet in Pähl mit der Eselfarm. Aber wie lange noch?

Franke drückte ihre Verwunderung darüber aus, dass die AELF-Stellungnahme und die festgestellte Privilegierung „im Ganzen vom Landratsamt nicht anerkannt wird“. Die Angebote von Klotz entsprächen nämlich laut Landratsamt einem Gewerbebetrieb, weil sie einen wesentlichen Einkommensbeitrag erwirtschaften, der den Gesamtbetrieb stütze. Die Eselfarm stehe dazu noch in einem geschützten Fauna-Flora-Habitat. Die zum Teil schon 1945 errichteten Gebäude seien plötzlich „Schwarzbauten“ und müssten beseitigt werden.

Laut Rüth sei das AELF-Gutachten für eine baurechtliche Beurteilung „nicht bindend“. Die lokalen Baubehörden wollen zudem die Gefahr eines Präzedenzfalles verhindern. Besonders bemängelte der Abgeordnete noch die Abwasserleitungen der „selbstgebauten Vorrichtung“ anstatt eines vorgeschlagenen Dixie-WCs.

Das historische Anwesen mit Stallungen und Nebengebäuden wurde ab 1945 von einem Münchener Schreiner erbaut, dessen Haus zerbombt wurde. Der Schwiegervater von Klotz kaufte ihm 1980 das Anwesen ab und bewirtschaftete es mit Sohn Gerhard Gregori. 2005 erfüllte sich Klotz ihren Lebenstraum und erweiterte den Bauernhof mit der Eselfarm Asinella. Fünfzehn Jahre gab es keine Probleme – bis die Differenzen mit Grünbauer den Stein des Anstoßes ins Rollen brachten. Die Behörden sahen nach drei Baukontrollen hier plötzlich keinen landwirtschaftlichen Betrieb mehr. Klotz hatte nämlich keine offiziellen Anträge für eine „landwirtschaftliche Privilegierung“ gestellt, weil sie ganz selbstverständlich davon ausging, eine Landwirtschaft zu betreiben.

Wegen der inzwischen heillos verfahrenen „Eselei“ kam der Petitionsausschuss letztendlich zur Festsetzung eines „runden Tisches“ mit allen beteiligten Behörden vor Ort in Pähl, um eine finale Lösung zu erarbeiten. Wann allerdings der Termin stattfinden wird, liegt an Corona und am Wetter.

Von Dieter Roettig

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