Pfarrer Rainer Maria Schießler sprach bei "Weilheimer Glaubensfragen"

"I werd‘ eh nix mehr in der Firma"

+
Wegen der Videoübertragung musste Pfarrer Rainer Maria Schießler am Rednerpult bleiben – „bei mir in der Kirche bin ich immer mit dem Mikrofon unterwegs“.

Weilheim – Die Stadthalle hätte wohl auch mit Leichtigkeit gefüllt werden können, als die Pfarreiengemeinschaft Weilheim zur zweiten Veranstaltung der „Weilheimer Glaubensfragen 2019“ lud. Und dies dürfte in erster Linie dem prominenten Redner zu verdanken gewesen sein: Pfarrer Rainer Maria Schießler, dem Autor der Bestseller „Himmel, Herrgott, Sakrament“ und „Jessas, Maria und Josef“.

Mit rund 400 Zuhörern war der Gottesdienstraum im Haus der Begegnung zum Bersten voll, weitere etwa 150 Zuhörer konnten den Vortrag per Videoübertragung im Probenraum verfolgen.

Schießler, der auch die nicht-katholischen Zuhörer explizit begrüßte, erzählte zunächst von der Entstehung des Titels seines ersten Buches. Er habe das Manuskript zunächst ohne Titel eingereicht, dann habe man lange über einen geeigneten Titel beratschlagt. „Irgendwann meinte dann einer ‚Ja Himmel, Hergott, Sakrament, da muss doch ein Titel zu finden sein‘ – und dann wurde es erst einmal still“, so Schießler. Dann habe man ihn gefragt: „Traust di?“ und er habe daraufhin geantwortet: „I werd‘ eh nix mehr in der Firma!“

Dem sympathischen Pfarrer, der betont, kein Nestbeschmutzer, sondern ein Kritiker in der Kirche zu sein, nimmt man ab, was er sagt. Der Ausruf „Himmel, Herrgott, Sakrament“ sei per se keine Sünde, genau wie das von ihm heute noch benutzte Brotmesser seiner Mutter – auch wenn man es natürlich zum Morden benutzen könnte. Und genauso anschaulich sind auch all seine Schilderungen rund um die derzeit viel diskutierten Themen der katholischen Kirche. So sei der Zölibat sicher ein möglicher Weg, es müsse aber auch die Möglichkeit geschaffen werden, dass Priester heiraten können: „Das geht nicht an die Wurzel des Glaubens!“ Auch das Frauenpriestertum sieht er als unbedingte Weichenstellung für eine Zukunft der katholischen Kirche: „Ohne Frauen können wir einpacken! Da geht es um Gleichheit und Gerechtigkeit.“

Ähnlich beurteilt der Theologe den Umgang mit verschieden konfessionellen Paaren seitens der katholischen Kirche. „Ich bin nicht in dieser Kirche, um Menschen wegzuschicken“, begründet er seinen offenen Umgang mit dieser Frage. Und so sei es für ihn selbstverständlich, „konfessionsverbindende Ehen“ zu schließen, auch im Rahmen einer Messe. Schließlich seien alle durch die Taufe Mitglieder der einen Kirche Jesu Christi.

In einer Unterhaltung mit Alfons Schuhbeck hat Schießler viele Gemeinsamkeiten zwischen Kirche und Gastronomie entdeckt: Sowohl in der Kirche als auch in einem Restaurant müsse die Atmosphäre passen, das Produkt stimmen genauso wie der „Zubereitende“, Produktpräsentation und Preis-Leistungs-Verhältnis spielen eine besondere Rolle, Koch wie Pfarrer muss gefallen, was er macht und beiden klar sein, dass Menschen zu ihnen kommen.

Von Bianca R. Heigl

Auch interessant

Meistgelesen

Fischereier Perchtenlauf in Dießen
Fischereier Perchtenlauf in Dießen
Verdienstorden für Thomas Müller
Verdienstorden für Thomas Müller
"Fridays for Future-Demo" Weilheim
"Fridays for Future-Demo" Weilheim
Wieder große Resonanz bei "Fridays for Future-Veranstaltung" in Weilheim
Wieder große Resonanz bei "Fridays for Future-Veranstaltung" in Weilheim

Kommentare