Mit Pflegekräften aus Serbien in Weilheim gegen den Pflegenotstand: Ein Erfolgsmodell

Multikulti-Truppe im Krankenhaus

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Freuen sich auf die gemeinsame Zusammenarbeit (v.li.): Krankenpfleger Igor Petrovic, Stationsleiter Thilo Rudloff, stellvertretende Pflegedienstleitung Sandra Buchner, Krankenpflegerin Marija Micic, Pflegedienstleitung Anne Ertel mit den Krankenpflegern Ana Vaskovic, Ivana Tijanic, Stefan Stankovic und Darko Medic.

Weilheim – Unbesetzte Stellen und viele pflegebedürftige Menschen: Der Pflegenotstand verschärft sich Jahr für Jahr. Grund für die Krankenhaus GmbH im Landkreis Weilheim-Schongau zu handeln. Mit dem Pilotprojekt, serbische MitarbeiterInnen einzustellen, soll dem Personalmangel entgegengewirkt werden.

Die Krankenhaus GmbH übernimmt inzwischen den dritten Jahrgang der Pflegeschüler komplett, ist auf diversen Ausbildungs- und Jobmessen vertreten und bietet Maßnahmen an, die das Einleben am neuen Arbeitsplatz erleichtern. Doch all das reicht nicht, genügend Pflegekräfte zu finden. Aus diesem Grund startete Pflegedienstleitung Anne Ertel 2016 das Pilotprojekt, deutsch sprechende, ausländische MitarbeiterInnen in der Pflege einzustellen. Im Herbst 2017 nahmen so sechs Krankenschwestern aus Serbien ihren Dienst am Krankenhaus Weilheim auf.

„Am Anfang war es schwierig, vor allem wegen der Sprache“, erklärte Ana Vaskovic, eine von mittlerweile zwölf serbischen Pflegekräfte am Krankenhaus Weilheim. Neben der sprachlichen Barriere war es auch vor allem das Heimweh nach der Familie, was vielen MitarbeiterInnen am Anfang zu schaffen machte.

„Ich wusste am Anfang nicht, was auf mich zukommt“, so Ertel, die betonte, dass es mit der Schaffung eines Arbeitsplatzes bei weitem nicht getan ist. Die neuen Mitarbeiter erhalten einen „Rundumservice“ von der Wohnungsbeschaffung über Hilfe bei Behördengängen bis hin zum Handyvertrag. Auch bekommen sie Sprachunterricht von einer Lehrerin der Realschule. Laut Ertel sei die Unterstützung durch die Stadt und Privatpersonen bei der Wohnungssuche in Weilheim sehr groß. Auch am Krankenhaus Schongau ist das Projekt bereits angelaufen, dort werde jedoch noch ein wenig mehr Unterstützung, gerade was die Wohnungssuche angeht, benötigt, so Ertel.

Nur – was veranlasst einen Menschen dazu, seine Heimat zu verlassen, um sich woanders ein neues Leben aufzubauen? „Ich habe in Serbien drei Jahre lang ambulant gearbeitet“, so Ivana Tijancic, die nun ebenfalls am Krankenhaus Weilheim beschäftigt ist. Die Ausbildung zur Krankenschwester dauert dort fünf Jahre. Vom Gehalt können die examinierten Krankenschwestern anschließend aber nicht leben. „Die Arbeitsbedingungen sind hier toll“, fügte Vaskovic hinzu. Muss an Serbiens Krankenhäusern der Blutdruck noch manuell gemessen werden, könne man dies hier ganz praktisch mit einem Messgerät erledigen. „Hier hat der Patient alles, was er für die Pflege braucht“, so Vaskovic. Außerdem besteht die Perspektive, die Familie nachkommen zu lassen. Auch bei ihr durften ihr Mann und ihre zwei Söhne ein Jahr später nach Deutschland kommen.

Der erste Kontakt läuft über einen Kooperationspartner in Serbien. Anschließend folgt das Bewerbungsgespräch meist über Skype. Voraussetzung sind dabei Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2. Sind die angehenden Pflegekräfte erst einmal im Landkreis, läuft das Anerkennungsverfahren über die Regierung von Oberbayern in der Pflegeschule der Krankenhaus GmbH. Ist das Anerkennungsverfahren erfüllt, findet eine Prüfung statt. Haben die Krankenpfleger bestanden, so erhalten sie die Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpfleger.

Und wie sieht es mit vermeintlichen Vorurteilen aus? „Die Integration gelingt hervorragend. Die Patienten und wir sind sehr zufrieden mit den neuen Kollegen“, so Ertel. Auch Stationsleiter Thilo Rudloff ist von dem Projekt überzeugt. Zwar brauche es erst einmal eine gewisse Eingewöhnungsphase, gerade was die Sache mit der Sprachbarriere angeht. Mit welcher Motivation die serbischen Mitarbeiter jedoch an die Arbeit gehen, war „sehr schön zu sehen“.

Das Erfolgsprojekt in Weilheim läuft weiter. „Der Bedarf ist da“, betonte Ertel. Ende des Jahres kommen noch weitere Pflegekräfte nach Weilheim, diesmal von den Philippinen und aus Tunesien.

Von Maria Lindner

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