Pionier und Phänomen

Wie packt man das Leben eines so komplexen und vielschichtigen Menschen wie das des Künstlers und Erfinders Hans Held in ein 240 Seiten starkes Buch? Diese Frage beschäftigte seine Witwe Erika Held eine lange Zeit. Fast 15 Jahre nach dem Tod ihres Mannes präsentierte sie nun im Rahmen des alljährlichen Treffens der Raketenflieger, einer der großen Leidenschaften von Held, die Biographie des Grafikers aus dem beschaulichen Haid.

„Ich musste bei Null anfangen“, berichtete die rüstige Seniorin bei einer kleinen Feierstunde über ihre Recherche und die Arbeit an dem Buch. Zu Lebzeiten gab sich ihr Mann eher schweigsam. „Deshalb stellte sich das ganze sehr schwierig dar“, ergänzte die 82-Jährige. Bürgermeister Helmut Dinter, der den Künstler selbst nicht kannte, nannte Held in seinem Grußwort einen Pionier, „ohne den der Flug zum Mond nicht möglich gewesen wäre“. Schließlich erfand er vor 80 Jahren einen kleinen Raketenmotor, der bei den Menschen den Wunsch zum Aufbruch zu den Sternen erwachen ließ. „Er passte in keine Schublade, er war ein Phänomen“, erinnerte Dinter an die vielfältigen Fähigkeiten von Held. Besonders die Figuren des Igels „Mecki“ oder der Indianer, den die Jugendzeitung „Bravo“ als Preis vergab, waren in der Öffentlichkeit bekannt. Der Künstler Hans Held, der sie entwarf, stand jedoch im Hintergrund und die große Anerkennung blieb ihm versagt. Mit der Erfindung des Raketenmotors schaffte Held nach Meinung des Bürgermeisters etwas Besonderes. „Dadurch wurde Haid auch über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt“, ergänzte der Bürgermeister, der zudem die Liebe von Held zur Fliegerei hervorhob. Welche Leidenschaften und künstlerischen Fähigkeiten Held außerdem besaß, davon konnten sich die 50 Anwesenden bei einem Blick in eines der zahlreichen Bücher mit Werken von Held überzeugen, die am Rosenhof ausgestellt waren. Über die Biographie selbst gab es von denjenigen, die sie bereits gelesen hatten, nur gute Urteile. „Ich war begeistert davon,“ meinte Herbert Gründler von den Raketenfreunden „Ramog“, die das jährliche Treffen in Haid veranstalten. Für den Startschuss dazu ließen sie sich diesmal auch etwas ganz Besonderes einfallen. Zu den Klängen der Musik aus dem Film „Star Wars“ und einem stilechten Countdown sandte Erika Held eine Modellrakete mit einem Druck auf den Startknopf in den Himmel. „Das war auch für mich eine Premiere“, gestand sie mit einem Lächeln. Das historische Modell blieb aber nicht die einzige Rakete, die danach gestartet wurde. In unterschiedlichsten Varianten schossen den ganzen Tag über die Raketen in den Himmel, die anschließend sanft per Fallschirm wieder auf den Boden zurückkehrten.

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