Plädoyer für nachhaltiges Wirtschaften – Unternehmer Claus Hipp wirbt in Weilheim für ethisches Handeln

Prof. Dr. Claus Hipp ist nicht nur erfolgreicher Unternehmer, sondern auch als freischaffender Künstler aktiv. Foto: Hofstetter

„Auf ehrbare Weise Erfolg zu haben darf nicht verwerflich sein“, sagt ein Unternehmer, der es wissen muss: Claus Hipp. Doch die Schere zwischen Moral und Profitgier klafft in der Wirtschaft oft weit auseinander, wie jüngste Skandale zeigen. Als Gastreferent in der Reihe der „Weilheimer Glaubensfragen“ gab der engagierte Katholik Einblick in seine Ansichten vom ethisch-ökologischen Handeln im Wirtschaftsleben.

Mit dem 1938 in München geborenen promovierten Juristen und Geschäftsführer des Babykostherstellers Hipp in Pfaf- fenhofen an der Ilm, den Industrieverbände an ihre Spitze gewählt hatten, holte die Katho- lische Pfarreiengemeinschaft einen prominenten Vertreter der deutschen Wirtschaft nach Weilheim. Das honorierten im „Haus der Begegnung“ an die 300 Besucher. Bei seiner Kritik an der Regulierungswut der Deutschen mit immer umfangreicheren Vertragswerken bediente sich Hipp eines Zitates der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, die einmal festgestellt hatte: „Ein Gesetz, das nicht der letzte Schweinehirt in Gallizien versteht, gehört abgeschafft.“ Auch er, Hipp, fühle sich in dem überregulierten Land manchmal „wie ein Schweinehirt“, gab er preis. Die ältere Generation werde an diesem Zustand kaum noch etwas ändern können, „aber die Jungen“. Apropos Jugend: Dem „Gejammere um die Pisastudie“ kann Hipp nichts abgewinnen. Er empfahl, sich wieder auf bewährte Tugenden wie Tapferkeit und Maß halten zu besinnen. Um dem Lehrlingsmangel entgegenzusteuern, müssten praktisch veranlagte Jugendliche gezielt gefördert werden. Den „anständigen Umgang miteinander“ hält Hipp, der ein Verfechter der freien sozialen Marktwirtschaft ist, für unabdingbar im Wirtschaftsleben, denn „wir können großes Unrecht verüben, ohne gegen Gesetze zu verstoßen“. Nicht alles, was legal sei, sei moralisch vertretbar. Auf faire Weise auch eine unbequeme Meinung äußern, Niederlagen einstecken können, das zeichne einen integren Unternehmer aus. Authentisch brachte Hipp seine Überzeugung zum Ausdruck, „dass wir später einmal daran gemessen werden, wie wir mit dem, was wir erwirtschaftet haben, umgegangen sind, und nicht daran, wie viel wir erwirtschaftet haben“. Welchen moralischen Normen und Idealen sich das Unternehmen Hipp mit seinen 2000 Mitarbeitern in sieben Ländern verpflichtet, ist in der 30 seitigen „Hipp-Ethik-Charta“ festgelegt. Sie bezieht sich auf das Verhalten am Markt, gegenüber den Mitarbeitern, dem Staat, der Gesellschaft und Umwelt. Schon Hipps Großeltern hatten den Grundstein für einen langfristigen Erfolg gelegt, wusste der Referent zu berichten. Großraumbüros („hier fehlt die Geborgenheit“) lehnt Hipp ebenso ab wie anonymisierte Bewerbungen („ich möchte mit den Menschen sprechen und sehen, ob sie zu unserem Betrieb passen“). Mütter sollten „zumindest im ersten Lebensjahr bei ihrem Nachwuchs bleiben können“, bezog Hipp Stellung. Im Betriebsrestaurant seines Unternehmens werde sehr gut gekocht, das Essen darf auch für die Familie mit nach Hause genommen werden. Zur Diskussion um die Arbeitszeit sagte Hipp: „Wir werden in der Woche, im Jahr und im Leben wieder mehr arbeiten müssen.“ Wer im Rentenalter noch weiter erwerbs- tätig bleiben möchte, sollte von Abgaben befreit werden. Kritisch steht Hipp dem Verheizen von Feldfrüchten in Biomasseheizkraftwerken gegen- über. In der Diskussion danach befragt, plädierte er für das Energie sparen: Ein Grad weniger Raumtemperatur in Büro- und Wohnräumen sei immer noch warm, „und wir brauchen weniger joggen“. Das Publikum, unter dem es einige kritische Stimmen gab, hatte Hipps Ausführungen bis zuletzt sehr aufmerksam verfolgt. „Ich hätte gern in so einem Betrieb gearbeitet“, stellte eine Zuhörerin fest. Am Mittwoch, 9. Mai, um 20 Uhr, wird die für Besucher kostenlose Glaubensreihe im Haus der Begegnung mit Autor Matthias Matussek zum Thema „Das katholische Abenteuer – eine Provokation“ fortgesetzt.

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