Sorge vor einem Rückstau

Pläne für Hochwasserschutzkonzept Weilheim-Süd in Polling kritisch beäugt

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Das Wasserwirtschaftsamt informierte den Pollinger Gemeinderat über den Planungsstand.

Polling – Weilheims südliche Stadtteile sollen hochwassersicher gemacht werden. Seit längerem laufen dafür im Wasserwirtschaftsamt Weilheim die Planungen. Was das Projekt schwierig macht: Die Schutzmaßnahmen sind überwiegend auf Pollinger Gemeindegebiet geplant.

Vor allem im Ortsteil Oderding ist die Sorge groß, dass der Weilheimer Hochwasserschutz zu Lasten des Dorfes gehen könnte. Die Planungen stießen bislang jedenfalls auf heftige Kritik. Das Wasserwirtschaftsamt hatte bereits im Juni 2019 eine überarbeitete Konzeption vorgestellt. Aber die konnte die Bedenken der Oderdinger nicht ausräumen. Die Behörde besserte erneut nach und stellte die aktuelle Planung in der jüngsten Sitzung des Pollinger Gemeinderates vor. Restlos zufrieden war das Gremium mit den Entwürfen jedoch wieder nicht. Es wurden erneut Verbesserungswünsche angemeldet.

Nach den Planungen soll an der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Polling und Oderding im Bereich unterhalb und südlich der Staatsstraßenüberführung eine Spundwand zwischen Bahnlinie und Fahrbahn errichtet werden. Selbige soll bei einem Hochwasser an der Ammer die Durchflusskapazität und damit die Ausuferung Richtung Weilheim drosseln.

Als Kompensation für die verringerte Abflussmenge soll wiederum das Oderdinger Wehr abgebaut und das Flussbett mit dem Einbau von drei Sohlgleiten tiefer gelegt werden. Unter anderem ist auch eine Reaktivierung des alten Ammerarms samt Durchlass durch die Staatsstraßenauffahrt geplant. „Wir haben versucht, die Anregungen nach allen Möglichkeiten, die wir haben, einzuarbeiten“, betonte Sigrun Frank, Fachbereichsleiterin am Wasserwirtschaftsamt, im Pollinger Gemeinderat. So weit, so gut.

Doch ganz ausgeräumt wurden die Bedenken des Gemeinderats nicht. Der Hauptkritikpunkt: Entlang der Staatsstraße bei Oderding ist zwar eine Geländemodellierung – sprich, ein Damm – geplant, allerdings niedriger als die Spundwand an der Bahnlinie. Während Frank und Projektleiter Matthias Baier die Höhe des Damms als ausreichend ansehen und auf die unterschiedlichen Wasserspiegel verweisen, gibt es bei den Ortsteilbewohnern in Oderding Zweifel: So besteht die Sorge, dass es bei einem Ammer-Hochwasser aufgrund der verringerten Abflussmöglichkeiten einen Rückstau Richtung Oderding geben könnte.

„Das steht meiner Meinung nach nicht im Verhältnis, dass man ein Dorf absaufen lässt, damit der Bahndamm erhalten bleibt“, fand Tobias Schägger (Wählergemeinschaft Oderding) im Gemeinderat deutliche Worte. In die selbe Kerbe schlug Bürgermeister Martin Pape (CSU): „Man sollte die Niveaus zumindest einheitlich hoch machen.“ Der Pollinger Gemeinderat erwartet nun vom Wasserwirtschaftsamt, dass die Bedenken in der weiteren Planung berücksichtigt werden.

Im Herbst 2020 – nach einer Überprüfung und Genehmigung des Konzepts durch die übergeordneten Behörden – will das Wasserwirtschaftsamt nun das Planfeststellungsverfahren einleiten. Wie lange das Feststellungsverfahren dauern wird, darauf wollte sich die Fachbereichsleiterin nicht festlegen: „Das liegt nicht in unseren Händen.“ Allerdings müsse man wahrscheinlich mit mindestens einem Jahr rechnen, so dass frühestens 2022 mit den Baumaßnahmen begonnen werden könne.

Vom Ablauf her würde als erstes der Umbau des Oderdinger Wehrs in drei Sohlgleiten auf dem Programm stehen. „Es darf für die Oderdinger ja keine Verschlechterung der Hochwasserschutzsituation geben“, betonte Frank. Deshalb werde die Spundwand an der Bahnlinie auch ganz zum Schluss errichtet.
Von Bernhard Jepsen
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