Neues Weilheimer Hallenbad wirft viele Fragen auf

Kleinkinderbecken Hallenbad Weilheim
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Aufwendig saniert worden ist das Hallenbad während der vergangenen Monate.

Weilheim – Eine lange, schwierige Diskussion haben die Kommunalpolitiker vor sich, wenn es um die Zukunft des Weilheimer Hallenbads geht. Die kürzlich für 350 000 Euro sanierte, 48 Jahre alte Freizeitanlage verursacht einen Unterhalts- und Instandhaltungsaufwand von durchschnittlich 100 000 Euro im Jahr.

Wie ein Neubau aussehen könnte hat das Schweizer Ingenieurbüro Kannewischer untersucht. Mit den Ergebnissen der Analyse beschäftigten sich die Mitglieder von Kreisausschuss und städtischem Hauptausschuss in einer gemeinsamen Sitzung. Der Landkreis ist Eigentümer von Grundstück und Gebäude, während sich die Stadt Weilheim seit 1975 mit knapp 60 Prozent an allen Kosten für Unterhalt und Betrieb beteiligt. In den vergangenen Jahren lag der städtische Anteil bei rund 300 000 Euro im Jahr, wegen der Sanierung kommt heuer eine Million dazu.

Mehrere Varianten

Das Schulschwimmen ist extrem wichtig“, machte Landrätin Andrea Jochner-Weiß in der gemeinsamen Sitzung von Kreisausschuss und städtischem Hauptausschuss ihren Standpunkt klar. Rund 68 000 Gäste hatten im Jahr 2019 das Hallenbad genutzt: 13 000 waren es beim Schul- und 27 000 beim Vereinsschwimmen sowie 28 000 Besucher während der öffentlichen Badezeit. Diese beträgt nur 40 Stunden in der Woche, weshalb die Eintrittsgelder und Umsätze relativ gering ausfallen.

Dazu komme, berichtete Stefan Studer vom Planungsbüro, dass es zwischen Schongau und Starnberg acht weitere Hallenbäder gibt, fünf davon sind mit Saunaanlagen ausgestattet. Sich gegenseitig Konkurrenz zu machen sei wenig sinnvoll; deshalb empfahl Studer für Weilheim höchstens einen kleinen Saunabereich, besser noch ein Dampfbad.

Planer Studer gab zu bedenken, dass zu den reinen Baukosten mehrere Jahrzehnte lang auch Betriebskosten für Energie und Personal kämen: „Das Bad wird also immer ein Zuschussbetrieb bleiben!“ Je nach Größe und Ausstattung eines Neubaus könnten mehr als 20 Millionen Euro notwendig werden, so der Planer.

Studer stellte in der Sitzung mehrere Varianten mit unterschiedlich großen Wasserflächen und Nutzungskonzepten vor. Soll es ein reines Schul- und Vereinsbad werden oder eher eine Sport- und Freizeitanlage? Ist wie bisher eine exklusive Nutzung durch die unterschiedlichen Zielgruppen gewünscht oder können sie sich künftig auch gleichzeitig im Bad aufhalten? Bleibt es bei der Kostenteilung Stadt/Landkreis oder sind alternative Betreiberkonzepte denkbar, zum Beispiel durch eine Gesellschaft?

Das sind nur einige von vielen weiteren Fragen, welche die Kommunalpolitiker in den nächsten Jahren beantworten müssen. Landrätin Jochner-Weiß meinte in der Debatte, eventuell könne man die Schüler zum Schwimmunterricht auch in benachbarte Orte transportieren – allerdings gibt es nicht genügend Lehrer mit der erforderlichen Ausbildung.

Nach der eineinhalbstündigen Diskussion stand schließlich nur eines fest: Das Ganze wird eine ebenso kostspielige wie langwierige Angelegenheit. Denn bis alle offenen Fragen geklärt und die Arbeiten europaweit ausgeschrieben sind, bis geplant und letztlich auch gebaut ist, dürften nach Schätzung von Stefan Studer mindestens noch fünf Jahre vergehen.

Solange – hoffen die Weilheimer – wird die Technik im Hallenbad wohl noch ihren Dienst tun.

Für die Schulen steht die Anlage von Montag mit Freitag jeweils von 8 bis 15 Uhr und für die Vereine jeweils montags und mittwochs von 15 bis 22 Uhr sowie am Samstagvormittag zur Verfügung; die übrigen Zeiten sind für das öffentliche Baden vorgesehen. Den genauen Belegungsplan kann man im Internet einsehen. Die Badezeit beträgt jeweils 90 Minuten. Der Einzeleintritt für Erwachsene beträgt 2,90 Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre bezahlen für den Eintritt ins Hallenbad zwei Euro.

Von Peter Stöbich

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