Viele Themen, wenig Disput

Podiumsdiskussion mit Peißenberger Bürgermeister-Kandidaten verläuft erstaunlich ruhig

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Bei der Podiumsdiskussion in Peißenberg standen die Bürgermeisterkandidaten Rede und Antwort.

Peißenberg – Die Peißenberger scheinen an der im März stattfindenden Kommunalwahl großes Interesse zu haben: Der Gasthof „Zur Post“ war mit rund 550 Besuchern jedenfalls proppenvoll, als das Weilheimer Tagblatt vergangene Woche zur Podiumsdiskussion mit den vier Bürgermeister-Kandidaten einlud. Wer einen hitzigen Schlagabtausch zwischen den Kontrahenten erwartet hatte, der wurde jedoch enttäuscht. Die von Tagblatt-Redaktionsleiter Boris Forstner moderierte Diskussion zwischen Amtsinhaberin Manuela Vanni (Peißenberger Liste), Robert Halbritter (SPD), Frank Zellner (CSU) und Walter Wurzinger (Freie Wähler) verlief – für viele überraschend – nur punktuell kontrovers.

Den drei Herausforderern gelang es nur selten, die Amtsinhaberin aus der Reserve zu locken. Kritische Anmerkungen ließ Vanni mehr oder weniger an sich abperlen. Beim Thema „Hochwasserschutz“ wurde die Rathauschefin zum Beispiel mit der Frage konfrontiert, warum die Planung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen so lange dauert. Zellner monierte in dem Zusammenhang, dass Vanni die Angelegenheit nicht mit dem nötigen Nachdruck verfolgen würde. In dieselbe Kerbe schlug Wurzinger: „Im Planfeststellungsverfahren für den Ortsteil ‚Süd‘ hat man einen zeitlichen Verzug von elf Monaten drin. Dann muss man halt dem Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt entsprechend auch einmal auf die Füße steigen.“ Doch Vanni verwies auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen („Die hindern uns“) und die Zuständigkeit der Fachbehörden. „Die rechtlichen Verfahren brauchen einfach Zeit. Wir haben keine Fehler gemacht und keine Versäumnisse zu vertreten. Es ist alles gut gelaufen“, betonte die Bürgermeisterin.

Einig war sich das Kandidaten-Quartett darin, dass das Eisstadion und die „Rigi-Rutsch´n“ dauerhaft erhalten bleiben sollen. Allerdings wurden unterschiedliche Strategien deutlich: Wurzinger („Der TSV Peißenberg hätte ein Vereinsheim verdient“) und Halbritter wollen ein Gesamtkonzept für das Sport- und Freizeitgelände entwickeln. Letzterer sprach von einer „Vision“, das Areal in ein „Leistungszentrum mit Sporthotel“ zu verwandeln. Dafür brauche es Investoren. Vanni zeigte sich diesbezüglich skeptisch: Das Ganze sei zwar eine „gute Idee“, allerdings würden Investoren auch Geld verdienen und mitbestimmen wollen. „Der Rahmen für Peißenberg wird dann weniger“, so die Bürgermeisterin, die versprach, dass die notwendigen Umkleiden für das Eisstadion sicher gebaut werden. Und wie sieht es mit einem Kunstrasenplatz für die TSV-Fußballabteilung aus? „Den sehe ich in den nächsten drei Jahren nicht“, so die Rathauschefin.

Beim Thema „Energieversorgung“ gab Halbritter die „CO2-Neutralität“ als Ziel aus. Das vorhandene Energiekonzept müsse dafür allerdings „konsequenter bearbeitet“ werden: „Wir müssen erst einmal vor der eigenen Haustür kehren.“ Vanni indes brachte die Errichtung eines Windrads ins Spiel – „entfernt von Bürgern und als Genossenschaft“. Die rechtlichen Rahmenbedingungen würden die Möglichkeiten aber massiv einschränken. Zellner und Wurzinger winkten in puncto „Wind-

energie“ jedoch einhellig ab. Letzterer verwies auf eine Peißenberger Firma, die ein Verfahren entwickelt hat, bei dem aus Biomüll Wasserstoff erzeugt wird. „Ich stehe mit der Firma in engem Kontakt“, berichtete Wurzinger. Auch mit dem bayerischen Wirtschaftsministerium habe er bereits Gespräche geführt: „Wir müssen die Firma fördern, damit sie ausreichend Platz bekommt und nicht abwandert wie andere Unternehmen“, mahnte Wurzinger. Apropos Gewerbeflächen: Alle vier Kandidaten sehen die Ausweisung von neuen Standorten als Notwendigkeit an. Als Alternative zum möglichen „Gewerbegebiet-Ost“ brachten Halbritter und Wurzinger eine Fläche neben der Firma „Agfa“ ins Spiel: „Wir können nicht ewig auf das Gewerbegebiet-Ost warten, sondern müssen jetzt schauen, wo wir andere Flächen ausweisen können“, erklärte Halbritter. Dass mit dem MTP-Gelände an der Hochreuther Straße Industrieflächen in Wohnareale umgewidmet werden, wurde auf dem Podium nicht in Frage gestellt: „Wir brauchen auch Wohnraum. Es hätte vielleicht nicht in der zeitlichen Abfolge sein müssen“, meinte Zellner. Diskutiert wurde auch über den Leerstand von Geschäftshäusern an der Ortsdurchfahrt. Halbritter monierte, dass es zudem kaum noch Kneipen und Lokale im Ort gebe: „Wir sind schon eine Schlafstadt.“ Vanni entgegnete, dass es nicht Aufgabe der Gemeinde sei, den Leerstand zu beseitigen: „Sie brauchen Private, die das übernehmen.“ Als Beispiel verwies die Rathauschefin auf die „Bräuwastlhalle“. Sie sei im Kontakt mit dem Eigentümer, „aber wenn der davon nicht überzeugt ist, dann ist es schwierig“. Eine klare Absage von Zellner gab es im Verlauf der Diskussion an das vom Marktrat mehrheitlich beschlossene Wirtschaftsmodell der „Gemeinwohlökonomie“: „Die lehne ich total ab. Die Grundsätze bekommen wir auch selber hin.“

Und was erfuhren die Besucher der Podiumsdiskussion sonst noch? Dass das gute Verhältnis zwischen Vanni und der zweiten Bürgermeisterin, Sandra Rößle (CSU/Parteilose), für Zellner in der Wahlkampfführung „kein Problem“ ist, dass sich Halb-

ritter im Gemeinderat künftig eine „klarere und strukturiertere Sitzungsführung“ wünscht, dass Wurzinger der Bürgervereinigung unter anderem deshalb den Rücken gekehrt hat, weil sie keinen eigenen Bürgermeister-Kandidaten aufgestellt hat und dass Vanni auch im Falle einer Niederlage bei den Bürgermeisterwahlen ein mögliches Gemeinderatsmandat annehmen würde: „Da ist der ehemalige Landrat Friedrich Zeller ein Vorbild für mich“, so die Rathauschefin.

Zitate aus der Podiumsdiskussion

Die Kandidaten zu den Themen „Eisstadion“ und „Rigi-Rutsch´n“

„Die Rigi-Rutsch´n und das Eisstadion sind die linke und rechte Herzkammer Peißenbergs.“(Robert Halbritter)

„Die Eishalle ist für Peißenberg eine tolle Errungenschaft. Das müssen wir auf alle Fälle erhalten – im Verbund mit der Rigi-Rutsch´n und dem erfolgreichen Rehazentrum.“ (Frank Zellner)

„Das Eisstadion ist ein wichtiges Aushängeschild für Peißenberg. Aber man muss ein Gesamtkonzept entwickeln.“ (Walter Wurzinger)

„Ich bin überzeugt davon, dass die Rigi-Rutsch´n auch in den nächsten 20 Jahren ein Teil von Peißenberg sein wird.“ (Manuela Vanni)

Die Kandidaten zum Thema „Neugestaltung der Ortsdurchfahrt“:

„Es ist tatsächlich so, dass nicht allzu viel passiert ist.“ (Frank Zellner)

„Der Minikreisel war von der Umsetzung her Mist. So wie er vom Gemeinderat geplant und genehmigt war, hätte er auch gebaut werden müssen.“ (Walter Wurzinger)

„Mit dem Kreisverkehr haben wir uns gleich berühmt gemacht. Nichtsdestotrotz muss man dranbleiben.“ (Robert Halbritter)

„Ich denke, für alle weiteren eventuellen Maßnahmen, würde ich eine Bürgerbefragung machen.“ (Manuela Vanni)

Von Bernhard Jepsen

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