Beim Thema Entlastungsstraße unterscheiden sich Weilheims Bürgermeister-Kandidaten deutlich

Erstes Abtasten der Bewerber für Posten des Weilheimer Bürgermeisters

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Für den Gewerbeverband, sagte dessen Vorsitzender Hans-Georg Geist (am Rednerpult re.), ist die nach 2008 und 2014 dritte Kandidatenvorstellung zum „Ritual“ geworden. Am Podium sitzt zwischen den Bewerbern Moderator Lui Knoll.

Weilheim – Wer wird in den nächsten sechs Jahren in der Kreisstadt das Ruder führen? Am Dienstag bot sich in der Stadthalle Gelegenheit, sechs KandidatInnen bei ihrem ersten Schlagabtausch zu erleben. Ein eher verhaltener, relativ konfliktarmer Diskussionsverlauf und mehrere leer gebliebene Stuhlreihen ließen allerdings darauf schließen, dass der Wahlkampf in Weilheim noch nicht so recht in Fahrt gekommen ist.

Gewerbeverbandsvorsitzender Hans-Georg Geist wertete es als „zunehmende Diversität“, dass diesmal sechs Bewerber im ausgewogenen Geschlechterverhältnis 3:3 zu den künftigen Rahmenbedingungen für Weilheim befragt werden konnten. „Maximal drei Minuten“ Zeit gab Moderator Lui Knoll jedem Kandidaten zur persönlichen Vorstellung.

Romana Asam FW (61, verheiratet, zwei Töchter, vier Enkel) ist gelernte Industriekauffrau. Sie hat ihren Ehemann in der inzwischen übergebenen Vollerwerbslandwirtschaft unterstützt. Bei den FW bekleidet die Stadt- und Kreisrätin, die sich bis zur Landesebene hinauf als „gut vernetzt“ ausgibt, verschiedene Ämter. Weilheim sollte sich „mit Maß und Ziel weiterentwickeln“, findet Asam, die sich für den „Dreiklang zuhören, reden, miteinander entscheiden“ ausspricht.

Angelika Flock CSU (60, verheiratet, drei Kinder) hat an der LMU in München u.a. Germanistik studiert, journalistisch und in der Werbebranche gearbeitet. Ehrenamtlich vielseitig engagiert und seit 2014 dritte Bürgermeisterin, hat sie „vom ersten Tag an für diese Arbeit gebrannt, um Positives für die Bürger zu erreichen“. Besonders am Herzen liegen ihr „Menschen, die nicht auf der Sonnenseite stehen“. Die Weiterentwicklung einer Stadt hat für Flock „ganz viel mit mehr Kompetenz zu tun“.

Saika Gebauer-Merx FDP (49, verheiratet, „Patchworkfamilie mit vier Töchtern und zwei Bonuskindern“) ist studierte Juristin und freiberuflich in der Immobilienbranche tätig. Die Stadträtin und Wirtschaftsreferentin vertritt „Visionen, die nicht Mainstream sind“. Weilheims Altstadtcharakter müsse trotz Zuzugs bewahrt, das Wachstum in der Stadt „gefordert und gefördert“ sowie die Infrastruktur entsprechend angepasst werden. Rechtskenntnisse zu haben, sei fürs Bürgermeisteramt „nicht schädlich“.

Markus Loth BfW (51, verheiratet, eine Tochter) ist seit 2002 Bürgermeister in Weilheim, Mitglied in Kreistagsgremien, -ausschüssen; im Bayerischen Städtetag und Ehrenvorsitzender des BRK Weilheim-Schongau. Loth möchte die „ehrliche, parteifreie Politik“ und seine „erfolgreiche Arbeit mit aller Kraft fortsetzen“ und weiterhin seinen „Sachverstand“ einbringen. Weilheim sieht er mit einer starken Wirtschaft, breitem Branchenmix und soliden Finanzen gut aufgestellt.

Horst Martin SPD (60, „seit 35 Jahren verheiratet“, zwei Töchter, vier Enkel), seit 2014 zweiter Bürgermeister, stellte sich als „gelernter Fernmeldehandwerker mit vier beruflichen Laufbahnen“ vor. Martin hat Betriebsingenieur studiert, zuletzt war er Regionalmanager bei der Telekom und trat 2015 in den Vorruhestand. Für Weilheim möchte er gerne Verantwortung übernehmen. Die derzeitigen Rahmenbedingungen würden „ein Umdenken und Umsteuern erfordern“.

Manuel Neulinger, Bündnis 90/Die Grünen (41, verheiratet, zwei Kinder) verspricht als „unbelasteter Neuer“ auf der politischen Bühne „frischen Wind fürs Rathaus“. Der Wirtschaftswissenschaftler pendelt zu seinem Arbeitsplatz in die Rechtsabteilung der „Allianz“ nach München und sieht es als „Privileg“ an, „in Weilheim wohnen zu dürfen“. Im Stadtgeschehen vermisst er „Nachhaltigkeit im politischen Handeln“. Anstatt nur Straßen sollten „endlich gscheite Radwege gebaut“ werden.

Viel Übereinstimmung, wenig Zündstoff

Welche Perspektiven sich für die Stadt als Oberzentrum ergeben, fragte der Moderator in die Runde. „Da muss man gewaltig anschieben“, sagte Loth. Übereinstimmend wurde auf bessere Chancen für Fördermöglichkeiten hingewiesen, wie für ÖPNV und Krankenhausausbau. Gebauer-Merx sieht Weilheim als möglichen Hochschulstandort, was Loth ausschloss: „Wir sind zu nahe an München und Augsburg. Die geben ungern was her.“ Flock deutete an, dass eine Uniklinik bei ihrer Erweiterung einen Bereich nach Weilheim auslagern könnte.

Für Martin gehört eine Geburtenstation zur Gesundheitsvorsorge: „Wenn wir die nicht hinbekommen, brauche ich auch das Label ‚Oberzentrum‘ nicht!“ Dafür gab es Beifall aus dem Publikum. Neulinger, dessen Tochter im Weilheimer Krankenhaus zur Welt kam, findet die Schließung „extremst bedauerlich“. Für eine Förderung wird eine Mindestmenge an Geburten vorausgesetzt, was den Moderator zum Appell veranlasste: Weilheimer, schaut‘s weniger fern!“

Gewerbegebiete

In puncto Flächenverbrauch herrschte Einigkeit darüber, dass Weilheim in nächster Zeit keinen Bedarf für ein neues Gewerbegebiet hat. Achalaich müsste reichen, vorhandene Strukturen und Leerstände sollten genutzt werden. Martin hält einen Wachstumsplan für notwendig, Merx forderte: „Runter mit der Gewerbesteuer!“ Die fehlende Gewerbeanbindung ans Schienennetz monierte Neulinger.

Eine Erweiterung der Fußgängerzone lehnten Flock und Asam strikt ab, während sie für Martin „noch nicht vom Tisch“ ist.

Entlastungsstraße

Mit Spannung wurden die Statements zur Verkehrsentlastung der Innenstadt erwartet. Ein Brennpunktthema, das den Ausgang der Kommunalwahl mit entscheiden wird. Sollte kein Kompromiss gefunden werden, würde sich an Lärm, Abgasen und Stau in der Stadt nichts ändern, warnte Loth. Sein Trassenfavorit ist eine weite Ostumfahrung mit einem langen Gögerltunnel. Martin ist „gegen jede Umfahrung in Ost und West. Wir müssen andere Lösungen finden“, forderte er. Für Gebauer-Merx kommen „oberirdische Trassen nicht in Betracht“. Flock, Gegnerin einer Osttrasse, stimmte einer kurzen Westumfahrung zu, wenn diese an die Gewerbegebiete angebunden wird. Eine Untertunnelung hält Asam für die „einzig richtige Möglichkeit“. Weder am Gögerl noch an der Ammer dürfen laut Neulinger Natur und Landschaft zerstört werden. „Keine oberirdische Umfahrung“, positionierte er sich.

Wohnen und Lebensqualität

Auch das Generieren von Wohnraum wurde thematisiert. Im Innenbereich verdichten, keine neuen Gebiete im Außenbereich, in die Höhe bauen, städtebauliche Verträge schließen lautete Asams Konzept. Flock – „Weilheim boomt“ – sieht die Stadt mit SoBoN (Sozialgerechte Bodennutzung) und städtebaulichen Verträgen auf gutem Weg. Gebauer-Merx setzt auf die Bautätigkeit von Genossenschaften und zog das Einführen der Grundsteuer C in Erwägung. Für das Einrichten eines Wohnungspaktes plädierte Martin mit Hinweis auf Sondermodelle wie „Wohnen gegen Hilfe“. Mehr städtischer Wohnungsbau und genossenschaftliches Bauen könnten laut Loth bezahlbaren Wohnraum schaffen. Neulinger ist wichtig, nicht auch noch „die letzte Grünfläche in der Stadt“ zuzubauen.

„Ein Füllhorn an persönlichen Wünschen für Weilheim“ konnten die Kandidaten auf Zuruf des Moderators noch ausschütten. Neulinger möchte mehr Bolzplätze, den Stadtbus enger takten und die Linienführungen verbessern. Bedarf für „drei bis vier Kindergärten“, einen Aufenthaltsraum im Come In und ein Jugendrestaurant erkannte Asam. „Sofort Kindergärten und eine Dreifachsporthalle bauen, das Stadtmuseum sanieren, die Stadthalle barrierefrei machen“, lauteten Flocks Favoriten. Ein neues Hallenbad, eine Jugendstil-Markthalle und die Wiederbelebung des Weilheimer Theatersommers standen auf Gebauers Wunschliste. „Versteckte Armut aus der Tabuzone holen“ und Räume schaffen für konsumfreie Treffs war Martin wichtig. Der Museumsausbau, der Erhalt des Dietlhofer Sees als Naturbad und die „Aufenthaltsqualität an der Ammer“ lagen u.a. Loth am Herzen.

Von Maria Hofstetter

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