Politikern fehlt es an Glaubwürdigkeit – Wohin geht die Reise in Deutschland? – Dr. Ippen zu Gast bei der Mittelstands-Union

Dr. Dirk Ippen ging mit der Regierung hart ins Gericht, warnte aber vor überzogener Kritik. „Politik ist nur die Kunst des Möglichen. Foto: Hofstetter

Finanzmarktkrisen, die Probleme mit der Globalisierung und rasante Veränderungen in der Arbeits- welt verbreiten Unsicherheit. „Deutschland braucht den Ausstieg aus der Angst“, fordert Hans Medele. Wohin die Reise im Lande geht, wollten der Vorsitzende der Mittelstands-Union (MU) Weilheim und eine Runde Mittelständler am vergangenen Donnerstag von Dr. Dirk Ippen wissen.

Medele hatte den Zeitungsverleger, zu dessen Verlagsgruppe auch der KREISBOTE gehört, nach Weilheim eingeladen und ihn als „verantwortungsbewussten Vordenker und Meinungsbildner“ vorgestellt. Die zur Zeit herrschende Ratlosigkeit brachte auch Weilheims CSU-Vorsitzender Karl-Josef Fischer zum Ausdruck mit seiner Feststellung, dass in der Politik „jahrzehntelange Gewissheiten über Bord geworfen werden“. Ippen griff die Sorgen der MU auf, die um die Sicherheit ihres Wirtschaftsstandortes fürchtet und stellte die Glaubwürdigkeit der politischen Entscheidungsträger in Frage: „Wofür steht die Union eigentlich noch?“ Eine Partei, die zu sehr auf Populismus setze – wie beim Atomausstieg – sei für den Bürger nicht mehr berechenbar. Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse Vorhaben, von denen sie überzeugt sei, durchsetzen, auch gegen Kritik im eigenen Lager. „Große Richtungsentscheidungen sind in diesem Lande oft gegen die Mehrheit der Bevölkerung getroffen worden“, stellte der promovierte Jurist und Buchautor fest. Im Streit um den Euro sei zu viel Zeit vertan worden. Dies habe zu einer Vertrauenskrise großen Ausmaßes geführt, die nicht mehr kontrollierbar sei. Um Spanien und Frankreich vor Abwertungen durch die Ratingagenturen zu schützen, müsste der Euro-Rettungsfonds weiter aufgestockt werden. Eine „endgültige Lösung“ sieht Ippen nur darin, Griechenland und Portugal aus der Währungsunion auszuschließen. Die Proteste der Bürger, so Ippens Meinung, gehen oft in die falsche Richtung, da „das freie Bankwesen an sich mit der Finanzkrise nichts zu tun hat“. Der Grund liege vielmehr im fehlenden wirtschaftlichen Verständnis. Ippen weiter: „Die Länder leben über ihre Verhältnisse, und die Parlamente sind nicht mehr in der Lage zu sparen.“ Die Angst und der heftige Widerstand der Bürger vor dem, was in ihrer Nachbarschaft geschieht, führe zu einem großen Stillstand, warnte Ippen. Als Beispiele nannte er das geplante Geothermie-Projekt in Weilheim, den zu Fall gebrachten Transrapid für München oder den Bahnhof Stuttgart 21. „Wie wollen wir dieses Land voranbringen, wenn jeder Betroffene sofort sagt: Aber bitte nicht da, wo ich bin?“ hinterfragte er die häufig zitierte „German Angst“. In der Diskussion wurde der Verleger mit der Aussage konfrontiert, die deutsche Presse sei durch ihre Berichterstattung mitverantwortlich an dem schnellen Atomausstieg. „Da ist was dran“, sagte Ippen und bedauerte: „Wir sind hoch begabt, neigen aber zu romantischen Ausstiegsszenarien.“

Meistgelesen

Fällaktion in Murnau
Fällaktion in Murnau
Kleiner Käfer, großer Schaden
Kleiner Käfer, großer Schaden
Alles auf einen Blick
Alles auf einen Blick
Existenz von Imkerei bedroht
Existenz von Imkerei bedroht

Kommentare