Vorsicht Trickbetrug!

Polizei Oberbayern Süd und Sparkasse Oberland klären über Telefonbetrüger auf

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Walter Ehrlicher und Simon Bräutigam (von links) setzen sich als Polizeibeamte für mehr Prävention in Sachen Trickbetrug ein. Unterstützung bekommen sie von der Sparkasse Oberland. Hier mit dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Orbig.

Region – Die Polizei ist für einen da, wenn man sich in einer Notlage befindet. Man vertraut den Beamten. Doch gibt es immer wieder Betrüger, die dieses Vertrauen schamlos ausnutzen. Mit dem Telefontrick „Falscher Polizist“ ergaunern sie sich oft horrende Summen. Im Landkreis Weilheim-Schongau häufen sich derzeit diese Vorfälle. Deshalb gibt es jetzt eine große Aufklärungskampagne der Polizei.

„Rate mal, wer dran ist?“ Das ist ein gern genommener Einstieg der Enkeltrick-Betrüger. Wie Simon Bräutigam von der Kriminalinspektion Weilheim erklärt, kommen die Anrufe meist aus Polen. „Man kann in der Regel einen klar erkennbaren Akzent hören.“ Den Opfern wird vorgegaukelt, ihr Enkel brauche Geld – etwa für einen Immobilienkauf. Abgeholt wird das Geld natürlich von einem „Bekannten“. Diese Betrugsmasche ist schon recht alt und weit bekannt. Dennoch konnten die Täter auf diese Weise 2017 allein in Bayern 630 000 Euro ergaunern.

Seit einiger Zeit melden sich aber verstärkt „falsche Polizisten“ am Telefon. Diese „Beamten“ sitzen oft in Call-Centern in der Türkei, wie Bräutigam weiß. „Die sind hervorragend geschult und sprechen akzentfreies Deutsch.“ Sie würden ohne jede Rücksicht oder Gewissen vorgehen.

Damit haben sie Erfolg. Wie Walter Ehrlicher von der Kriminalpolizeistation Garmisch-Partenkirchen berichtet, seien die Täter so in Bayern 2017 an rund 11,9 Millionen Euro gelangt. „Die Zahlen gehen durch die Decke.“ Wobei Ehrlicher von einer noch höheren Schadenssumme ausgeht. „Die Dunkelziffer ist viel höher. Viele trauen sich gar nicht zur Polizei zu gehen.“ Aus Scham. Und Angst. Die Opfer sind oftmals ältere Menschen. Deren Telefonnummern stehen in der Regel noch im Telefonbuch. Für die Täter ist es anhand der Namen und kurzstelligen Nummern ein Leichtes, ältere Mitbürger zu erkennen. Die verlieren durch die Betrüger oft ihre gesamten Ersparnisse. Auch ein etwaiges Erbe ist damit weg. „Die haben dann oft Angst, dass sie von ihren Familienangehörigen entmündigt werden, weil sie so ‚leichtsinnig‘ das Geld verloren haben“, erzählt Ehrlicher.

Sein Weilheimer Kollege Bräutigam sagt dazu aber ganz klar: „Das kann uns allen passieren.“ Die typische Reaktion „Wie kann man so blöd sein?“ bringt Bräutigam offensichtlich auf. „Die Täter üben enormen Druck aus. Wenn sie jemanden auf dem falschen Fuß erwischen, lassen sie nicht mehr aus.“ So würden die Betrüger oft Stunden oder sogar Tage lang auf die Opfer am Telefon einreden. Zumal die Anrufe ja in einer scheinbar sicheren Umgebung stattfinden. Zu Hause. „Da fährt man seine Abwehr runter.“

Die „falschen Polizisten“ rufen oftmals mit einer gespooften Telefonnummer an. Das bedeutet, dass im Display des Opfers die 110 erscheint. Doch Ehrlicher warnt: „Niemals ruft die Polizei mit der 110 an. Das ist technisch gar nicht möglich. Wenn sich die Polizei meldet, dann von einer örtlichen Nummer aus.“

Die Geschichten, die den Menschen am Telefon erzählt werden, wechseln ständig. Ein Klassiker ist, dass bei der Bank Falschgeld im Umlauf sei. Man müsse das Geld sofort holen und der Polizei übergeben. Wobei den Opfern immer wieder vermittelt wird, dass man ja nicht mit den Bankangestellten darüber sprechen dürfe. Die sind „die Bösen“ und sollen schließlich überführt werden. Die „Abholer“ warten auf ihre Opfer in der Regel bereits vor der Bankfiliale oder spätestens zu Hause vor der Tür und nehmen alles an sich.

Ihr Geld und ihre Wertgegenstände sind die Opfer in der Regel für immer los. Die „Abholer“ könnten zwar durchaus hin und wieder geschnappt werden, sagt Ehrlicher. „Aber die großen Fische sitzen halt im Ausland.“ Dennoch müssen die „Abholer“ mit enorm hohen Geldstrafen rechnen, wie der Beamte erklärt. Diese Art von Betrug werde hart bestraft; könne dadurch aber nicht verhindert werden.

Polizei klärt auf

Umso wichtiger ist den Polizisten die Prävention. Da die Bankangestellten oft die letzte Hürde seien, um an das Geld zu kommen, wollen die Beamten dort ansetzen. Dafür arbeiten sie mit der Sparkasse Oberland zusammen. Die Mitarbeiter werden speziell geschult, um einen möglichen Betrug zu erkennen, wenn eine ältere Person einen hohen Betrag abhebt.

Zudem wollen sich die Beamten direkt an die Bürger wenden. In den nächsten Tagen werden in diversen Sparkasse Oberland-Filialen Info-Points aufgestellt. Die Polizei wird dann direkt vor Ort über die Gefahren und das Vorgehen der Trickbetrüger aufklären. Die Termine:

Dienstag, 11. Februar: Schongau, 10 bis 12 Uhr und Peiting 14 bis 16 Uhr.

Mittwoch, 12. Februar: Murnau, 10 bis 12 Uhr und Penzberg, 14 bis 16 Uhr.

Donnerstag, 13. Februar: Weilheim, 10 bis 12 Uhr und Peißenberg, 14 bis 16 Uhr.

Eine Anmeldung ist nicht nötig. Jeder, auch Nicht-Kunden, kann sich dort informieren.

Von Stephanie Novy

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