Anita-Naef-Bibliothek im "Museum für Kunst und Kultur" eröffnet

Neue Heimat für 30 Bücherkisten

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Frank Lindner, Vorsitzender Heimat- und Museumsverein Polling; Dr. Dirk Heißerer, Thomas-Mann-Forum München und Ausstellungskurator Eckhard Zimmermann (v.li.) freuen sich, dass die Anita-Naef-Bibliothek im Pollinger Museum für Kunst und Kultur zu Hause ist.

Polling – Thomas Mann (1875 – 1955) war ganz vernarrt in die Gemeinde Polling. Zwischen 1903 und 1921 besuchte er ein dutzend Mal seine Mutter Julia, die hier auf dem Schweighart-Hof wohnte. 20 Jahre später verewigte der Literaturnobelpreisträger (1929) das Dorf als „Pfeiffering“ in seinem Roman „Dr. Faustus“.

Das örtliche „Museum für Kunst und Kultur“ ist zum Treffpunkt für Literaturfreunde geworden, die sich für das Thema „Thomas Mann & Polling“ interessieren.

Der Germanist Eckhard Zimmermann gestaltete schon vor einiger Zeit im Namen des Heimat- und Museumsvereins Polling eine gut sortierte Ausstellung mit Büchern, Fotos und Dokumenten. Jetzt ist die Sammlung im Dachgeschoss des Pollinger Rathauses um einen kleinen Schatz ergänzt worden. Dr. Dirk Heißerer, der Vorsitzende des Thomas-Mann-Forums München, brachte 30 Kisten mit hunderten von Büchern aus dem Nachlass Anita Naefs nach Polling.

Anita Naef (1925 – 2000) war die letzte Sekretärin von Thomas Mann, und eine gute Freundin der Familie. Ergänzt durch ihren Schreibtisch und einen Fußschemel ist nun in einem Kabinett des Museums die „Anita Naef-Bibliothek“ zugänglich.

Eckhard Zimmermann, der den vergangenen Winter damit verbrachte, das Material für die Öffentlichkeit aufzuarbeiten, berichtet: „Das Konvolut enthält längst vergriffene Ausgaben von Werken Thomas Manns, Zeitungsausschnitte und diverse Biografien. Bücher von Zeitgenossen – und beispielsweise eine vom Nobelpreiskomitee in Stockholm herausgegebene Reihe sämtlicher deutscher Literaturnobelpreisträger.“ Neben Audio- und Videoaufnahmen ist zudem unter der Rubrik „Fundstücke“ ein Originalmanuskript Thomas Manns zu finden, das einige Blutspritzer des weltbekannten Schriftstellers aufweist, was Zimmermann so erklärt: „Thomas Mann war zeitlebens von Nasenbluten geplagt; beim Verfassen eines Vortrages sind ihm ein paar Tropfen auf das Papier geraten.“

Die Möglichkeit zur „Anita Naef-Bibliothek“ hat sich ergeben, weil Heißerer mit seinem Forum die einzige Thomas-Mann-Gedenkstätte in Bayern, das „Villino“ in Feldafing, im vergangenen Jahr überraschend räumen musste. Der Großteil des Fundus wird zukünftig in der Stadtbibliothek von Bad Tölz untergebracht – das ist hauptsächlich die persönliche Büchersammlung Thomas Manns mit rund 2500 Bänden. Das Material, das bislang Anita Naef gehörte und ebenfalls im „Villino“, dem früheren Mann‘schen Sommerhaus, gelagert war, findet im Pollinger Museum ein neues Zuhause. „Für uns ist in Feldafing eine Türe zugefallen, aber es haben sich in Tölz und Polling zwei neue Portale geöffnet“, so Heißerer.

Die Anita-Naef-Bibliothek ist im Pollinger „Museum für Kunst und Kultur“, Kirchplatz 11, zugänglich. Bücher können ausgeliehen werden, sonntags von 14 bis 16.30 Uhr.

Von Günter Bitala

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