Großes Herz für kleine Tiere

Pollinger vermittelt abgegebene Kaninchen

Dominik Greinwald mit seinen Kanninchen
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Kaninchen Hugo ist Dominik Greinwalds Lieblingstier und darf bei ihm bleiben. Zahlreiche andere Kaninchen vermittelt er laufend.
  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
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Polling – In vielen Tierheimen dreht sich alles um Hunde und Katzen. Kleineren Tieren wird oft weniger Beachtung geschenkt. Anders in Polling. Im Kaninchenstadl stehen die Langohren im Mittelpunkt.

Wenn Dominik Greinwald vor dem kleinen Holzschuppen in seinem Garten steht, erkennt man, dass er stolz auf das ist, was er in den letzten Monaten hier geschaffen hat. Seit letztem Jahr befindet sich in dem Häuschen der Quarantänebereich seiner Auffangstation. Am Eingang präsentiert der 37-Jährige stolz ein gerahmtes DIN-A4-Blatt. „Das ist die Genehmigung des Landratsamtes“, erklärt er knapp. Und es ist ihm anzumerken, wie wichtig dieser Zettel für ihn ist. Denn er ist der Schlüssel dafür, dass Greinwald sein privates Tierheim überhaupt betreiben darf.

Wer die zufriedenen Kaninchen in den verschiedenen Gehegen im Garten hoppeln sieht, ahnt kaum, wie ungewöhnlich Greinwalds Liebe zu den Tieren begonnen hat. „Ich habe meiner Oma beim Schlachten geholfen“, sagt der Vater einer Tochter trocken. Später folgten neun Jahre als Züchter von Angorakaninchen. „Das war aber nicht das Wahre“, gibt er zu. Denn die übliche Haltungsform bei vielen Züchtern ist bis heute die in winzigen Ställen ohne Auslauf. „Artgerecht ist das nicht.“

Denn Kaninchen haben einen enormen Bewegungsdrang. Sogar im Tierschutzgesetz ist inzwischen verankert, dass genug Platz sein muss, damit die Tiere ihr natürliches Verhalten ausleben können. Das beginnt bereits dabei, ein Kaninchen niemals einzeln zu halten. Denn das ist Tierquälerei. Wer also zwei Tieren ein Zuhause geben möchte, sollte mindestens sechs Quadratmeter Grundfläche einplanen. Bei Außenhaltung kommt eine große Schutzhütte, bei Innenhaltung ein entsprechender Freilauf hinzu.

Kleine Tiere, großer Aufwand

Damit Interessenten im Tierheim überhaupt adoptieren dürfen, vergewissert sich Greinwald, dass die Haltungsbedingungen stimmen. Er berät seine Kunden und hilft sogar beim Gehegebau, wenn das erwünscht ist. Auch zur Pflege und Ernährung berät er. „Viele haben keine Vorstellung, wie teuer die Haltung von Kaninchen ist“, gibt der Tierschützer zu bedenken. Mit Futter, Impfungen, Gesundheitschecks, Einstreu und Tierarztkosten können schnell vierstellige Beträge zusammenkommen. Das merkt Greinwald auch am eigenen Leib. Über 20 000 Euro aus eigenem Vermögen hat er bereits in sein Tierheim gesteckt. Die laufenden Kosten bleiben. Wenn die derzeit 30 potenziellen Plätze belegt sind, gibt es zusätzlich zum Heu mindestens 30 Kilo Frischfutter für die Kaninchen. Das geht ins Geld. Zwar gibt es zwischen 40 und 75 Euro pro Kaninchen bei einer Adoption, das deckt die investierten Kosten aber kaum.

„Derzeit ist es eigentlich mehr Stress als Freude“, gesteht Greinwald. Vor allem, da sein Fahrzeug, das er auch für die Abholung von Tieren, Tierarztbesuche und zum Gehegebau dringend benötigt, kürzlich bei einem Unfall einen Totalschaden erlitt. Momentan leiht er sich ein Auto und spart, damit er bald wieder mobil ist. Durch Spenden könnte dieses Ziel schneller erreicht werden. „Ich möchte zwar eigentlich immer alles alleine schaffen, aber gerade ist es echt eng.“

Dass seine Hilfe wichtig ist, zeigt sein nie still stehendes Telefon. Allgemeine Beratung, Vermittlung, Terminabsprachen für Urlaubsbetreuungen, verzweifelte Anrufer bei schwierigen Vergesellschaftungen neuer Tiere, Gesundheitschecks: Meistens endet ein Bürotag erst in der Nacht. Vor allem, weil auch noch die Social-Media-Kanäle gefüllt werden wollen. Auf Tik Tok hat der Kaninchenstadl mittlerweile über 5 300 Follower und 500 000 Klicks. Ein Garant für die Bekanntheit der Einrichtung und somit eine Absicherung, dass die Tiere nie lange auf einen neuen Besitzer warten müssen. Auch die umliegenden Tierheime kooperieren mit Greinwald. Sogar die Zuständigen in München und Augsburg verweisen Interessenten nach Polling.

Eigentlich ein Vollzeitjob, den der Betreiber neben seinem Broterwerb noch stemmt und sogar noch erweitern möchte, damit er noch mehr Tieren helfen kann; auch, wenn er manchmal belächelt wird. „Die Leute schmunzeln schon oft, aber ich mache es einfach, weil ich möchte, dass Menschen und Kaninchen glücklich zusammenleben.“

Mehr Infos auf der Webseite und bei Tik Tok unter kaninchenstadl_polling.

Spendenmöglichkeit: Dominik Greinwald, DE06 7035 1030 0032 5874 79 (Spendenquittung nach Kontaktaufnahme möglich).

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