Vorstellung der aktuellen Bodenrichtwerte zeigt besorgniserregenden Trend nach oben – Schongau zieht kräftig an

Preisspirale für Bauland dreht sich weiter

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Die Baulandpreise in den einzelnen Landkreisgemeinden differieren stark. Der auf den Quadratmeter Grundstücksfläche bezogene Wert ist ein wichtiger Parameter zur Wertermittlung und für die Besteuerung von Immobilien.

Weilheim/Landkreis – Bereits bei der letzten Präsentation der Bodenrichtwerte durch den Gutachterausschuss des Landratsamtes vor zwei Jahren zeigte sich, dass Bauland im Landkreis immer begehrter und damit teurer wird. Die neue Erhebung für die Jahre 2017 und 2018 ergab nochmals einen kräftigen Preisanstieg für dieses äußerst knapp gewordene Gut.

„Die Baulandpreise steigen in schwindelerregende Höhen und haben in den letzten vier Jahren gewaltigst angezogen – egal ob für Wohnbau, Gewerbe oder Grünland“, äußerte sich Landrätin Andrea Jochner-Weiß im Pressegespräch besorgt über die aktuelle Situation. Der zunehmende Wohnungsdruck („immer mehr Menschen wollen in unseren Landkreis“), die historische Niedrigzinsphase („es wird mehr gebaut“) und expandierende Firmen („viele Neugründungen“) sind laut Jochner-Weiß mit ausschlaggebend dafür. Im Zeitraum von vier Jahren haben sich die Grundstückspreise in manchen Regionen im Landkreis fast verdoppelt.

Der Erwerb von Bauland kommt im Altlandkreis Weilheim wesentlich teurer als im Schongauer Land. Sind die Bahn- und Straßenanbindungen gut, so wirkt sich das gravierend auf die Grundstückspreise aus, wie sich am Beispiel von Weilheim und Penzberg zeigt. In den nahe am Starnberger See gelegenen Orten Iffeldorf, Seeshaupt und Bernried werden von Bauwilligen durchaus über 600 Euro für den Quadratmeter Grund bezahlt. Die Käufer aus dem Münchner Raum dringen wegen der dort explodierenden Preise immer stärker in ländliche Bereiche vor. Für aufgelassene Hofstellen in guter Lage gehen über das Bundesgebiet hinausreichende Angebote ein – bei Preisen im siebenstelligen Bereich, wie Oliver Schumann, Vorsitzender des Gutachterausschusses, feststellte.

Im Altlandkreis Schongau haben die Preise seit 2016 ähnlich stark angezogen wie im Altlandkreis Weilheim. In der Stadt Schongau und im Markt Peiting wurden wohl Erhöhungen aufgeholt. „Schongau hat kräftig nachgelegt“, bestätigte Schumann. So mancher, dem Weilheim oder Penzberg zu teuer geworden ist, hat seine Fühler in Richtung Westen des Landkreises ausgestreckt.

In der Stadt Weilheim und ihrem Umland gab es nur wenige Kauffälle zu verzeichnen. In Einzelfällen konnten Grundstücke je nach Lage noch für circa 500 Euro pro Quadratmeter erworben werden. In dem Pressegespräch wurde aber auch auf „Ausreißer“ mit bis zu 1300 Euro pro Quadratmeter Bauland verwiesen.

Bei bebauten Flächen in der Stadt Weilheim sieht Schumann „langsam die Grenze erreicht“. Kaufwillige Interessenten seien aber nicht mehr bereit, jeden geforderten Preis zu bezahlen. Zwangsversteigerungen kommen selten vor: „Die Wirtschaft brummt und Arbeit ist da“, begründete dies Schumann. Mit dem Auslaufen bestehender Zinsbindungen und dem Ansteigen der Kreditzinsen könnte sich das Blatt jedoch schnell wenden.

Ist das Bauland teuer, wird mehr in die Höhe gebaut. „Die Baugebiete werden sich verändern“, gab sich die Landrätin überzeugt. „Wir müssen am Geschossbau weiterarbeiten und in den Gemeinden für eine zeitgemäße Mischung aus Mehrspännern, Ein- und Zweifamilienhäusern sorgen.“

Der Gutachterausschuss des Landkreises, ein beratendes und entscheidendes Gremium aus Sachverständigen, ermittelt die Bodenrichtwerte für Bauland in den Landkreisgemeinden alle zwei Jahre. Wie Schumann, Leiter der Geschäftsstelle im Weiheimer Landratsamt, Pütrichstraße 8, und Vorsitzender des Ausschusses, auf Nachfrage erklärte, wird jeder einzelne Kauffall angesehen, ausgewertet und teilweise vor Ort besichtigt, um zum Beispiel den Erschließungszustand festzustellen. Erst dann werden daraus Ableitungen vorgenommen und Bodenrichtwerte gebildet. Der Bodenrichtwert selbst gibt dann einen sogenannten „mittleren Lagewert“ in der jeweiligen Bodenrichtwertzone wieder. Das bedeutet, es gibt durchaus Kauffälle, die unter oder über diesem Lagewert liegen. Doch um einen reinen Mittelwert handelt es sich dabei nicht. In der aktuellen Datenbank sind die Verkaufsfälle bis 31. Dezember 2018 berücksichtigt. Einheimischenmodelle wurden nicht erfasst, da sie keine vergleichbaren Daten liefern.

In den Geschäftsstellen Weilheim und Schongau ist die Bodenrichtwertliste während der Öffnungszeiten des Amtes kostenlos einsehbar. Gegen Gebühr sind die Bodenrichtwerte über das Portal www.boris-bayern.de abrufbar.

Von Maria Hofstetter

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