In ganz besonderem Rahmen

Preisverleihung bei Weihnachtssitzung des Weilheimer Stadtrats

Preisträger der Stadt Weilheim
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Die Preisträger der Kultur-, Umwelt- und Sozialpreise und ihre Begleitungen zusammen mit Angelika Flock, zweite Bürgermeisterin (erste v. li.); Markus Loth, erster Bürgermeister (vierter v. li.) und drittem Bürgermeister Alfred Honisch (erster v. re.).

Weilheim – Für gewöhnlich findet die Weihnachtssitzung des Weilheimer Stadtrates mit musikalischer Untermalung und persönlicher Urkundenübergabe im Saal des Rathauses statt.

Coronabedingt musste heuer jedoch auf die örtliche Stadthalle ausgewichen werden um den nötigen Abstand einhalten zu können. Und auch die Urkunden konnten nicht mit einem herzlichen Händeschütteln übergeben werden, sondern wurden von den Geehrten einzeln am Tisch abgeholt. Zudem musste die Vergabe der Weilheimer Ehrenzeichen, durch die Vielzahl der Auszuzeichnenden (20 Personen), auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Sie soll nachgeholt werden, sobald es die Corona-Pandemie wieder zulässt.

Nichtsdestotrotz bot die Sitzung einen würdigen Rahmen, um zumindest die Ehrenpreise auszuhändigen. Wie üblich gab es auch heuer den Umwelt-, Sozial- und Kulturpreis für besondere Verdienste in den unterschiedlichen Kategorien. Die Preise sind mit jeweils 1 000 Euro dotiert.

„Mit der Verleihung der Ehrenpreise möchte Ihnen der ganze Stadtrat und ich persönlich unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Ihre Leistungen verdienen unser aller Respekt! Deshalb stellen wir Sie in dieser Sitzung in den Mittelpunkt und danken Ihnen aufrichtig für Ihren Einsatz“, fand Bürgermeister Markus Loth (BfW) in seiner Eröffnungsrede anerkennende Worte.

Gelebte Tradition

Mit dem Umweltpreis 2020 wurde Elisabeth Doll „für ihre langjährige Arbeit als Kräuterpädagogin und Gartenbäuerin sowie ihr Engagement in verschiedenen Vereinen und Institutionen der regionalen Gartenkultur“ bedacht, wie Flock in ihrer Rede ausführte. Jeder, der den Wieshof in Marnbach schon einmal besucht habe, würde dort die Naturverbundenheit und die Begeisterung seiner Besitzerin für die sich über die Jahrtausende entwickelte Gartenkultur spüren. Die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin Doll bewirtschaftet den Biobauernhof zusammen mit ihrem Mann Michael, der sie auch zur Preisverleihung begleitete. Die Kräuterpädagogin hat auf ihrem Hof neben einem Heilpflanzen-Lehrgarten auch zwei historische Gärten angelegt, in denen sie Interessierte auf eine Zeitreise ins Mittelalter mitnimmt. Hier habe sie zum einen einen Garten nach dem Vorbild Kaisers Karl dem Großen, zum anderen einen sogenannten Hortulus – zu deutsch: ein kleines Gärtlein – nach den Vorgaben des Benediktinermönchs Walahfrid Strabo angelegt.

Doll bietet zudem in ihrer Naturküche Kochkurse an und produziert aus dem Geernteten unter anderem Essige, Liköre und Kräutersalz. Die Räumlichkeiten stellt sie auch für Kurse anderer Veranstalter zur Verfügung. „So verleben zum Beispiel auch seit Jahren Kinder im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt Weilheim dort spannende Stunden und entdecken die Lust an Selbstgemachtem“, gab Flock an. Als langjährige Vorsitzende des Vereins für Gartenkultur Marnbach-Deutenhausen engagiert sich Doll außerdem in vielfältiger Weise. Des Weiteren ist sie erste Vorsitzende der Vereinigung „Gartenbäuerinnen und Kräuterpädagogen Oberland“ und seit dessen Gründung im Netzwerk „Gartenwinkel-Pfaffenwinkel“ äußerst aktiv.

Auf dem Wieshof finden auch regelmäßig Saatgut- und Pflanzentauschmärkte statt. „Damit wird die alte Tradition, sortenreine Samen aus den eigenen Gärten von Generation zu Generation weiterzugeben, wiederbelebt und die biologische Vielfalt erhalten“, erklärte die zweite Bürgermeisterin.

Auch wenn dieses Jahr coronabedingt nicht so viel möglich gewesen sei, so startete das Netzwerk im Oktober mit der „grünen Meile“ in Böbing „eine ganz wunderbare Aktion“, bei der große und kleine Gartler aus über hundert Pflanzenarten das Passende auswählen und gegen eine Spende mit nach Hause nehmen konnten.

Klein angefangen

Der diesjährige Sozialpreis ging an die Fairtrade-Projektgruppe der Privaten Oberlandschulen Weilheim e.V. „für deren Engagement, hier vor Ort fairen Handel zu unterstützen und ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schaffen“, fand Honisch lobende Worte.

Los ging das Projekt damit, dass der Weilheimer Stadtrat im Oktober 2016 beschloss, an der „Fairtrade Towns-Kampagne“ um den Titel „Fairtrade-Town“ teilzunehmen und deshalb eine Weilheimer Schule als Fairtrade-Partner suchte. Die Schulfamilie der Privaten Oberlandschulen sei von der Idee begeistert gewesen. Sie registrierte ihre Schule im November 2017 für die Kampagne „Fairtrade-School“ und gründete eine Fairtrade-Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung der Lehrerin Dr. Sabine Schneider. Schon Anfang Dezember startete die Arbeitsgemeinschaft mit dem Verkauf von „fairen“ Nikoläusen.

Damit waren die nötigen Partner vorhanden, und die Stadt wurde im Januar 2018 als „Fairtrade Town“ ausgezeichnet. „An den Oberlandschulen ging es mit Elan weiter. Die AG traf sich von nun an wöchentlich und nahm die Voraussetzungen ins Visier, die für die Auszeichnung als Fairtrade-Schule erforderlich waren“, berichtet Honisch.

Weiter ging es mit fairer Flower-Power zum Valentinstag, Projekttagen, Seminaren und Workshops. So konnte die Schulfamilie bereits im Juli 2018 ihre Auszeichnung als „Fairtrade-School“ entgegennehmen. Diese erfolgreichen Aktionen wurden in den darauffolgenden Jahren beibehalten, zudem richtete die Fairtrade-AG einen eigenen Kiosk ein.

Die Projektgruppe ist aber nicht nur innerhalb der Oberlandschulen aktiv. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Partnern der „Fairtrade-Town“ Weilheim liegt ihr am Herzen, war sich Honisch sicher. „Und so beteiligt sie sich mit ihnen zusammen etwa an Aktionen der Agenda 2030 oder der Stadt Weilheim – beispielsweise an der fairen Weihnachtshütte im Advent 2018.“ Daher sei es eine logische Konsequenz gewesen, dass am 12. Juli dieses Jahres die Titelerneuerung zur Fairtrade-School für weitere zwei Jahre gefeiert werden konnte.

„Die SchülerInnen tragen mit jeder ihrer Aktionen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Familien in Afrika, Asien und Lateinamerika bei und schaffen durch ihre persönliche Überzeugung in ihrem schulischen, aber auch privaten Umfeld ein Bewusstsein dafür. Sie sind dadurch Multiplikatoren der gesellschaftlich zunehmenden Forderung nach national und weltweit fairen Handels“, lobte Weilheims dritter Bürgermeister.

Ein besonderer Dank gehe an Dr. Schneider: „Sie vertreten nicht nur heute die Fairtrade-Gruppe, sondern haben diese von Anfang an vorgedacht, entwickelt und geleitet.“ Über die Auszeichnung freute sich auch Schulleiterin Inge Krabler, welche die Ehrung zusammen mit den Lehrerinnen Dr. Schneider und Anette Kochanowski entgegen nahm.

Ganz spezielle Kunst

Über den Kulturpreis 2020 durfte sich der Weilheimer Maler und Grafiker Josef (Jos) Huber freuen. „Jos Huber ist eine herausragende Künstlerpersönlichkeit, die von Anfang an für den Ruhm seiner – und das empfindet er wirklich so – Wahlheimat Weilheim als lebendige Künstlerstadt viel geleistet hat“, zeigte erster Bürgermeister Markus Loth gleich zu Beginn seine Anerkennung für den Preisträger. Als Huber vor über einem Vierteljahrhundert zusammen mit seiner Frau Helga, die auch bei der Preisverleihung vor Ort war, „zu uns nach Weilheim zog“, war der gelernte Lithograf bereits in seiner Heimatstadt München seit Jahrzehnten als Künstler aktiv, „und das mit großem Erfolg.“

Seine maltechnischen Kenntnisse habe er sich autodidaktisch vor allem durch ausführliche Studien in europäischen Museen erworben. Seine Ausstellungen führten ihn schon bis nach Kuala Lumpur. Mittlerweile hat er auch Lehrbücher verfasst, in denen er seine Maltechnik im Stil der „Alten Meister“ erklärt, so Loth weiter. Mit seiner „ganz speziellen Kunst“ spreche er Jung und Alt gleichermaßen an und trage dazu bei, dass der Kunststandort Weilheim nicht nur in den vergangenen Jahrhunderten, sondern auch in der Gegenwart vielfach beachtet wird.

Als „Zuagroaster“ wollte Huber der Stadt – in der er sich sofort wohl gefühlt habe – „etwas geben, das es bisher nicht gegeben hatte.“ So war er im Jahr 2000 Mitgründer des Kunstforums Weilheim. Laut Loth bewundert der Künstler die alten Meister, kopiert sie aber nicht, sondern lässt deren Figuren in einem anderen Kontext wiederkehren. „Er ist ein bedeutender Künstler, der sich keinem Zeitgeist und keiner aktuellen Strömung verpflichtet fühlt. Er vereint Gesellschaftskritik, Schönheit und manchmal augenzwinkernde Ironie zu wunderbaren aktuellen Kunstwerken.“

Die Verbundenheit mit Weilheim zeigte sich nicht zuletzt „in unserem Jubiläumsjahr 2010.“ Der damals 75-jährige Künstler schuf dazu als Geschenk für die Stadt sein Werk „Karton mit Durchblick 6“, das einen alten Karton mit Motiven und Anspielungen auf Weilheims Geschichte darstellt. Zudem zeichnete Huber zwölf Bilder aus der Geschichte der beiden Orte für den Weilheim-Pollinger Jubiläumskalender.

Für sein „herausragendes künstlerisches Schaffen“ und „seinen Einsatz für das Wachhalten der Erinnerung an die großen Weilheimer Künstler der Vergangenheit“ wurde Huber zudem 2015 mit dem Georg-Petel-Preis ausgezeichnet. Wie sehr ihm das Stadtmuseum am Herzen liegt, zeigte Huber mit seiner Spende des seinerzeitigen Preisgeldes in Höhe von 1 000 Euro an den Förderverein zur Sanierung des Museums. „Sie unterstützten den Verein zudem auch mit Zeichnungen, die dieser bei Aktionen in bare Münze umwandeln konnte.“

Den Kulturpreis der Stadt zu erhalten, so Huber, sei für ihn eine große Ehre und eine riesige Freude. Als Antwort auf diese Freude schenkte er der Stadt eines seiner Gemälde mit dem Titel „Die Weilheimer Verkündigung“. Des Weiteren gab er an, dass es sein „innigster Wunsch“ sei, dass er die Erneuerung des Weilheimer Stadtmuseums noch erleben dürfe – damit „dieses Kleinod in neuem Glanz erstrahlt.“

Von Sofia Wiethaler

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