Prozess um den Güllegruben-Mord: Freispruch, weil schuldunfähig

Der „Güllegruben-Mörder“ von Penzing ist psychisch krank. Die achte Strafkammer des Landgerichts Augsburg hat den 35-Jährigen am Freitag für schuldunfähig erklärt und ihn vom Vorwurf des heimtückischen Mordes an seinen Eltern freigesprochen. Er wird keine Haftstrafe antreten, sondern in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Wolfgang Rothermel folgte damit dem Vorschlag von Landgerichtsarzt Dr. Richard Gruber, der am dritten und letzten Verhandlungstag, ein ärztliches Gutachten zur psychischen Verfassung des Angeklagten vorgestellt hatte. Gruber warnte zugleich, dass auch andere Verwandte, besonders die Schwester, durch den 35-Jährigen gefährdet seien. Es ist eine schizophrene Psychose mit tiefgreifender Bewusstseinsstörung, unter der der Landwirt leidet. Er hatte seine Eltern im Januar dieses Jahres brutal mit einer Axt erschlagen und dann in die Gülle- grube auf dem eigenen Hof geworfen. Seit dem 23. Dezember 2007 höre er Stimmen, die ihn dazu befohlen hätten, seine Eltern umzubringen, informierte der Richter noch einmal über die Aussage des Angeklagten, der die Tat gestanden hatte. Zeugen bestätigten, dass er sich in letzter Zeit verändert habe. „Das Lächeln hat gefehlt. Zerstreut und ungepflegt hat er auf mich gewirkt“, berichtete ein Freund aus Kindertagen, der ihn noch zwei Tage vor der Tat getroffen hatte. „Das Gutachten brachte Klarheit“, so Rothermel weiter. Es sei für die Allgemeinheit nicht nachvollziehbar und unverständlich, wenn ein angepasster und tüchtiger Bauer eine solche Tat begehe. Dafür gebe es nur die eine Erklärung: „Der Angeklagte ist krank.“ Der Sachverhalt indes sei klar bewiesen: „Die Mordmerkmale sind ohne Zweifel erfüllt.“ Der 35-Jährige habe den zweifachen Mord im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen. Das hätten die Ergebnisse von Gruber aus einer Vielzahl von Verfahren ergeben. Zudem habe selten ein Angeklagter so fest zu seinen Erklärungen gestanden, sagte der Richter: Der Mann blieb bei seiner Meinung, dass die beiden Getöteten nicht seine Eltern seien. Den Gutachtern, die die Elternschaft eindeutig bestätigt hatten, glaubte er nicht. Bei seiner Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis hätten der 70-jährige Vater und die 53-jährige Mutter im Mittelpunkt seines wahnhaften Erlebens gestanden. Dr. Gruber führte dazu aus: „Es ist wie ein Virus in einem Computerprogramm, der die Software zerstört.“ Alle Persönlichkeitsfunktionen seien davon betroffen. „Eine Vielzahl von Auffälligkeiten, die zusammenspielen“, attestierte der Arzt dem Angeklagten – dazu gehöre eine Kommunikations- und Informationsstörung, Sprunghaftigkeit, Ausfallsymptome und psycho-pathologische Befunde. Die Art und Weise wie er über seine Tat gesprochen habe, sei typisch. Bruchstückhaft, schwer verständlich, wie ein Unbeteiligter und ohne Reue habe er sich mitgeteilt. Ausbrüche habe es dabei auch gegeben, die deutlich gemacht hätten, dass er die eigenen Eltern als fremd und bedrohlich empfand. In Äußerungen wie „Was sind denn das für Leute?“ und „Wie die rumgelaufen sind!“ drückte sich seine Irritation aus. Die Steuerungsfähigkeit des Mannes sei aufgehoben gewesen. Eine Polizeibeamtin, die ihn nach der Tat vernommen hatte, berichtete von „Abscheu und abgrundtiefem Hass“, die er ihrer Meinung nach empfunden habe. Verteidiger Hartmut Wächtler hatte in seinem Plädoyer festgestellt: „Dies ist einer der wenigen Fälle, bei dem zwischen allen Prozessbeteiligten im We- sentlichen Einigkeit herrscht. Ich glaube, wir beurteilen das gleich.“ So hatten er selbst, Staatsanwalt Lars Baumann und auch der Anwalt der Nebenklägerin, Achim von Lucke, die krankheitsbedingten Gründe für die grausame Tat betont und sich für eine Unterbringung des Angeklagten im Krankenhaus ausgesprochen. Allerdings schloss Wächtler die Heilung des 35-Jährigen nicht aus. „Ich bin nicht so pessimistisch wie meine Vorredner“, meinte er.

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