"Oft reicht nur ein offenes Ohr"

Steuerungsverbund Psychische Gesundheit WM-SOG stellt neue Beschwerdestelle vor

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Von links zu sehen: Peter Walter, Herzogsägmühle SPG Vorsitzender; Dr. Stefan Günther, Leiter des Gesundheitsamtes; Jenni Hanzlik, Praktikantin Gesundheitsamt und Ingo Remesch, SPG Geschäftsführer.

Landkreis – Der schmerzhafte Verlust eines lieben Angehörigen, eine plötzlich auftretende Erkrankung, ein schwerer Unfall: Solche Schicksalsschläge enden bei nicht wenigen Menschen in einer psychischen Krise. Aber wie geht es dann weiter?

Der Steuerungsverbund Psychische Gesundheit (SPG) im Landkreis Weilheim-Schongau nimmt Steuerungs-, Koordinierungs- und Planungsaufgaben für die regionale Psychiatrieversorgung im Landkreis wahr. Vor Kurzem lud der Verband zu einem Pressegespräch, um über Neuerungen und Themen der Frühjahresmitgliederversammlung zu berichten.

Psychiatrischer Krisendienst

Gut ein Jahr ist es her, dass der „Krisendienst Psychiatrie“ des Bezirks Oberbayern auch für Weilheim-Schongau eingerichtet wurde. Das Projekt, das bis 2020 laufen soll, gibt Soforthilfe bei seelischen Krisen. Unter der Tel. 0180/655 3000 (Zentrale Verwaltung München) bieten speziell geschulte, erfahrene Fachkräfte täglich von 9 bis 24 Uhr qualifizierte Hilfe bei seelischen Krisen jeder Art an (wir berichteten). „Eine große Anzahl der Krisen kann schon über die Leitstelle telefonisch abgewickelt werden“, so Dr. Stefan Günther, Leiter des Gesundheitsamtes. Der Krisendienst entscheidet je nach Fall, wie dem Betroffenen geholfen werden kann. Sollte dieser schnelle Hilfe benötigen, verweist der Krisendienst auf die zwei vor Ort agierenden Koordinatoren.

Für Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen ist die Herzogsägmühle Träger der Sozialpsychiatrischen Dienste. Ein stationärer Aufenthalt kann dadurch vermieden werden, erklärte Peter Walter, Herzogsägmühle SPG Vorsitzender. Neu ist, dass nun auch unter 18-Jährige telefonisch beraten werden können. Der Krisendienst Psychiatrie arbeitet hier mit der Heckscher Klinik München zusammen.

Unabhängige Psychiatrische Beschwerdestelle

Anfang des Jahres wurde die „Unabhängige Psychiatrische Beschwerdestelle“ (upB) für die Landkreise Weilheim und Garmisch-Partenkirchen gegründet, deren Träger der Verband der Bayerischen Bezirke ist. Ziel dieser Stelle ist es, in Zusammenarbeit mit Trägern karitativer sozialer Einrichtungen und psychiatrischen Kliniken die ambulante und stationäre Versorgung von psychisch, seelisch und suchtkranken Menschen zu verbessern. Die Beschwerdestelle bietet allen Betroffenen, ob psychisch krank oder angehörig, die Möglichkeit, niedrigschwellig, leicht erreichbar, kostenlos und auf Wunsch anonym ein offenes Ohr zu finden und gegebenenfalls ein Beschwerdeverfahren einzuleiten. „Es gibt keine professionellen Therapeuten. Ehrenamtliche, Therapie-Erfahrene oder Angehörige nehmen die Mediatoren-Rolle ein“, so Günther. Dadurch sei die Hemmschwelle für Betroffene niedriger. Die gemeinnützige Vereinigung bietet laut Walter einen Mehrwert, „den der erfahrenste Therapeut manchmal nicht anbieten kann“, dies sei die „eigene Erfahrung“.

Oft gehe es einfach nur darum, ein offenes Ohr zu haben und sich für die Anliegen und Beschwerden der Betroffenen Zeit zu nehmen, erklärte Ingo Remesch, Geschäftsführer. Medizinische und therapeutische Versorgung oder Rechtsberatung sind in den Tätigkeiten der Ehrenamtlichen nicht mit inbegriffen. Telefonisch erreicht werden kann die Beschwerdestelle unter 08845/7573218. Nach Terminvereinbarung ist auch ein persönliches Treffen möglich.

Kritik am neuen Gesetzesentwurf

Vor Kurzem wurde ein neuer Gesetzesentwurf „Bayerisches Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz“ vorgestellt, um die Hilfe für psychisch kranke Menschen in Bayern neu zu erfassen. Der erste Teil des Entwurfs ist aus Sicht des SPG Weilheim-Schongau zu begrüßen. „Der Hilfe- und Präventionsgedanke ist da“, erklärte Günther. In dem zweiten Teil des Entwurfes sieht der Verbund jedoch Probleme. Durch dieses Gesetz werden psychisch kranke Menschen mit psychisch kranken Straftätern in die Nähe gebracht und gesetzlich in den gleichen Topf geworfen, so Remesch.

Als Beispiel: Eine psychisch kranke Frau wird zum Schutz vor sich selbst zwangsweise an eine Klinik verwiesen. Dadurch würde sie in die gleiche Kategorie fallen wie ein psychisch kranker Straftäter. „Diese beiden Gruppen müssen klar separiert werden“, so Günther.

In einer differenzierten Stellungnahme hat sich der Steuerungsverbund Psychische Gesundheit Weilheim-Schongau an den Verbund Psychische Gesundheit, den zuständigen Landtagsabgeordneten sowie an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses gewandt.

Von Maria Lindner 

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