CSU Polling-Oderding rief zur Demonstration auf

"Geh- und Radwegbrücke jetzt!"

+
Per Megaphon sprach Martin Pape zu den rund 150 Demonstran- ten, unter die sich auch Mitglieder des ADFC und viele Mitglieder des SV Polling gemischt hatten.

Oderding – Eigentlich könnte alles ganz schnell gehen, zumindest liegen die Planungen für die seit Jahrzehnten diskutierte Rad- und Fußgängerbrücke über die Ammer bei Oderding fix und fertig in der Schublade.

Doch es gibt ein Problem: Ein Grundstücksbesitzer weigert sich beharrlich, mit der Gemeinde Polling in Verhandlungen zu treten. Das wiederum rief nun den CSU-Ortsverband Polling-Etting-Oderding auf den Plan. Er organisierte eine Demonstration, bei der eindringlich auf die Notwendigkeit des Brückenschlags hingewiesen wurde.

„Geh- und Radwegbrücke jetzt!“ oder „Wer ist stärker? Lkw oder Kind?“ stand unter anderem auf den Transparenten, die von den rund 150 Demo-Teilnehmern plakativ präsentiert wurden. Konkret geht es um das Nadelöhr an der Ammerbrücke bei Oderding. Dort führt bislang nur ein rund ein Meter breiter Fußgängerstreifen über den Fluss – direkt neben der vielbefahrenen Staatsstraße zwischen Weilheim und Peißenberg. Radler werden per Warnschild dazu angehalten, von ihrem Drahtesel abzusteigen und selbigen über die Brücke zu schieben. Sicher ist das trotzdem nicht: Auf der Staatsstraße ist in Richtung Peißenberg Tempo 100 erlaubt. „Der Sog durch die Autos kann ein Kind auf die Straße ziehen“, erklärte CSU-Ortsvorstandsmitglied Joachim Loy während der Demo. Das Tempo im Streckenabschnitt müsse deshalb dringend auf 60 km/h reduziert werden. Loy verwies darauf, dass 120 Kinder aus Polling am Oderdinger Fußballplatz trainieren würden. Aus Oderding wiederum würden 40 Kinder die Grundschule oder den Kindergarten in Polling besuchen. Bei der Anfahrt mit dem Rad müssten sie die Brücke passieren. Es sei auch schon zu Stürzen gekommen – zum Glück ohne gravierende Folgen: „Müssen wir erst abwarten, bis etwas Schlimmes passiert?“, fragte Loy. Aus Sicherheitsgründen würden die meisten Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule oder zum Fußball-Training fahren. „Auf dieser Brücke kann man nicht radeln“, konstatierte Loy.

Abhilfe soll ein neuer Brückenschlag rund 100 Meter flussaufwärts schaffen. Für die Auffahrrampe braucht es aber Grundstücksflächen. Auf der östlichen Uferseite ist das kein Problem, auf der westlichen schon. Der betreffende Grundeigentümer ist nicht bereit, einen etwa 300 Quadratmeter großen Teil seiner Fläche abzugeben. Dem Vernehmen nach soll die Weigerung nicht direkt etwas mit dem Brückenschlag zu tun haben. Offenbar hat es in einer anderen Angelegenheit Dissonanzen zwischen ihm und der Gemeinde gegeben. Alternativen zum geplanten Brückenschlag gibt es nicht. Ein Ausbau der Straßenbrücke ist aus statischen Gründen nicht möglich – „und ein Neubau der großen Brücke steht erst in 50 Jahren zur Debatte“, erklärte Pollings Vize-Rathauschef und CSU-Ortsvorstand Martin Pape.

Und wie geht es nun weiter? „Wenn wir das Grundstück nicht bekommen“, kündigte Pape an, „dann wird die Gemeinde ein Enteignungsverfahren in Gang setzen.“ Die Forderung der Demonstranten, dass die rund 350 000 Euro teure Rad- und Fußgängerbrücke „so schnell wie möglich“ gebaut wird, dürfte damit aber nicht in Erfüllung gehen. Enteignungsverfahren können sich mehrere Jahre in die Länge ziehen. Also doch noch einmal mit dem Grundeigentümer das Gespräch suchen?

Vermutlich zwecklos – vor allem nach der Demo. Die Organisatoren hatten mit dem überspitzt formulierten Slo-gan „Muss denn erst einer sterben?“ zur Kundgebung aufgerufen. Durch die grenzwertige Wortwahl dürften sich die Fronten noch zusätzlich verhärtet haben. Abseits der CSU-Demo versammelten sich rund 20 Dorfbewohner, die sich zwar inhaltlich der Forderung nach einem Tempolimit und einem Brückenschlag anschlossen, jedoch auf Plakaten („inakzeptable Selbstjustiz“) den Umgang mit dem Grundeigentümer scharf kritisierten. „Man geht mit der Demo gegen eine einzelne Person vor. Das ist kein politisches Vorgehen, sondern ein Armutszeugnis für eine Partei“, kritisierte unter anderem Philip Minkwitz. Die Organisatoren bemühten sich auf der Demo denn auch um verbale Abrüstung: „Wir wollen niemanden an den Pranger stellen. Die Wortwahl hätte nicht sein müssen“, räumte Pape ein.

Von Bernhard Jepsen

Auch interessant

Meistgelesen

Anlieferung der Container Krankenhaus Weilheim
Anlieferung der Container Krankenhaus Weilheim
Lichtenau – das Ohr zum Weltraum
Lichtenau – das Ohr zum Weltraum
DLR Bodenstation Weilheim
DLR Bodenstation Weilheim
Kleine Artisten, große Showpremiere
Kleine Artisten, große Showpremiere

Kommentare