Neue Radom-Hülle erst im nächsten Frühjahr

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Ohne eine schützende Hülle steht die Antenne des Raistinger Radoms seit den Sturmschäden im Februar da.

Weilheim/Raisting – Stürmischer Auftakt der aktuellen Kreistagssitzung in der Weilheimer Stadthalle: René Jakob, Geschäftsführer der Radom Raisting GmbH, ließ in seinem Bericht über den Stand der Radom-Sanierung nochmals das Sturmtief Bianca Revue passieren. Im Februar dieses Jahres hatte es mit Orkanböen und Brechern von über 120 km/h die Außenhülle des Industriedenkmals zerstört und in drei Teile zerrissen. Dabei wurde auch die empfindliche Antenne um 15 Grad verdreht.

Die technischen Anlagen, die normalerweise den Windlasten durch Anpassung des Innendrucks der Hülle entgegenwirken, hatten bis zu den Bianca-Brechern einwandfrei funktioniert. Mittels einer Computersimulation sei laut Jakob festgestellt worden, dass die seitliche Windbelastung von Bianca eine Verformung der Hülle und damit zu hohe Zugbelastungen verursachte, die diagonal zu den Verstärkungen der Folie verliefen. In der Folge riss die Außenhülle und sackte in sich zusammen.

Dem Schreck über den immensen Schaden folgte eine Erleichterung, weil die Versicherungskammer Bayern nach penibler Untersuchung festgestellt hat, dass kein Fremdverschulden vorliegt. Damit übernimmt die Versicherung die gesamten Kosten für die neue Hülle sowie die Wiederherstellung des Industriedenkmals nach heutigem Standard.

Die Gesamtkosten werden sich laut Jakob auf rund 2,5 Millionen Euro belaufen, wobei die Hülle allein circa eine Million Euro verschlingt. Sie soll stärksten Wetterkapriolen Stand halten und „bis 2045 und hoffentlich viel länger“ das sensible Innenleben des Radoms schützen. Die Spezialanfertigung der Hülle ist allerdings in diesem Jahr nicht mehr zu stemmen, so dass sie wohl erst im Frühjahr 2021 montiert werden kann.

Um die Anlage über Herbst und Winter vor Nässe und Schäden zu bewahren, wird demnächst ein Gerüst mit Schutzdach – „wie eine 14 000 Kubikmeter große Bierhalle“ –eingezogen, was allein eine halbe Million Euro kosten wird. Wenn alles glatt läuft, so Jakob, könnte man mit der Versicherungssumme „plus-minus Null aus der Sache rauskommen.“

Nach der Fertigstellung der Radomhülle werden auch wieder die gefragten Touren der Pfaffenwinkler Kulturführer durch das Industriedenkmal aufgenommen.

Laut Jakob habe sich im letzten Jahr durch die Sonderausstellung „50 Jahre Mondlandung“ die Besucherzahl verdoppelt. Schließlich hatte das Radom seinerzeit entscheidenden Anteil daran, dass das Jahrhundertereignis weltweit übertragen werden konnte. Um das Radom künftig noch attraktiver zu machen, lässt Jakob gerade prüfen, ob an der Innenhülle Großprojektionen wie in modernen Kinos möglich sind.

Kritisch hinterfragt wurde die Zukunft des Radoms durch Friedrich Zeller (SPD). Seiner Ansicht nach sei der Landkreis für so ein „Denkmal von nationaler Bedeutung“ nicht der optimale Träger. Besser wären Institutionen wie das Deutsche Museum. Jetzt geht es aber erstmal um eine neue Hülle und die damit verbundene Sanierung. Für sein Herzblut-Engagement bekam Jakob Beifall von den Kreisräten und ein Sonderlob von Landrätin Andrea Jochner-Weiß.

Ein Blick zurück

Zum Zeitpunkt des Baus der Erdfunkstelle Raisting 1963/64 war es noch nicht möglich, die Antennenanlagen unter freiem Himmel aufzustellen. Windlasten, Niederschlag und Vereisung wären bei einer freistehenden Antenne nicht beherrschbar gewesen. Daher wurde die Antenne mit einer Traglufthülle von 49 Metern Durchmesser umgeben. Die zwei Millimeter dicke Folie war für die Funkwellen zur Satellitenkommunikation transparent. Die Hülle wird dabei nur vom inneren Luftdruck ähnlich einem Luftballon aufrecht und in Form gehalten. Es gibt keine Streben oder Stützen. Damit der Druck nicht abfällt kann man das Radom nur über Luftschleusen betreten. Die Weiterentwicklung der Kommunikationstechnik sorgte 1985 für die Einstellung der kommerziellen Nutzung des Radoms. Es war von Rückbau und Abriss die Rede, bis engagierte Bürger einen Förderverein gründeten und für die Restaurierung und den Fortbestand des Radoms als Industriedenkmal und Museum kämpften. Mit Erfolg, wie sich gezeigt hat. Von 2010 bis 2012 wurde das Radom generalsaniert und bekam eine neue Traglufthülle, die aber im Februar dem Sturmtief Bianca zum Opfer fiel.

Von Dieter Roettig

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