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Radverkehrskonzept im Weilheimer Stadtrat beschlossen

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Von: Sofia-Leonie Wiethaler

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Fahrradfahrer
Um sicher und schnell mit dem Rad unterwegs sein zu können, braucht es Optimierungen des Radwegenetzes in Weilheim. © Symbolbild: Bildagentur PantherMedia / RomanPashkovsky

Weilheim – Das Rad anstelle des Autos zu nehmen ist gut für die Umwelt und die eigene Fitness. Jedoch ist das Radlfahren in der Kreisstadt nicht immer ganz einfach. Verbesserungen soll das Radverkehrskonzept bringen, welches kürzlich im Stadtrat vorgestellt wurde.

Die Förderung des Radverkehrs sei in Weilheim schon über 30 Jahre Thema, erklärte Stefan Frenzl, Radverkehrsbeauftragter der Stadt, zu Beginn. Er gab auch einen Überblick zu der Entstehung des Konzepts. An ihr war neben der beauftragten gevas humberg & partner Ingenieurgesellschaft für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik mbH auch die AG Rad beteiligt. Diese besteht aus Vertretern der Stadtverwaltung, der Fraktionen und Gruppierungen des Stadtrats sowie von Interessensverbänden.

Vorgestellt wurde das Konzept von Dr.-Ing. Christoph Hessel. Bei der Routenfindung wurden unter anderem die kürzesten/direktesten Wege analysiert und die geringsten Einschränkungen für Anwohner, Kfz-Verkehr, ÖPNV und Radverkehr untersucht. In der vorhandenen Fahrradinfrastruktur wurden zwar teilweise schon neuere Ausbauformen realisiert (zum Beispiel Fahrradstraßen), jedoch gibt es auch Netzlücken (keine zusammenhängenden Fahrradrouten) und zum Teil ungesicherte Querungen.

Nach dem Abwägen von Pro und Contra beschloss die AG, das Hauptnetz für den Radverkehr eigenständig außerhalb der Hauptstraßen für den Kfz-Verkehr zu führen. Die meisten Fahrradrouten verlaufen somit in Wohngebieten. Dort würde es sich anbieten, die Zone 30 km/h durch eine Fahrradstraße zu ersetzen. Bei ihr bleibt die maximale Geschwindigkeit unverändert. Erhöht wird aber die Sicherheit für den Radverkehr und die Reisezeit für selbigen verkürzt sich, wie es in dem Konzept heißt. Eine Fahrradstraße ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass andere Verkehrsmittel sie nur befahren dürfen, wenn sie durch Zusatzzeichen freigegeben sind. Dann wird von einer unechten Fahrradstraße gesprochen.

Des Weiteren ist es dort erlaubt, dass Fahrräder nebeneinander fahren. Kfz müssen sich einordnen und dürfen nur Überholen, wenn dies gefahrlos möglich ist. Durch eine Bevorrechtigung der Fahrradstraßen können sich die Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs allerdings erhöhen und die Strecken zu attraktiven Umfahrungsrouten werden. Vermieden werden kann das durch Einbahnstraßen, Sackgassen/physische Hindernisse und Fahrbahnverengungen.

Echte Fahrradstraßen seien in Weilheim derzeit nicht umsetzbar, wie Hessel feststellte. Besser sieht es mit der unechten Variante aus. Diese wäre dann zum Beispiel für Anlieger und den Busverkehr frei. Vorgeschlagen für ein Pilotprojekt wurden die Krottenkopfstraße (Einbahnstraßenregelung) und die Johann-Baur-Straße (Engstellen).

Dann kam Hessel zur Fußgängerzone. Hier gibt es eine schwierige Route durch die Altstadt Nord-Süd. Die Führung auf der B2 und dem Unteren Graben ist nicht möglich (Hauptstraßen) und die Buxbaumgasse ist zu schmal um sie für Radverkehr mit Fußgängern freizugeben. Es gibt keine weiteren Verbindungen – außer die Fußgängerzone. Somit stand auch eine probeweise Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr im Raum. Hessel betonte in Bezug auf die Pilotprojekte die Wichtigkeit, die Bevölkerung und vor allem die Anlieger mitzunehmen. Zudem sollen die Projekte fachlich-wissenschaftlich begleitet werden, zum Beispiel durch Verkehrszählungen/Überprüfung der verlagerten Verkehre und Beobachtung und Analyse der Gefahrenstellen.

Klimaschutz

Auf die Bedeutung des Radelns für den Klimaschutz ging Weilheims Klimaschutzmanagerin Katharina Segerer ein. Wenn alle Bürger*innen der Kreisstadt in Zukunft zwei Mal pro Woche fünf km mit dem Radl statt mit dem Auto unterwegs wären, könnten jährlich 2 390 t CO2 eingespart werden. Die Optimierung des Radwegenetzes sei somit ein „riesen Beitrag“ für den Klimaschutz.

Förderung

Auf die Fördermöglichkeiten für den Ausbau des Radverkehrsnetzes ging im Anschluss Katrin Fischer vom Bauamt ein. Am ehesten bietet sich eine Förderung im Rahmen des Sonderprogramms „Stadt und Land“ an. Unterstützung gibt es hier unter anderem für Neu-, Um- und Ausbau von Radwegen. Keine gibt es dagegen zum Beispiel für die Erneuerung und Sanierung bestehender Radwege. Finanzhilfen werden hier allerdings nur bis Ende 2023 gewährt.

Das sagen die Stadträte

Verkehrsreferent Manuel Neulinger (Grüne) bedankte sich bei den Beteiligten der AG. Über 15 Monate hinweg seien auch immer wieder Anregungen so gut wie möglich in das Konzept aufgenommen worden. Insgesamt sei es gut gelungen – auch gerade durch die Bürgerbeteiligung durch externe Gruppen. Zwar hätte sich der ein oder andere ab und zu gewünscht, in Punkten weiterzugehen, jedoch sei so ein parteiübergreifender Konsens entstanden. Er sprach sich dafür aus, dass Konzept „im Paket zu beschließen“. Bei der probeweisen Öffnung der Fußgängerzone regte Neulinger zudem an, auch die Weilheimer Sicherheitswacht miteinzubeziehen.

Tillman Wahlefeld (BfW) war ebenfalls in der AG aktiv und bezeichnete das Konzept als Beginn eines Weges für die Stadt. Eine Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr hält er derzeit aber nicht für angemessen. Wenn man sowieso Schrittgeschwindigkeit fahre, sei es auch kein Problem, abzusteigen und das Rad zu schieben.

Horst Martin (SPD) sah die Öffnung der Fußgängerzone erstmal als eigenen Punkt und sprach sich dafür aus, sich auf die Umsetzung der Grundlagen des Konzepts zu konzentrieren. Ihm wäre es lieber, die Dinge schneller anzugehen. Er regte an, jetzt schon „mutig“ bei Veränderungen zu sein. „Ich wäre bereit dazu.“

Dr. Claus Reindl, von 2002 bis 2020 Verkehrsreferent, gab an, dass zusammen mit der Verwaltung viel für den Radverkehr geleistet worden sei. Leider gebe es aber immer noch den selben Konflikt, dass eine Durchgängigkeit der Routen „ganz schwer“ zu schaffen sei. Er gab zu, sich von dem Konzept „mehr pfiffige Ideen“ erwartet zu haben, die es aber offenbar nicht gebe. Das Konzept mache Sinn, auch wenn Reindl ein paar Anmerkungen hatte. Unter anderem sah er die Krottenkopfstraße für das Pilotprojekt nicht als geeignet an. Er befürwortete stattdessen den Prälatenweg. Die Öffnung der Fußgängerzone bezeichnete Reindl als kritisch und regte eher eine probeweise Öffnung der Buxbaumgasse im nördlichen Bereich an.

Marion Lunz-Schmieder, Fraktionsvorsitzende, gab an, dass die CSU gegen eine Öffnung der Fußgängerzone sei. Die Größe sei dafür nicht gegeben und es müsse auch auf ältere Menschen oder Familien mit kleinen Kindern Rücksicht genommen werden. Die Einführung einer Einbahnstraße sei laut Lunz-Schmieder teilweise schwierig. Wenn man auf kurzer Strecke oft die Fahrtrichtung ändere, werde man kaum die Akzeptanz dafür bekommen. Vorerst die ein oder andere Fahrradstraße in einem Wohngebiet sei für sie eine gute Lösung. Ihr Fraktionskollege Franz Andrä gab im Hinblick auf die Feuerwehr zu bedenken, dass Einsatzkräfte aufgrund von zunehmendem Einbahnverkehr zu lange dauern könnten.

Dr. Roland Bosch (ÖDP) gab zu, in einer ungewohnten Situation zu sein. Zuerst habe er bei der Entstehung des Radentscheids mitgewirkt und jetzt stehe er auf der anderen Seite und dürfe über das Konzept mitentscheiden. Die Krottenkopfstraße hielt er für den Pilotversuch auch nicht für aussagekräftig. Er schlug stattdessen ebenfalls den Prälatenweg vor – jedoch in Kombination mit der Fußgängerzone. Auch die Johann-Bauer-Straße sei nicht optimal für den Pilotversuch. Ihm wäre es außerdem ebenfalls lieber, das Konzept schneller und „nicht so zaghaft“ umzusetzen.

Ullrich Klinkicht (Weilheim Miteinander) befürwortete die probeweise Öffnung der Fußgängerzone, da sie eine sichere Verbindung schaffen würde. Das sei aber nicht ganz einfach und erfordere ein „ziemliches Miteinander“ der Weilheimer. Er merkte aber auch an, dass sich viele Probleme von alleine erledigen würden, wenn es in der Kreisstadt mehr Radler gebe.

Beschlüsse

Letztendlich wurde dem Radverkehrskonzept in seinen Grundzügen von allen Stadträten zugestimmt. Genauso verhielt es sich bezüglich der Entwicklung eines durchgängigen, attraktiven und zügig befahrbaren Fahrrad-Hauptnetzes und der Einrichtung von geeigneten Querungsmöglichkeiten der KfZ-Hauptstraßen für die Fahrrad-Hauptrouten.

Beim nächsten Abstimmungspunkt, der probeweisen Ausweisung der Krottenkopfstraße als Fahrradstraße mit Vorrang für den Radverkehr und Einbahnstraßenregelung für den Anliegerverkehr, wurde stattdessen der Prälatenweg gewählt. Dagegen sprachen sich trotz Straßenänderung Zweite Bürgermeisterin Angelika Flock, Lunz-Schmieder und Andrä (alle CSU) sowie Brigitte Holeczek (BfW) aus.

Gegen die Ausweisung der Johann-Baur-Straße als Fahrradstraße mit Vorrang für den Radverkehr und Fahrbahnverengungen waren Klaus Gast, und Andrä (beide CSU), Saika Gebauer-Merx (FDP) und Romana Asam (Freie Wähler).

Ein 12-monatiger Testbetrieb zur probeweisen Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr inklusive Öffentlichkeitsarbeit, regelmäßiger (Polizei-)Kontrollen und anschließender Evaluierung wurde mit 15 Gegen-Stimmen abgelehnt. Eine Mehrheit gab es dagegen für die probeweise Teilöffnung (nördlicher Abschnitt) der Buxbaumgasse. Nach dem grundsätzlichen Beschluss des Konzepts liege noch viel Arbeit vor ihnen, sagte Bürgermeister Markus Loth (BfW). Aber: „Es kann losgehen.“

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