Am Gemeindeentwicklungskonzept mitarbeiten

Raistings Bevölkerung wächst moderat

Bürgerversammlung Raisting
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Wollen gemeinsam Raisting in eine liebens- und lebenswerte Zukunft führen: Tanja Meyer, Martin Späth, Albert Tafertshofer, Manuel Heim, Jochen Gronle, Monika Hierl und Bürgermeister Martin Höck (von links).
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Raisting – Politiker aller Couleur hätten sie gerne, die berühmte Kristallkugel für den Blick in die Zukunft. Auch Raistings Bürgermeister Martin Höck, der die nächsten Jahre und Jahrzehnte seiner Gemeinde möglichst genau einschätzen und entsprechend planen will. Aber statt Hokuspokus baut er auf akribisch recherchierte Fakten und daraus resultierende Prognosen. Darum ging es in einer gut besuchten Bürgerversammlung im „Gasthof zur Post“. Ziel war auch, möglichst viele Raistinger zur Teilnahme an der aktuellen Online-Befragung zu animieren, bei der es um die ganz persönliche Vorstellung der Bürger zur Dorfentwicklung geht.

Experten stellten das vom Rathaus für über 50 000 Euro in Auftrag gegebene Gemeindeentwicklungskonzept vor, eine Art „strategischen Fahrplan“ für die zukünftige Entwicklung Raistings mit abgestimmten priorisierten Handlungsfeldern. Es geht dabei um eine nachhaltige Verbesserung der Lebens-, Wohn-, Arbeits- und Umweltverhältnisse. Das Bewusstsein für die dörfliche Lebenskultur sowie die ökonomischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Potentiale soll gestärkt werden.

Die Gemeindeentwicklung baut dabei auf die aktive Mitwirkung der Bürger. Jochen Gronle, Dipl.-Ingenieur und Stadtplaner vom Münchner Büro „Plankreis“, stellte in seiner demographischen Untersuchung fest, dass die Bevölkerung Raistings bis 2033 nur moderat auf 2 370 Einwohner wachsen wird. Für die bis dahin 43,7 Prozent der über 65-jährigen müsse man an besondere Wohnformen und Pflegeinrichtungen denken. Bei der Innenentwicklung ging es um die Frage, wie groß sollen Wachstum und Angebot werden und welche verfügbaren Flächen müssen aktiviert werden. Stärken und Chancen sah Gronle im historisch gewachsenen Siedlungsbereich, den gut erhaltenen dörflichen Strukturen sowie in den gewachsenen Ortskernen, die eine hohe Identität und Authentizität ausstrahlen. Einen Minuspunkt bekamen leerstehende oder ungenutzte Wohn- und Nebengebäude bei gleichzeitiger Nachfrage nach Wohnraum.

Raisting sei derzeit ein attraktiver Wohnstandort mit guten Rahmenbedingungen im Umfeld durch Kinder- und Seniorenbetreuung, Schule, Vereinsangebote oder Naherholungsmöglichkeiten sowie einem starken örtlichen Gewerbe. Gronle bemängelte, dass gut erschlossene Baugrundstücke und Flächenpotentiale von privater Hand „vorgehalten werden“. Ansprechend sei die Lage Raistings in einem einzigartigen Natur- und Landschaftsraum mit Blickbeziehung auf Radom, Erdfunkstelle, Alpenkamm und Ammermoos. Gute Noten bekam der Bahnhaltepunkt mit Anbindung Richtung Weilheim und Geltendorf zur S-Bahn München sowie nach Augsburg. Die außerhalb des Gemeindegebiets verlaufende Staatsstraße St2056 bringe verkehrliche Entlastungseffekte für die Ortsmitte. Das innerörtliche Fuß- und Radwegenetz mit Verknüpfungen in den Landschaftsraum sei gut ausgebaut.

Das sichere Radfahren von Raisting nach Dießen wurde allerdings in Frage gestellt. Dazu erklärte Bürgermeister Höck, dass der geplante Radweg zwischen den beiden Gemeinden noch an den ergebnislosen Grundstücksverhandlungen sowohl im Bereich Raisting wie auch Dießen scheitere. Obwohl sich sogar Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Landsbergs Landrat Thomas Eichinger persönlich eingeschaltet hätten.

Online-Bürgerbefragung

Für eine zukunftsfähige und nachhaltige Gestaltung Raistings rief Rathauschef Martin Höck die Bürger auf, unbedingt an der Online-Befragung LE.NA zur ländlichen Entwicklung in Bayern und ganz speziell in Raisting teilzunehmen. Den Fragebogen kann man direkt über die Webseite www.raisting.de ausfüllen und abschicken. Alternativ kann der ausgedruckte Fragebogen im Rathaus abgeholt werden. Auf einer Notenskala soll man Meinung und Wünsche zu folgenden Themen ankreuzen: Bauen und Gestalten, Versorgung und Verkehr, Natur und Landschaft sowie Zusammenleben und Wirtschaften. „Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern“. Gemäß dieser Weisheit des französischen Schriftstellers André Malraux hielt Martin Späth vom Büro „Plankreis“ einen Vortrag über seine denkmalpflegerischen Erhebungen in Raisting, Sölb und Stillern. Es ging dabei um die historische Siedlungsentwicklung, Denkmalpflege und Denkmalschutz. Ziel sei die Sensibilisierung von Bürgerschaft, Politik und Verwaltung zur „Bewahrung des baulichen und archäologischen Erbes als Träger der dörflichen Identität und Berücksichtigung bei der kommunalen Planung“. In seinem Streifzug durch die Historie der Gemeinde griff Martin Späth auf die umfangreichen Dokumentationen von Ortschronist und Museumsleiter Albert Tafertshofer zurück, der für seine langjährige ehrenamtliche Arbeit viel Beifall bekam. Bei der Veranstaltung stellte sich auch Monika Hierl vom Amt für Ländliche Entwicklung vor, einer Behörde des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Es ist zuständig für die Durchführung der integrierten ländlichen Entwicklung, der Dorferneuerung und der Flurbereinigung in Bayern. Hierl unterstützt aktiv Bürgermeister Höck beim spannenden Gemeindeentwicklungskonzept.

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