Zentimeterweise Montage

Raistings Radom hat wieder eine Kugelhülle

Traglufthülle Radom Raisting
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Das weltbekannte Raistinger Industriedenkmal Radom hat seit Sonntag wieder eine neue Hülle. Die Montage erwies sich als kompliziert und musste am Samstag wegen zu starkem Seitenwind abgebrochen werden.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Raisting – „Sonntag 16.35 Uhr, Operation geglückt, Patient steht!“ Mit einem fast zehnstündigen Mammutaufwand wurde die neue Außenhülle des Industriedenkmals Radom in Zentimeterarbeit montiert und aufgeblasen. Damit sind genau 599 Tage nach der Zerstörung der alten Hülle durch das Sturmtief Bianca die rote Parabolantenne sowie die technischen Anlagen wieder vor Wind und Wetter geschützt.

Die neue gerade mal 1,2 Millimeter starke Traglufthülle mit einem Durchmesser von 49 Metern hat eine Gesamtfläche von 5.300 Quadratmetern. Nur vom inneren Luftdruck des Radoms wird sie aufrecht und in Kugelform gehalten. Damit der Druck nicht abfällt, darf man das Innere nur durch eine Luftschleuse betreten.

Wie René Jakob, Geschäftsführer der Radom Raisting GmbH, in einer Sitzung des Weilheimer Kreistages ausführte, werden sich die Gesamtkosten der Radom-Sanierung auf rund 2,5 Millionen Euro belaufen, wobei die Hülle allein ca. eine Million Euro verschlingt. Versicherung und Förderung mindern den Gesamtbetrag. Die neue Hülle soll stärksten Wetterkapriolen standhalten und bis „2046 und hoffentlich viel länger“ das sensible Innenleben des Radoms schützen.

Wann wieder Besucher das Innere des Radoms besichtigen können, steht wegen umfangreicher Reparaturarbeiten noch nicht fest. 

Wegen der Spezialanfertigung aus Polyester und PVC konnte die nunmehr dritte Kugelhülle in der Geschichte des Radoms erst jetzt angeliefert und montiert werden. Dazu wurde sie hinter dem Radom ausgebreitet und an dicke Schwimmringe festgezurrt. Um das ganze rund zu bekommen, waren neben Muskelkraft der 25 Monteure auch Gurte, Ratschen und ein Teleskop-Gabelstapler im Einsatz. Die Luftschläuche sollten beim Einheben ein Hängenbleiben an der Parabolantenne verhindern, die von Industriekletterern ebenfalls mit Schläuchen ummantelt wurde.

Nach der gelungenen Rundung zieht einer der Riesenkrans die weiße Hülle vorsichtig nach oben, was wie ein Halloween-Gespenst aussieht. Kurz vor dem nach oben Schweben gibt Radom-Geschäftsführer René Jakob das Kommando zum Abbruch. Zu starker Ostwind würde die Aktion gefährden. Verständnis bei den Monteuren, Zuschauern und bei Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die mit Schutzweste und Helm die Arbeiten beobachtet. Am Sonntag ab sieben Uhr morgens soll die Aktion fortgesetzt werden.

Am Sonntag klappt es

Bei Windstille und Morgennebel hängt die 10,5 Tonnen schwere Plane schließlich auf 85 Metern Höhe an einem der Kräne. Doch der Luftschlauch spreizt sich nicht wie vorgesehen weiter auf. So muss die Hülle vorsichtig zentimeterweise über die Antenne gestülpt werden, was letztendlich auch klappt. Jetzt sind die 25 Facharbeiter dran, die Folie mit 320 Gewindebolzen an einen Stahlring ähnlich einer Kederschiene zu verschrauben.

Nach der letzten Schraube kommen die Gebläse zum Einsatz und füllen die Hülle mit 56.000 Kubikmetern Raumluft zu der berühmten Kugelkuppe. Gut zwei Stunden dauert das Prozedere und Raisting hat sein Wahrzeichen wieder.

Landrätin Andrea Jochner-Weiß hofft nach finalem Abschluss der Runderneuerung auf viele Ideen, wie man das Radom wieder zu einem Besuchermagnet machen kann. So wie bei der Sonderausstellung „50 Jahre Mondlandung“, die dank des Radoms weltweit in die Wohnzimmer überragen wurde. Durch die dunkle Innenbeschichtung der neuen Hülle könne man beispielsweise Filme an die Wände projizieren.

Blick zurück

Zum Zeitpunkt des Baus der Erdfunkstelle Raisting 1963/64 war es noch nicht möglich, die Antennenanlagen unter freiem Himmel aufzustellen. Windlasten, Niederschlag und Vereisung wären bei einer freistehenden Antenne nicht beherrschbar gewesen. Daher wurde die Antenne mit einer Traglufthülle umgeben und bekam den Namen „Radom“ (aus dem Englischen radar und dome). Die zwei Millimeter dicke Folie war für die Funkwellen zur Satellitenkommunikation transparent.

Das Radom gilt noch heute als technischer Meilenstein in der Geschichte des Satellitenfunks. Neben der Mondlandung wurden auch die Olympischen Spiele von 1964 weltweit übertragen. Obwohl der Betrieb 1985 eingestellt wurde, ist die Antenne heute noch funktionstüchtig. 1999 wurde das Radom in die Liste der Industriedenkmäler aufgenommen. 2004 gründete sich ein Förderverein, um das Denkmal als Museum zu erhalten. Die Vorsitzende Dr. Sabine Vetter war übrigens bei der Montage der neuen Hülle von Anfang bis Ende dabei und freut sich schon, bald wieder mit Führungen und Aktionen aktiv zu werden. Besitzer des Radoms ist der Landkreis Weilheim-Schongau, der es für einen symbolischen Preis von einem Euro von der Telekom erworben hat. Geschäftsführer der landkreiseigenen „Radom Raisting GmbH“ ist René Jakob, der die Hüllenerneuerung geplant, koordiniert und akribisch überwacht hat.

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