Diskussion

Rathaus in Pähl: Immense Teuerung stört einige Gemeinderäte

Bürgermeister Werner Grünbauer vor dem neuen Rathaus.
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Die Räumlichkeiten des historischen Rathauses werden künftig von der Offenen Ganztagsschule benötigt. Darum muss die Gemeinde Pähl mit Bürgermeister Werner Grünbauer (Bild) neben der als Gemeindearchiv genutzten „Kleinen Schule“ ein neues Rathaus bauen.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Pähl – Darf sich die „Perle des Pfaffenwinkels“ ein schmuckes Rathaus leisten? Wenn „schmuckes“ gleich „teures“ bedeutet, dann nach Ansicht einiger Gemeinderäte nein. Wieder einmal ging es in der aktuellen Sitzung um die Kostensteigerung des längst beschlossenen Rathaus-Neubaus. Er soll auf gemeindlichem Grund am Ende der Eichbergstraße zwischen der „Kleinen Schule“ und dem Feuerwehrhaus entstehen.

Wie mehrfach berichtet, ist der jetzige Verwaltungstrakt direkt an der Grundschule zu klein geworden, nachdem aus dem Sitzungssaal bereits ein Klassenzimmer geworden ist und weiterer Raumbedarf seitens der Schule benötigt wird. Nicht nur wegen Corona finden die Gemeinderatssitzungen seitdem im Pfarr- und Gemeindezentrum statt. Dabei sollte es nach der Meinung einiger Gemeinderäte auch bleiben und damit könne man sich im Neubau den Sitzungssaal sparen.

Streitpunkte in der Diskussion waren die geplante Größe und die damit verbundenen hohen Baukosten des neuen Rathauses. Nach dem ursprünglichen Haushaltsansatz von 2,7 bis drei Millionen Euro stehen jetzt rund 5,6 Millionen Euro als Kostenschätzung im Raum. Entschieden zu teuer für Thomas Baierl (Freie Wähler), Gerhard Müller (Politik für Pähl) oder Daniel Bittscheidt (Parteilose Wählerschaft Fischen). Sie sprachen sich für eine deutliche Reduzierung des „maßlos überdimensionierten und opulenten“ Bauvolumens aus. Foyer, Treppenhaus oder Bürgermeister-Vorzimmer beispielsweise seien zu groß geplant und der Sitzungssaal ohnehin überflüssig. Auch die geplante Unterkellerung für das Gemeindearchiv, Haustechnik sowie Müllraum wurde in Frage gestellt.

Vize-Bürgermeisterin Ursula Herz (Dorfbewegung) verteidigte die Mehrkosten, die zum Teil der allgemeinen Steigerung von Material- und Baukosten geschuldet sind. Zudem werde das neue Rathaus für die nächsten fünfzig Jahre gebaut, in denen das Personal wegen steigender Verwaltungsaufgaben garantiert aufgestockt werde und damit mehr Platzbedarf brauche. Man müsse endlich aufhören, „kleinkariert zu denken.“ Den Einwurf des „digitalen Rathauses“ ließ sie nicht gelten. Es mache nur dem Bürger das Leben bei diversen Anträgen leichter, die Aufarbeitung im Rathaus aber bleibe die gleiche.

„Kein Palast“

Bürgermeister Werner Grünbauer, der sich bei der zum Teil lebhaften Diskussion zurück hielt, betonte, dass er mit dem neuen Rathaus gewiss „keinen Palast“ anstrebe, wies aber den Vorschlag eines nüchternen Verwaltungsklotzes entschieden zurück. Ein Rathaus müsse schließlich auch repräsentativ und in Sachen Energieeffizienz vorbildlich sein. Die in den Raum gestellten Kosten von 5,6 Millionen Euro seien nicht in Stein gemeißelt, sondern nur eine vorläufige Grobschätzung aufgrund der Planung von Architektin Claudia Schreiber. Er werde sie jetzt mit einer exakten Berechnung beauftragen, bevor das Thema wieder auf die Agenda kommt. Bis dahin würden auch die möglichen staatlichen Zuschüsse geklärt. Die von Thomas Baierl angesprochene Idee eines Bürgerbegehrens zum Thema Rathaus-Neubau griff Grünbauer nicht auf.

Nach den Plänen der Architektin Schreiber soll auf einer Grundfläche von circa 600 Quadratmetern das rechteckige Rathaus mit einem Satteldach in Ost-West-Firstrichtung entstehen. Die Nutzfläche auf drei Ebenen inklusive Keller, Sitzungssaal und Trauzimmer ist mit 1 460 Quadratmetern skizziert. Der Kern des Hauses mit Treppenhaus, Lift, Sanitäranlagen und Haustechnik wird aus Stahlbeton gebaut, die Gebäudeteile aus Holz. Das Dach bekommt eine Photovoltaikanlage. In das CO²-neutrale Energiekonzept sollen nach Möglichkeit auch die Kleine Schule, das Feuerwehrhaus, der Bauhof und das Schützenheim integriert werden.

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