Rathausumbau kostet 250 000 Euro mehr – Streit im Stadtrat wegen Kostennachfrage

"Es ist unsere Pflicht nachzufragen"

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Das Dach von Admiral-Hipper-Straße Nr. 18 soll ausgebaut und Nr. 16 an das Rathaus energetisch angebunden werden.

Weilheim – Die Sanierung und der Umbau des Rathauses werden teurer: Kämmerer Christoph Scharf bat die Stadträte um ihre Zustimmung zur Mehrausgabe von 250 000 Euro. Das löste eine Diskussion aus, deren Gegenstand nicht die Genehmigung der Finanzmittel selbst war – dass die Zustimmung erteilt würde, war bereits abzusehen – sondern die Hinterfragung der Kostensteigerung durch Stadträte, allen voran der SPD/FDP-Fraktion.

Die neuen Räume im Erdgeschoss des Rathauses an der Admiral-Hipper-Straße 20 sind fertig, im nächsten Schritt folgen die Baumaßnahmen am Dach und dem Dachgeschoss von Nummer 18 sowie die energetische Anbindung der Räume im Haus Nummer 16. Im Haushalt eingeplant war für den Ausbau des Dachgeschosses die Summe von 430 000 Euro. Die Überprüfung der Statik des 200 Jahre alten Dachs hat ergeben, dass diese für einen Ausbau des Dachgeschosses zu Büroräumen ungenügend ist, wie Kämmerer Scharf den Stadträten darlegte. Gleiches gilt für die Dämmung. Der Ausbau ist notwendig, herrscht doch bereits jetzt schon Raumknappheit. Im Dachgeschoss sollen in vier Räumen acht neue Arbeitsplätze entstehen. Diese Büros werden zunächst Ausweichräume für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sein, in deren Büros die Decken saniert werden. Auf Anfrage der SPD/FDP-Fraktion, ob die Räume nach der Sanierung weiterhin genutzt werden, antwortete Scharf: „Ja, das ist eine Dauerlösung“. Um die Räume in der Admiral-Hipper-Straße 16 für die Verwaltung effektiv nutzbar zu machen, sollen diese an das Heizungs-, EDV- und Elektrosystem von Nummer 20 angeschlossen werden.

Insgesamt ergeben die Baumaßnahmen damit Kosten von 680 000 Euro. Scharf betonte, dass es sich bei der ersten Kostenberechnung 2013/2014 um den „Fluch der ersten Zahl“ handelte und nicht alle Details bekannt waren. Scharf verteidigte die Kosten: „Das ist für uns eine Zukunftsinvestition in das Haus“. „Auch wir waren erschrocken“, stellte Karin Groß, Leiterin des Hauptamtes, in Bezug auf die Mehrkosten fest. Die Verwaltung gehe aber mit Bedacht vor und gebe nicht sinnlos das Geld aus.

Die Stadträte von SPD und FDP wollten auch wissen, ob denn Alternativen geprüft worden seien, was Scharf mit einem „Ja und Nein“ beantwortete. Es habe zu Anfang die Überlegung gegeben, ob das ganze Rathaus während der Baumaßnamen geräumt werden soll, aber das wäre teurer gewesen.

Alfred Honisch (Grüne) und Walter Weber (Freie Wähler) schlossen sich der SPD/FDP-Fraktion mit kritischen Nachfragen zu den Kosten und dem Verfahren, wie die Stadträte davon in Kenntnis gesetzt wurden, an. „Mich wundert es, dass der Kämmerer das hier erklärt und nicht der Architekt“, so Honisch. „Ich finde es unfair, das jetzt so zu sagen“, konterte Loth, denn der Architekt sei oft da gewesen. Es ist viel Geld „aber ich betrachte den Betrag nicht als exorbitant“, legte Stefan Zirngibl (CSU) nach und fand die Kritik am Architekturbüro ebenfalls unangebracht.

Dr. Claus Reindl (BfW) warf seinen Kollegen im Stadtrat vor, sie würden nur nachhaken, weil das bei Finanzfragen gerade „In“ sei. „Es ist unsere Pflicht nachzufragen“, hielt Weber dagegen. „Ich fände es bedenklich, wenn wir nicht nachfragen“, wies Petra Arneth-Mangano (SPD) die Kritik von Reindl zurück. SPD-Stadtrat Remesch stellte klar: „Ich schätze das Architekturbüro. Es war alles kurzfristig und deswegen haben wir die Fragen gestellt“.

Verzögert wird der Umbau des Weilheimer Rathauses nicht, denn die Stadträte bewilligten in der Sitzung den Antrag der Verwaltung.

Von Melanie Wießmeyer

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