Kreis- und Schulausschuss votiert für Einführung einer Talentklasse an Schongauer Realschule

Gute Schüler mehr fördern

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Schongau – Die Staatlichen Realschulen in Rosenheim, Bad Aibling oder Heilsbronn haben eine sogenannte Talentklasse bereits eingeführt. Dadurch sollen besonders leistungsfähige SchülerInnen zusätzlich gefördert werden. Das soll schon bald auch in der Pfaffenwinkel-Realschule in Schongau möglich werden, wie die Mitglieder des Kreis- und Schulausschusses in ihrer letzten Sitzung – jedoch nicht einstimmig – entschieden.

Im Rahmen der Initiative „Realschule 21“ des Bayerischen Kultusministeriums sollen besonders leistungsfähige Realschüler in einer Talentklasse individuell gefördert und gefordert werden. Wie der Leiter der Pfaffenwinkel Realschule Armin Eder erklärte, können Schüler von der siebten bis zur zehnten Klasse zusätzlich zu ihren jeweiligen Wahlpflichtfächern einen prüfungsrelevanten Zusatzkurs belegen. „An einen Zweig wird einfach ein zweiter Zweig dran gehängt“, so Eder. Als eine von sehr wenigen Realschulen wird in Schongau neben den Wahlpflichtfächergruppen 1,2 und 3 (Mathe/Physik, BWR, Französisch), die in allen Realschulen bayernweit gleich sind, auch das Wahlpflichtfach „Ernährung und Gesundheit“ angeboten. Ein Schüler mit besonders guten Leistungen könnte so ab der siebten Klasse neben seinem Wahlpflichtfach Französisch in einer Talentgruppe, die sich laut Eder wahrscheinlich am Nachmittag trifft, zusätzlich das Fach „Gesundheit und Ernährung“ belegen. Gerade für diejenigen, die nach ihrem Abschluss auf eine weiterführende Schule wie FOS oder Gymnasium gehen möchten, wäre dies ein echter Vorteil.

Talentklasse nur mit zweiter Schulküche möglich

Für die Talentklasse fasste Eder vor allem das Fach „Gesundheit und Ernährung“ ins Auge. In den letzten 20 Jahren sei der Anteil der Schüler, die dieses Fach nach der sechsten Klasse wählen, gestiegen. Eine Umfrage bei den fünften und sechsten Klassen ergab, dass sich 30 beziehungsweise bis zu 45 Prozent für dieses Fach entscheiden würden. Problem an der Sache: Mit nur einer Küche reicht die Kapazität einfach nicht mehr aus. Die Schülerzahl für dieses Fach zu begrenzen hält Eder jedoch für keine Lösung. „Mit einer zweiten Küche wären alle Probleme gelöst.“ Außerdem würde eine Talentklasse zusätzlichen Bedarf an einer zweiten Schulküche bedeuten. Das sahen die Mitglieder der Ausschüsse ähnlich, die einstimmig für eine zweite Schulküche votierten. Laut Kreiskämmerer Norbert Merk würden sich die Kosten auf 250 000 bis 300 000 Euro belaufen, wobei eine staatliche Förderung beantragt werden soll. Auch gebe es den Vorteil, dass für dieses Projekt bereits eine gewisse Vorplanung stattgefunden hat, erklärte Florian Steinbach, Leiter der Kommunalen Bau- und Liegenschaftsverwaltung im Landratsamt Weilheim-Schongau.

Kontroverse Diskussion in der Sitzung

In puncto Talentklasse waren sich die Kreisräte jedoch nicht so ganz einig. Hans Mummert (SPD) hatte ein Problem mit der Bezeichnung. „Ich sehe das eher als Eliteklasse. In Zeiten von Inklusion und Teilhabe muss man aber versuchen, alle mitkommen zu lassen“, so Mummert. Auch Hans Geisenberger (Unabhängige/Ödp) zeigte sich nicht überzeugt. Eine Talentklasse würde den Druck auf die Schüler nur erhöhen. „Schwächere haben keinen Nachteil dadurch, gute Schüler werden nur zusätzlich gefördert. Dafür müssen sie aber auch etwas leisten“, argumentierte Eder. Auch weitere Mitglieder wie Brigitte Loth (BfL) oder Robert Stöhr (CSU) begrüßten die Initiative als sinnvolle Förderung zur Weiterbildung. „Ich sehe die Talentklasse nicht als Diskriminierung schwächeren Schülern gegenüber“, so Michael Asam (SPD), der den Begriff „Eliteklasse“ jedoch ebenfalls „problematisch“ fände. „Ich hatte am Anfang auch Bedenken“, gab Richard Kreuzer (CSU) zu, „aber es geht ja darum, Leuten zu einem späteren Zeitpunkt die Möglichkeit zu geben, sie in Richtung FOS oder Gymi weiter zu bringen.“ Mit zwei Gegenstimmen votierte der überwiegende Teil der Mitglieder für eine Talentklasse.

Wie Eder auf Nachfrage des Kreisboten erklärte, hat er die Einführung einer Talentklasse beim Kultusministerium für das Schuljahr 2020/2021 bereits beantragt. Im Genehmigungsfall wäre dieses dann auch für den zusätzlichen Personalbedarf zuständig.

Von Maria Lindner

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