Drei Schwestern wollen eine Pflege-WG für ihren Vater gründen

Wollen Pflege-WG gründen: Monika Gleixner (links) und Angela Gleixner-Lück.
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Monika Gleixner (links) und Angela Gleixner-Lück wollen eine Pflege-WG gründen.

Region – Durch die Corona-Pandemie müssen alle Bürger mit Einschränkungen leben. Das mag nicht immer einfach sein, doch für viele ist es machbar. Für Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen leben, hingegen ist die Situation um einiges schlimmer. Gerade während des Lockdowns im Frühjahr waren sie komplett von der Außenwelt, und damit ihren Familien, abgeschnitten. Drei Schwestern wollen nun eine Pflege-WG gründen, um wieder mehr Zeit mit ihrem Vater zu haben. Was ihnen dazu noch fehlt sind eine geeignete Immobilie und Mitstreiter, die ebenfalls in die WG einziehen würden.

„Für mehrere Wochen war gar kein Besuch möglich“, erinnert sich Monika Gleixner. Ihr 86-jährigen Vater leidet unter fortgeschrittener Demenz. Die einzige Möglichkeit während des Corona-Lockdowns war die Kommunikation per Telefon oder Tablet, aber „das kann er nicht mehr bedienen“. Zudem sei persönlicher Kontakt, insbesondere persönliche Nähe, für ihn wesentlich. Hinzu kam noch, dass ihr Vater kurz vor dem Lockdown einen Schlaganfall hatte.

Nachdem auch in den Pflegeheimen die Maßnahmen gelockert wurden, waren Besuche zwar wieder möglich. „Unser Vater lebt aber in einem Doppelzimmer.“ Um den zweiten Bewohner also nicht zu gefährden, habe man sich in einem gesonderten Raum treffen müssen. Auf Abstand. Mit einer Plexiglasscheibe zwischen dem Vater und seinen Kindern.

Spaziergänge waren irgendwann auch wieder möglich, doch nur für eine Stunde. „Wissen Sie was eine Stunde für einen Demenzkranken bedeutet?“, fragt Gleixners Schwester Angela Gleixner-Lück. „Gerade wenn er angefangen hat wahrzunehmen, dass da Menschen bei ihm sind, die er kennt, ist die Stunde schon vorbei.“

Gelebte Inklusion

Um in Zukunft ihrem Vater wieder näher sein zu können und den Kontaktabbruch bei einem möglichen zweiten Lockdown zu vermeiden, wollen die Schwestern ihren Vater aus dem Pflegeheim holen. Gemeinsam stellen sie dafür die Initiative Pflegewohngemeinschaft „Miteinanda“ auf die Beine. Die Idee dahinter: Eine Wohnung oder ein Haus soll angemietet werden, in das der Vater einzieht. Auch eine der Schwestern, Andrea Kistner, würde dort mit ihm unter einem Dach leben. Sie ist Physiotherapeutin. In einer Pflege-WG ist ihr Fachwissen sicherlich gefragt. Dazu können noch mehrere Mitbewohner einziehen. Wobei Gleixner und Gleixner-Lück das Motto haben: „Je kleiner desto besser.“ Vier bis fünf Bewohner fänden sie optimal. Ob diese ebenfalls pflegebedürftig sind oder nicht spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Drei Personen mit einem Pflegegrad müssten zwar in der WG leben. Das sei wichtig, um eine Präsenzkraft für anfallende Tätigkeiten im Haushalt finanziert zu bekommen. Doch daneben können auch nicht pflegebedürftige Menschen einziehen.

Wie Gleixner erklärt, könnte sie sich gut vorstellen, dass zum Beispiel ein Student der Sozialen Arbeit dort mit einzieht. Das öffne die Möglichkeit, schon während des Studiums praktische Erfahrung zu sammeln. Eine vergünstigte Miete wäre für die Mithilfe in der WG denkbar. Die Schwestern sind sich einig: sie sind für alles offen.

Geballtes Fachwissen

Natürlich wären die Mitbewohner nicht auf sich allein gestellt. Neben der Präsenzkraft soll auch ein ambulanter Pflegedienst beauftragt werden. Und dann sind da ja auch noch die Schwestern. Kistner, die in die WG einziehen würde, ist damit quasi immer vor Ort. Auch Gleixner und Gleixner-Lück bringen einiges an Erfahrung mit. Sie haben ihre Großmutter bis zu ihrem Tod gepflegt. Als „pflege- und krisenerfahren“ bezeichnen sie sich selbst. Zudem sind beide im Gesundheits- beziehungsweise Sozialwesen tätig. Gleixner-Lück hat unter anderem schon in der Geriatrie gearbeitet. Gleixner hat Soziale Arbeit studiert und macht gerade ihren Master – eines der großen Themen dabei ist die gesellschaftliche Teilhabe.

Auch mit den rechtlichen Grundlagen und Gesetzen kennen sich die Schwestern aus. Sie haben sich damit intensiv auseinandergesetzt. „Wir sind professionell in der Lage, das auf die Füße zu stellen“, versichert Gleixner. Angehörige, die eine pflegebedürftige Person in der WG unterbringen wollen, bräuchten keine Angst haben, überfordert zu werden. Das Organisatorische haben die Schwestern im Griff. Was nicht heißt, dass die Mitbewohner oder deren Angehörige außen vor bleiben. „Von der Suppe bis zur Wohnungseinrichtung“ würde jeder in die Entscheidungsprozesse einbezogen.

Barrierefrei im Grünen

Der Plan für die Pflege-WG steht also schon. Doch noch fehlt die passende Immobilie. Es sollte entweder eine große Wohnung oder ein Haus sein. Ein Garten ist sehr wichtig, wie Gleixner erklärt. Auch eine ruhige Lage, gerne im ländlichen Bereich, damit Spaziergänge in der Natur möglich sind, ist ein Wunsch. Nicht zu vergessen, dass die WG barrierefrei sein muss.

Freilich ist es nicht leicht, so eine Immobilie zu finden. Das wissen auch die Schwestern. Deshalb haben sie sich auf keinen bestimmten Ort festgelegt. In der Weilheimer Umgebung oder Richtung Landkreis Starnberg ist die grobe Vorstellung.

Wer eine Immobilie anzubieten hat, Hinweise geben kann, oder sich als Mitbewohner vorstellen möchte, kann sich bei Gleixner melden: Tel. 0160/98583801, E-Mail monika.gleixner@gmx.net.

Die Schwestern hoffen, noch in diesem Jahr die Pflege-WG „Miteinanda“ offiziell gründen zu können. Bis dahin können sie sich auch eine Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung als Zwischenlösung für ihren Vater vorstellen. „Raus aus der jetzigen Situation“ ist Gleixners Wunsch für ihren Vater. Sie wissen nicht, wie lange er noch leben wird, deshalb wollen die Schwestern so viel wie möglich bei ihm sein und ihm gemeinsame Zeit schenken.

Von Stephanie Novy

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