IHK-Regionalausschuss diskutiert Möglichkeiten zur Entlastung – Region braucht Mobilitätskonzept

Wirtschaft hat Verkehr im Blick

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Bauamtsleiter Uwe Fritsch (li.) erläuterte verschiedene Varianten einer Entlastungsstraße, begründete Ausschlusskriterien und sieht „mehrere Möglichkeiten, die eine Diskussion zulassen“.

Weilheim – 7 000 Beschäftigte pendeln täglich zu ihrem Arbeitsplatz nach Weilheim ein – und stehen oft morgens ebenso wie nach Dienstschluss im Paradeis, Trifthof, auf der B 2 oder andernorts im Stau. Mit ihrem Mobilitätsverhalten und Alternativen, die verkehrliche Situation in der Kreisstadt zu entlasten, befasste sich der IHK-Regionalausschuss Weilheim-Schongau.

Bei der Sitzung im Staatlichen Bauamt Weilheim stellte dessen Hausherr und Leiter Uwe Fritsch gleich zu Beginn fest: Neue Erkenntnisse zum Planungsstand einer Entlastungsstraße könne er den Gästen nicht liefern. Diese, so Fritsch, werden voraussichtlich im April zuerst dem Stadtrat präsentiert. „Die Varianten sind soweit untersucht. Zahlen, Daten und Fakten werden mit dem Ministerium abgestimmt, und die Kosten müssen auf ein vergleichbares Niveau gebracht werden“, ließ der Amtschef die Wirtschaftsvertreter wissen. 600 000 Euro wurden bisher an Planungskosten in Auftrag gegeben, für die der Freistaat in Vorleistung geht. Baulastträger ist der Bund, für den „nicht die Entlastung, sondern die flüssige Fahrt durch Weilheim“ vordringliches Ziel sei.

Der Gesamtverkehr in Weilheim ließe sich mit einer Entlastungsstraße um ein Drittel reduzieren und fast 60 Prozent des Schwerverkehrs könnten laut Fritsch auf die Umfahrung verlagert werden. Die „Verkehrswirksamkeit“ einer neu gebauten Straße stehe deshalb „aus Sicht des Bauamtes außer Frage“. Fritsch machte deutlich: Die mit der Planung beauftragte Behörde könne zwar die Basisdaten liefern. Letztlich muss aber die Stadt nach eingehender Dialogphase eine Entscheidung treffen.

Woher kommen die Pendler?

Alternative Lösungen zur Verkehrsentlastung, wie ÖPNV, Jobtickets, Jobräder oder Betriebsbuslinien, stellte Klaus Bauer, Vorsitzender des IHK-Gremiums, zur Diskussion. In seiner Firmengruppe im Paradeis haben sich 160 der 250 Beschäftigten an einer IHK-Umfrage zum Pendlerverhalten beteiligt. Nur sieben Prozent davon nutzen den ÖPNV, 70 Prozent nehmen das Auto, ein Drittel zeigte Interesse an einem „guten alternativen Angebot“. Im Paradeis, fuhr Bauer fort, arbeiten 3 000 Mitarbeiter, 40 Prozent kommen mit dem Pkw: Ließen sich hier Betriebsbusse in öffentliche Verkehrskonzepte des Landkreises integrieren?

Die laut IHK-Geschäftsstellenleiter Jens Wucherpfennig aufgrund ihrer Teilnehmerzahlen (zwölf Betriebe, 1 800 Mitarbeiter) „nicht repräsentative Umfrage“ ergab auch, dass die größten Pendlerströme aus Peiting, Peißenberg, Huglfing und Wielenbach kommen.

Landkreis muss nachjustieren

Knapp 200 000 Euro, ergab eine Nachfrage im Landratsamt, investiert der Landkreis jährlich in den ÖPNV. Landrätin Andrea Jochner-Weiß sieht Handlungsbedarf. „Wir werden in den nächsten Jahren für die Personenbeförderung viel mehr Geld in die Hand nehmen müssen“, räumte sie in der Sitzung ein. Ob ein Anschluss an den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) sinnvoll wäre, müsse geklärt werden. „Weilheim-Schongau hat zunächst nichts von einem Beitritt, ein zweites Gleis nach Tutzing ist derzeit Utopie“, so die Landrätin.

Ein Strukturgutachten, das die Region 17 (Landkreise WM-SOG, GAP, Tölz-Wolfratshausen, Miesbach) in Auftrag gegeben hat, soll in den nächsten Wochen vorliegen. Seine Daten könnten in einen Nahverkehrsplan mit konkreten Zielen einfließen, den der Landkreis anstoßen will, erklärte der ÖPNV-Beauftragte Manfred Plonner dem Kreisboten.

RVO-Niederlassungsleiter Ralf Kreutzer berichtete von dem Werksverkehr, den der RVO im dritten Jahr für Roche durchführt – „es läuft gut“. Über 660 Mitarbeiter werden mit Bussen von München nach Penzberg befördert. Preisgünstige Jobtickets für den Stadtbus, welche der Pharmakonzern seinen Mitarbeitern in Penzberg anbietet, werden laut Kreutzer gut angenommen. Ein Modell, das im Landkreis weiter Fuß fassen sollte, um das Umsteigen auf den ÖPNV attraktiver zu machen.

Die Idee von Betriebsbussen griff Michael Sendl (Biomichl) auf und dass es für die Mitarbeiter auch Fahrmöglichkeiten außerhalb der Kernzeiten geben sollte. An Bürgermeister Markus Loth war die Frage von Unternehmer Florian Lipp (Kaufhaus Rid) gerichtet, in welche Richtung Weilheim wachsen soll. Hans Medele (MedeleSchäfer GmbH) monierte, dass „Weilheim den ganzen Verkehr aufnehmen muss, weil die Stadt als einzige keine Umgehung hat“ und dass der wachsende Lkw-Verkehr in der Diskussion außer Acht gelassen werde.

Blick auf Region vermisst

Einige Sitzungsteilnehmern – vor allem aus dem Schongauer Raum – monierten, dass die Diskussion um ein Mobilitätskonzept nur auf die Kreisstadt gerichtet war. „Alles andere außer Weilheim fiel hinten runter. Wir müssen aber den Großraum im Blick haben“, äußerten sie deutliche Kritik. 

Von Maria Hofstetter 

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