Weilheimer Wirtschaft meldet sich zu Wort

IHK-Regionalausschuss fordert Entlastungsstraße im Westen oder Osten – B 2-Tunnel aktuell keine Option

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Geschäftsführer Kurt Bechtold (2.v.li.) führte die Ausschussmitglieder vor der Sitzung durch den Betrieb. Die Günter Bechtold GmbH im Trifthof ist auf Blechbearbeitung spezialisiert und bietet Lösungen vom einfachen Laser­schneiden bis zu hoch­komplexen Blechteilen. 105 Mitarbeiter fertigen Produkte für Industrie, Handwerk, exklusiven Handel und ausgewählte Dienstleister. „Wir suchen Nischen, das ist unsere Zukunft“, erklärte Bechtold. V.li.: Michael Sendl, Bechtold, Klaus Bauer, Jens Wucherpfennig, Bernhard Kux (beide IHK), Hans Medele, dahinter Peter Ostenrieder und Marco Steglich (Fraunhofer Institut).

Weilheim– Nach dem Standortförderungsverein bezog nun auch der IHK-Regionalausschuss Weilheim-Schongau Stellung zur heiß diskutierten Verkehrsentlastung in Weilheim. Bürgermeister und Verwaltung, sagte der Ausschussvorsitzende Klaus Bauer in der jüngsten Arbeitssitzung, hätten bei einem Gespräch deutlich gemacht, dass sich die Wirtschaft in dieser strittigen Frage positionieren soll.

Während die Gegner von Umfahrungsplänen zahlreiche Bürger zu Kundgebungen motivieren konnten, sei die Stimme der Wirtschaft bisher in der Öffentlichkeit kaum wahrnehmbar gewesen, stellte Bauer fest, der sich persönlich für eine Westumfahrung ausspricht. Bauer appellierte an das Gremium, Flagge zu zeigen.

Elf der insgesamt 17 IHK-Ausschussmitglieder diskutierten intensiv und auch kontrovers, bevor sie über zwei vom Weilheimer IHK-Geschäftsstellenleiter Jens Wucherpfennig formulierte Frage getrennt abstimmten: Braucht Weilheim eine Entlastungsstraße? lautete die erste. Für „Ja“ votierten zehn Mitglieder, Michael Sendl (Biomichl) enthielt sich.

„Nach aktuellem Kenntnisstand wird eine B 2-Tunnellösung abgelehnt“, fanden zehn Wirtschaftsvertreter bei der zweiten Abstimmung, nur Dr. Armin Weiß (Advanced Realtime Tracking GmbH Weilheim) war anderer Meinung.

Hans Medele (MedeleSchäfer GmbH, Weilheim) sieht bei der Entscheidungsfindung die „schweigende Mehrheit“ als großes Problem. „Wir ersticken im Verkehr. Jetzt sind das Geld und die Möglichkeiten da, wir müssen so schnell wie möglich in die Puschen kommen“, forderte er. Die verstreut liegenden Gewerbegebiete könnten nur mit einer Umfahrungsstraße miteinander verbunden werden. Vor der Festlegung auf eine Trasse sollten jedoch die Vorschläge des Straßenbauamtes abgewartet werden.

Kreisboten-Verlagsleiter Helmut Ernst monierte, dass sich bisher noch kein Bürgermeister klar zu einer Umfahrungslösung bekannt habe: „Weilheim hat in den letzten 20 Jahren Gewerbeverhinderungspolitik betrieben, und wir müssen heute die Zeche zahlen.“

Auch für den Schongauer Raum, so der Peitinger Peter Ostenrieder (Werbeagentur), sei eine bessere Verkehrsanbindung essentiell. Um den „Flaschenhals Weilheim“ zu lösen, sollten West und Ost untersucht werden. „Bei einer Westumgehung hätten wir zwei bis drei neue Brücken. Derzeit gibt es nur eine einzige über die Ammer“, führte Ostenrieder als Vorteil an.

Einem B 2-Tunnel erteilte der Ausschuss – auch weil während der Bauphase in der Stadt ein großes Verkehrschaos befürchtet wird – eine klare Absage. „Da geht vier bis fünf Jahre gar nichts“, argumentierte Felix Schaumberg (Bremicker Verkehrstechnik) und Medele hält diese Tunnellösung für einen „Schmarrn“. Michael Sendl fürchtet für seinen Biomarkt gar einen „wirtschaftlichen Ruin“, da er die Erreichbarkeit seines Marktes während der Bauzeit nicht gewährleistet sieht.

Wegen des zunehmenden Pkw- und Lkw-Verkehrs müsste nach Meinung von Erwin Effner (Steuerberater, Schongau) mehr Verkehr auf die Schiene verlagert werden. Voraussetzung hierzu: Ausbau der Bahnstrecke Schongau-Weilheim-München. Um die Verkehrsentlastung voranzubringen, riet er seinen Weilheimer Kollegen: „Entscheidet euch endlich für irgendetwas. Am schlimmsten ist es, nichts zu tun.“

Dass Weilheim eine Verkehrsentlastung braucht, ist in Wirtschaftskreisen seit Langem unumstritten. So berichtete Kurt Bechtold von den Klagen der Lkw-Fahrer, ihre Gefährte aus dem „Nadelöhr Trifthof“ hinauszumanövrieren. Sein Appell: „Wir müssen jetzt unsere Kräfte bündeln und fordern. Die technischen Fragen müssen andere lösen.“

Differenzierter waren die Meinungen, ob man sich auf eine konkrete Marschroute festlegen soll. Werde darauf verzichtet, „ruft man wieder alle Umfahrungsgegner auf den Plan“, wandte Verlagsleiter Ernst ein.

Laut IHK-Regionalleiter Bauer soll zu den Jours Fixes im Rathaus, bei denen das Staatliche Bauamt über den aktuellen Planungsstand informiert, künftig auch ein Vertreter der Wirtschaft geladen werden.

Weiter Weg zur 5G-Technologie

Als ein Vertreter des Fraunhofer Instituts die neue Mobilfunk-Technologie 5G und ihre Anwendungsbereiche – unter anderem für Automobilindustrie (automatisiertes und vernetztes Fahren) und produzierendes Gewerbe – vorstellte, äußerten die IHK-Vertreter ihren Frust darüber, dass in der Region die Telefonie und Erreichbarkeit noch im Argen liegt. Bei seiner Fahrt stadtauswärts falle er bereits in Marnbach ins erste Funkloch, kritisierte Florian Lipp (Kaufhaus Rid) die Lücken in der Infrastruktur des Mobilfunknetzes.

Auch eine Umfrage unter den ehrenamtlich tätigen Unternehmern der IHK für München und Oberbayern vom Mai bestätigte die große Unzufriedenheit über die Versorgung mit schnellem Internet und Mobilfunk. So monierten rund 40 Prozent der Unternehmen, dass ihre aktuelle Festnetz- und Mobilfunkinfrastruktur nicht ausreichend sei. Werde dieser Mangel nicht zeitnah behoben, müssten Aufträge abgelehnt oder in manchen Fällen ein Standortwechsel in Erwägung gezogen werden. 

Von Maria Hofstetter

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