Rettung für Radom?

Kann das Industriedenkmal Radom in Raisting erhalten und künftig als Museum betrieben werden? Wird in diesem Jahr wieder keine Entscheidung getroffen und die marode Landkreis-Immobilie nicht saniert, droht dem weltweit einzigen Denkmal mit strebenloser Hülle das Aus.

Allein um die luftgestützte Kuppel stabil zu halten, das Gebäude zu heizen und mit Strom zu versorgen wurden im Jahr 2008 ganze 120000 Euro ausgegeben. Die Hoffnung von Eigentümer und Förderverein, die Museumspläne innerhalb der Immobilie doch noch zu verwirklichen, stützt sich auf das vor zwei Wochen mit der Sanierungsplanung beauftragte Ingenieurbüro Barthel und Maus aus München. „Es wird voraussichtlich im Mai einen Maßnahmenplan vorlegen, der auch den potenziellen Geldgeber überzeugen soll“, sagte Kreiskämmerer Heinz-Günther Hetterich, Geschäftsführer der Radom GmbH, bei der Jahresversammlung des Vereines „Industriedenkmal Radom Raisting“. Noch sei völlig offen, ob der Bezirk Oberbayern finanziell einsteige. Mit einer endgültigen Entscheidung des Bezirkstagspräsidenten wird Ende Juni gerechnet. Wie lange es noch dauert, bis die 45 Jahre alte Traglufthülle reist oder zusammenfällt, vermochte Ronald Sinda, Vorsitzender des Fördervereins, den etwa dreißig Anwesenden bei der Jahreshauptversammlung nicht zu sagen. Die Garantie dafür ist längst abgelaufen. Sie bestand nur sieben Jahre und die Nahtschutzbänder der Gebäudehülle liegen überall auf den Wiesen. „Bei starkem Wind vermeide ich Führungen im Radom aus Sicherheitsgründen“, erklärte Sinda. Der Verein versucht derzeit in Zusammenarbeit mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen und dem Landesamt für Denkmalpflege ein Museumskonzept zu erarbeiten. Wie die vom Bezirk Oberbayern geplante Ausstellung über Industriekultur und das vom Verein angestrebte Museum, das das „Denkmal im Gesamtkontext“ darstellen soll, stimmig unter der Kuppel vereint werden können, liefert weiteren Diskussionsstoff. Nach all den Wahlen in den vergangenen Jahren, die immer wieder dazu führten, dass sich Zuständigkeiten änderten und sich neue Verantwortliche erst wieder mit der Sachlage befassen mussten, verzögerte sich die Radomsanierung. Das vom Landesamt für Denkmalpflege zur Verfügung gestellte Startkapital ist spätestens im Jahr 2010 aufgebraucht, ließ Hetterich die Versammlungsteilnehmer in Raisting wissen. Die Kosten für das Sanierungsgutachten tragen der Bezirk Oberbayern und der Landkreis zu gleichen Teilen. Die Hälfte des Betrags übernimmt das Landesamt für Denkmalpflege. Ob die Hülle einen weiteren Betrieb der darin befindlichen Antenne zulässt, wird die Kostenschätzung klären. Eine gedämmte Haut könnte helfen, Energiekosten zu sparen. Funkwellendurchlässig müsste sie sein, um die Antenne im Gebäude-innern betreiben zu können. Vorgabe des Landesamtes für Denkmalpflege ist es, den Charakter des Denkmals nicht zu verändern. Bei der Suche nach einer neuen Energieversorgung wird auch geprüft, ob das Objekt über eine Biogasanlage eines örtlichen Landwirts betrieben werden kann. Im Jahr 2007 erwarb der Landkreis das Industriedenkmal von der Telekom und rettete es dadurch – vorerst – vor dem Abriss. Am Donnerstag, 19. März, findet das nächste Treffen der Verhandlungspartner statt, bei dem professionelle Museumsplaner benannt werden sollen. Zudem ist bei der geplanten Zusammenkunft zu klären, ob die gesammelten Museumsexponate während der Sanierung in einem Container oder einem anderen Depot untergebracht werden können.

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