Projektvorschlag für ambulantes Rehabilitationszentrum – Bürgermeisterin und Werkleiter wegen Pressegespräch in der Kritik

"Rigi-Rutsch´n" bald Freizeit- und Gesundheitspark?

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Es gibt einen Projektvorschlag für ein ambulantes Rehabilitationszentrum.

Peißenberg– Es klingt nach einem vielversprechenden Projekt: Im Betriebsgebäude der „Rigi-Rutsch´n“ könnte möglicherweise ein ambulantes Rehabilitationszentrum eingerichtet werden.

Bürgermeisterin Manuela Vanni und Günther Forster, Vorstand der zuständigen Gemeindewerke, sind von der Idee „begeistert“. Bei einem Pressegespräch sprachen die beiden von einer „großen Chance“, den Erhalt der „Rigi-Rutsch´n“ nachhaltig zu sichern und Peißenberg nach der Schließung des Krankenhauses wieder als Gesundheitsstandort zu etablieren. Doch hinter den Kulissen knirscht es gewaltig: Weite Teile des Marktrats sind massiv darüber verärgert, dass Vanni und Forster mit ersten Projektdetails an die Öffentlichkeit gegangen sind.

Konkret geht es um eine Reha für den Indikationsbereich von orthopädischen Erkrankungen und die Behandlung von Bewegungsstörungen, zum Beispiel bei Schlaganfall-,Parkinson- und Multiple-Sklerose-Patienten. Der regionale Bedarf für eine solche Ambulanz wird von Experten als durchaus hoch eingeschätzt. Aufgrund moderner, minimalinvasiver Operationstechniken, so heißt es, würde die stationäre Rehabilitation zunehmend an Bedeutung verlieren. Auch der demographische Wandel fördere die Nachfrage. Zudem könne die Rehabilitation die Strategie der wohnortnahen Krankenversorgung im Landkreis unterstützen. Die Einrichtung würde auch Kassenpatienten offenstehen. „Mit der Krankenhaus GmbH hat es schon Gespräche gegeben. Die Reha wäre eine gute Ergänzung. Es würden sich sehr große Synergien ergeben“, erklärte Vanni beim Pressegespräch.

Ideengeber für das Konzept ist der Peißenberger Gesundheitsökonom Reinhard Huber: „Er hat fast 40 Jahre Erfahrung in der Branche und ist sehr gut vernetzt“, betonte Forster: „Herr Huber wird als Partner definitiv mit im Boot sein, fachlich sowie persönlich. Er sieht in der `Rigi-Rutsch´n` die optimalen Bedingungen, eine solche Reha zu realisieren.“

Die Kombination mit der Freizeitanlage bietet laut Forster infrastrukturell ein „Alleinstellungsmerkmal“. Und für die Gemeindewerke könnten sich durch die Reha neue Ertragsmöglichkeiten ergeben, wodurch wiederum das Defizit des Freibadbetriebs „Rigi-Rutsch´n“ abgemildert und Gewinneinbußen in anderen Sparten kompensiert werden könnten: „Die Margen auf dem Strommarkt werden nicht größer, soviel ist sicher“, prognostiziert Forster. Doch entschieden ist noch gar nichts. Bevor der „Freizeit- und Bäderpark“ zu einem „Freizeit- und Gesundheitspark“ wird, sind noch viele grundlegende Fragen zu klären – unter anderem wie die Reha-Einrichtung in das Kommunalunternehmen (KU) „Gemeindewerke“ integriert werden kann, als eigene Sparte, als Tochterunternehmen oder als verpachteter Fremdbetrieb. Unklar ist zudem, wie die Trennung zwischen Freibad und Reha baulich und organisatorisch bewerkstelligt werden kann. Außerdem müssen betriebswirtschaftliche Risiken sowie steuer- und kommunalrechtliche Fragen geklärt werden. Ebenso ist zu diskutieren, ob die Saunalandschaft in das Gesamtkonzept integrierbar ist und wer die Investitionen finanziert. Konkrete Zahlen und einen Zeitplan für das Projekt gibt es noch nicht. „Der Gemeinderat und der Verwaltungsrat der Gemeindewerke können erst dann entscheiden, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen“, so Vanni.

Dass die Bürgermeisterin und der Werkleiter zum Pressegespräch geladen haben, hat indes laut Verwaltungsratsmitglied Dr. Klaus Geldsetzer (SPD) regelrecht für „Aufruhr“ im Umfeld des Marktrats gesorgt.

Demnach seien weite Teile des Gremiums mit der Veröffentlichung von Detailinformationen zur möglichen Reha-Ambulanz im Bäderpark „in keinster Weise einverstanden“. Es sei viel zu früh, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. „Bislang ist das alles lediglich ein Vorschlag. So etwas darf nicht nach außen getragen werden. Was ist, wenn die Sache schiefgeht. Es müssen noch so viele Dinge geklärt werden“, moniert Geldsetzer, der dem Werkleiter im Zusammenhang mit dem Pressegespräch „Profilierungssucht“ vorwirft.

Forster wiederum beteuert, dass die Veröffentlichung des Konzepts mit Ideengeber Reinhard Huber abgestimmt war: „Er war damit einverstanden, und er sieht die Bekanntgabe sogar als Vorteil.“ Zudem sei in der Lokalpresse schon über das Thema berichtet worden.

Von Bernhard Jepsen

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