Beim Einsatz künstlicher Gelenke an Knie und Hüfte assistiert ein Roboterarm – Krankenhaus ist Pionier in Oberbayern

Weilheimer Klinik steigt in Robotik ein

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Information aus erster Hand von Chefarzt Dr. Thomas Löffler: Landtagspräsidentin Ilse Aigner interessierte die neue Robotertechnik.

Weilheim – Dr. Thomas Löffler implantiert einen Kniegelenkersatz und wird dabei von einem Roboterarm assistiert: Zwölf solcher Operationen hat der Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie mit seinem Team seit Februar im Weilheimer Krankenhaus durchgeführt. Als erste kommunale Klinik in Oberbayern mit dem System „Mako“.

Wo sich sonst alles um schicke Fahrzeuge dreht, wurde am Donnerstag im Autohaus Medele geladenen Gästen medizinische Spitzentechnik vorgeführt und von Experten Einblick in die Zukunftsperspektiven von Robotik und künstlicher Intelligenz gewährt. „High Tech Medizin“, unterstrich Landtagspräsidentin Ilse Aigner in ihrer Festrede, stehe damit auch den Menschen im ländlichen Raum zur Verfügung und trage dazu bei, die Lebensqualität im höheren Alter gut zu gewährleisten.

Roboterarm assistiert im Krankenhaus Weilheim

 © Thomas Ziegler/Krankenhaus GmbH
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 © Th omas Ziegler/Krankenhaus GmbH
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Über die „mutige Entscheidung“ von Kreistag und Krankenhaus GmbH, die medizinische Schlüsseltechnologie in den Landkreis zu holen, sprach Landrätin Andrea Jochner-Weiß: „Mit ‚Mako‘ setzen wir auf die Zukunft der Krankenhaus GmbH.“

In den Kliniken Weilheim und Schongau werden jährlich circa 650 Endoprothesen eingesetzt. In Weilheim unterstützt nun System „Mako“ die Chirurgen beim Implantieren von künstlichen Knie- und Hüftgelenken. „Mit einem Höchstmaß an Präzision und Sicherheit“, wie Chefarzt Löffler der Presse in einer „Live-Knie-OP“ am künstlichen Knochen demonstrierte. Aufgrund großer Nachfrage soll der wöchentliche OP-Tag mit zwei bis drei Operationen auf zwei Tage erweitert werden.

Für GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann ist das roboterassistierte Operieren in Weilheim ein wichtiger Erfolgsfaktor, um im Qualitätswettbewerb mithalten zu können. Stolz darauf, jetzt „den ‚Mako‘ vor den Toren Münchens zu haben“, äußerte sich der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Andreas Knez. Der Landkreis greift für das amerikanische Produkt tief in die Tasche: Laut Lippmann liegt der Listenpreis bei 2,5 Mio. Euro.

„Die Implantation einer Knieprothese kann man sich wie die Überkronung eines Zahnes vorstellen“, erklärte Chefarzt Dr. Thomas Löffler bei seiner „Live-OP“.

Bei „Mako“, wurden die Gäste bei der Einweihungsfeier informiert, handelt es sich um ein zukunftsweisendes Roboterassistenz-System, das in Weilheim „bei hochpräzisen Implantationen von Knie- und Hüftprothesen“ unterstützend eingesetzt wird. Deutschlandweit steht nun in Weilheim für den Einsatz künstlicher Kniegelenke der neunte Roboter bereit.

Für eine Behandlung mit dem „Mako“-System wird auf Grundlage einer Computertomographie über eine spezielle Software ein virtuelles 3D-Modell des Kniegelenkes erstellt, OP und Sitz der Prothese werden geplant. Im Operationssaal kann das System anhand dieses Modells und mit Hilfe von 80 Positionspunkten exakt bestimmen, in welcher Position sich das Gelenk befindet und wo die Prothese genau eingesetzt werden soll. Chirurg Löffler weiter: „Sind die gesamten Daten abgesegnet, kommt der Roboterarm ins Spiel.“

Das System„Mako“ assistiert dem Arzt während der OP und führt Sägeschnitte mit einer Genauigkeit von 0,5 mm und 0,5 Grad Neigung durch. „Der Roboterarm richtet sich selbst aus, man kann nur in eine Richtung sägen“, fährt Löffler fort. Dem ersten präzisen Schnitt folgen weitere, dann kann die Prothese implantiert werden.

„Der Chirurg“, betont der Chefarzt, „ist zu jedem Zeitpunkt Herr der Situation. Er führt die OP nach wie vor selbst durch und wird dabei mit spezieller Software und daran angeschlossenem Roboterarm in seiner Präzision maßgeblich unterstützt.“ Nach circa 70 Minuten ist der Eingriff beendet und dauert somit etwa 15 Minuten länger als ein konventionell durchgeführter.

Chefarzt Löffler und die Oberärzte Marcel Ziegler und Klaus Lederer haben spezielle Schulungen absolviert. An der neuen OP-Technik soll jeder Bürger – ob Kassenpatient oder Privatversicherter – teilhaben können. Als Vorteile führte Löffler eine präzisere Durchführung der OP, weniger Blutverlust und Schmerzen, kürzere Liegezeiten sowie eine schnellere Heilung an.

Die Einführung des roboterassistierten Operierens hat die Weilheimer Klinik überregional in die Schlagzeilen gebracht. In der GmbH hofft man jetzt auch auf auswärtige Kundschaft. 

Von Maria Hofstetter 

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