Luise Schwarz pilgert im Rollstuhl auf dem Jakobsweg

Mit zwei Akkus nach Spanien

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In ihrem elektrischen Rollstuhl pilgert Luise Schwarz auf dem Jakobsweg.

Schöffau – Spätestens seit Hape Kerkelings Buch ist Pilgern auf dem Jakobsweg beliebt. Der Herausforderung des etwa 2 700 Kilometer langen Wegs von Schöffau bis Santiago de Compostela stellt sich auch die 58-Jährige Luise Schwarz. Allerdings nicht zu Fuß, sondern mit ihrem Rollstuhl – denn die ehemalige Kindergärtnerin hat die Muskelkrankheit FSHD. 

„Frau Schwarz, wie sind Sie auf die Idee gekommen?“ 

Schwarz: „Eine familiäre Lebenskrise warf mich im letzten Jahr aus der Bahn. Es entwickelte sich der Wunsch, zu pilgern.“ 

„Was wollen Sie dadurch erreichen?“ 

Schwarz: „Ich möchte neuen Lebensmut schöpfen, Kraft tanken und zu mir finden.“ 

„Wie haben Sie sich auf Ihr Vorhaben vorbereitet?“ 

Schwarz: „Ich habe im letzten Jahr sehr viele Bücher gelesen und Karten studiert. Enge Pfade und Treppen muss ich meiden. Deshalb muss ich sicher öfter auf Fahrradwege und andere Strecken ausweichen.“

„Und wenn doch einmal ein Hindernis im Weg ist?“ 

Schwarz: „Dann muss ich umdrehen und einen Umweg in Kauf nehmen. Einzelne Stufen kann ich mit meinen Wanderstöcken auch gehen. Dann muss mir aber jemand mit dem Rollstuhl helfen.“ 

„Aber Sie sind allein unterwegs?“ 

Schwarz: „Ja. Nur in der Schweiz begleitet mich vier Tage meine Schwägerin.“ 

„Bestimmt werden Sie aber viele Bekanntschaften machen...“ 

Schwarz: „Ich freue mich schon, Leute kennenzulernen. Vor allem auf dem spanischen Teil und in Frankreich sind viele Pilger unterwegs. Zumindest wurde mir das gesagt.“ (lacht) 

„Wie lange werden Sie für die Abschnitte brauchen?“ 

Schwarz: „Ich starte in Schöffau und bin sieben Tage in Deutschland in Richtung Bodensee unterwegs, dann 17 Tage in der Schweiz – wenn alles klappt. In Frankreich habe ich 35 Tage geplant, dann geht es über die Pyrenäen nach Spanien. 30 Kilometer möchte ich am Tag schaffen.“ 

„Stellt die Steigung kein Problem dar?“ 

Schwarz: „Wenn es steiler wird, verbraucht der Rollstuhl mehr Strom. Ich muss die Batterien dann öfter aufladen.“ 

„Wie viele Akkus haben Sie dabei?“ 

Schwarz: „Nur zwei. Einer wiegt 20 Kilo, mehrere wären zusätzlicher Ballast. Auf flachem Asphalt reichen sie zusammen für 40 Kilometer. Auf steilen Schotterwegen wohl kürzer.“ 

„Und wenn es in den Herbergen keinen Strom gibt?“ 

Schwarz: „Soweit ich herausgefunden habe, haben alle einen Stromanschluss. In den Pyrenäen könnte es zwar eng werden. Aber nach 16 Kilometern kommt ein Dorf. Das muss ich erreichen.“ 

„Hat Ihre Familie keine Bedenken?“ 

Schwarz: „Meine Schwestern waren anfangs etwas skeptisch und auch ein paar Freunde machen sich Sorgen. Meine zwei Töchter und mein Sohn stehen aber voll hinter mir.“ 

„Viel Gepäck können Sie wohl nicht mitnehmen?“ 

Schwarz: „Mein Sohn montiert mir zwei Radltaschen am Rollstuhl und hinten kommt ein Rucksack dran.“ 

„Viel ist das nicht für dreieinhalb Monate.“ 

Schwarz: „Die Pilger mit einem Rucksack haben weniger dabei. Mal sehen, was reingeht. Noch habe ich nicht gepackt.“

„Zwischendurch waschen Sie?“ 

Schwarz: „Ja, in der Herberge kann ich meine Sachen mit Handwaschmittel waschen. Dann wird das schon gehen.“ 

„Sind Sie schon aufgeregt?“ 

Schwarz: „Ein bisschen. Etwas schlechter schlafe ich schon in den letzten Tagen. Es geht ja schon am 6. Mai los.“

„Was wünschen Sie sich für die nächsten Monate?“ 

Schwarz: „Kraft, gute Momente und schöne Augenblicke.“ 

„Und gutes Wetter?“

 Schwarz: (lacht) „Ja, es wäre toll, wenn wenigstens zwei Drittel der Zeit das Wetter passt.“ 

Vielen Dank, Frau Schwarz. 


Von Ursula Gnadl.

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